Lehrbetriebe
Bussen für die Auszubildenden finden die Lehrmeister nicht sinnvoll

Die Berufsschulen können mit Absenzen der Schüler das grosse Geld machen. Finden die Betriebe aus der Region das Buss-System gerechtfertigt oder würden sie ihre Lehrlinge anders bestrafen?

Nadia Chamakhe
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Die Lehrbetriebe finden Geldstrafen für Schwänzer nicht sinnvoll.

Die Lehrbetriebe finden Geldstrafen für Schwänzer nicht sinnvoll.

Keystone

Die Solothurner Berufsschulen konnten mit den Absenzen der Auszubildenden sage und schreibe 171'000 Franken einnehmen. Die Lehrbetriebe sind von derartigen Erziehungsmitteln aber nicht wirklich überzeugt.

Christine Studer, Lehrlingsbetreuerin der Buchhandlung Lüthy Balmer Stocker, findet Geldstrafen sinnvoll, «wenn eine Schule nur so durchgreifen kann». Die anderen Befragten sind sich aber einig, dass die Bussen allein nichts nützen.

Eine Betreuerin in einer Kinderkrippe, die anonym bleiben will, ist überzeugt: «Geldstrafen sind nicht sinnvoll. Sie tun höchstens dem Portemonnaie weh. Unsere Lehrlinge verdienen sowieso nicht so viel, unentschuldigte Absenzen müssten andere Konsequenzen zur Folge haben.»

Brigitte Cicek, Floristin der Waibel Gärtnerei Solothurn, bezweifelt, dass die Bussen ihren Zweck erfüllen. Nachsitzen sei die bessere Lösung.

Dominique Mattenberger, Geschäftsführer des Hotels Olten, sieht in den Zahlungen der Schüler nicht die Lösung: «Erfahrungsgemäss zahlen die Eltern und nicht die Lehrlinge Bussen.»

Keine Schwänzer in den Betrieben?

Die meisten angefragten Lehrbetriebe sind zufrieden mit ihren Lehrlingen und behaupten, keine Probleme mit schwänzenden Auszubildenden zu haben. Sie geben an, schlichtweg keine Kenntnisse davon zu haben, ob ihre Lehrlinge schwänzen.

«In der Regel bekommen wir nicht mit, dass unsere Lehrlinge schwänzen», erzählt die Krippen-Betreuerin. «Wir können grundsätzlich gegen das Schwänzen an der Berufsschule nichts unternehmen. Die Lehrlinge müssen jedoch bei Absenzen anrufen und sich krank melden. In den meisten Fällen wissen wir aber nicht, ob dem wirklich so ist.»

Ist die «fehlende» Schwänzerei in den Betrieben den gutgläubigen Lehrmeistern zu verdanken oder dürfen Auszubildende je nach Beruf unpünktlicher sein?

Dominique Mattenberger vom Hotel Olten vermutet: «Schwänzen ist branchenabhängig. Unsere Lehrlinge müssen zuverlässig und pünktlich sein.» Weiter ist er überzeugt: «Eine gute Vorauswahl bei der Vergabe der Lehrstellen ist entscheidend.»

Auch laut Christine Studer, Lehrlingsbetreuerin der Buchhandlung Lüthy Balmer Stocker, seien die Auszubildenden sehr zuverlässig. «Unsere Lehrlinge besuchen die Wirtschafts- und Kaderschule Bern und müssen sogar bei 5-minutiger Verspätung ihre Absenzen-Hefte unterschreiben lassen.»

Folgen für notorische Schwänzer

An den Berufsschulen können die Schwänzer für ihr Vergehen gebüsst werden. Wie geht ein Lehrbetrieb mit einem unzuverlässigen Schüler um, der unregelmässig zur Arbeit erscheint?

In der kontaktierten Kinderkrippe müssen Lehrlinge beim Fernbleiben von über drei Tagen ein Arztzeugnis vorweisen. Laut der Betreuerin hat es einmal den Fall gegeben, dass ein Lehrling regelmässig geschwänzt hat – er wurde schliesslich entlassen.

Hotel-Geschäftsführer Dominique Mattenberger hat bisher keine solchen Erfahrungen gemacht, sagt aber: «Bei mehrmaligen unentschuldigten Absenzen würde ich das Gespräch mit dem Lehrling suchen. Würde der Lehrling weiterhin mit seinem Verhalten auffallen, würden auch die Schule und die Eltern informiert werden.»