Lukas Stuber, Werksleiter und Verwaltungsrat der Stahl Gerlafingen begrüsste Bundesrat Schneider-Ammann am Nachmittag auf dem Werksgelände. Der Bundesrat machte sich vor Ort ein Bild über die Arbeiten des grössten Recyclingbetriebs der Schweiz: Jedes Jahr verarbeitet das Werk mit 580 Mitarbeitenden, davon 37 Lehrlinge, 720'000 Tonnen Bewehrungs- und Profilstahl in modernsten Anlagen. Der Rohstoff der Stahl Gerlafingen ist zu 100% Stahlschrott.

Bürokratische Hindernisse

Dem Stahlwerk Gerlafingen, einer Tochtergesellschaft der italienischen Beltrame Gruppe mit Werken in Frankreich, Deutschland, Italien, Rumänien und der Schweiz, macht die aktuelle politische Entwicklung in Europa aus unterschiedlichen Gründen zu schaffen: Einerseits ist der Wechselkurs ein wichtiges Thema. Von wesentlich grösserer Bedeutung aber sind die hohen Energiepreise. Zudem machen strukturelle Handelshemmnisse dem Stahlwerk zu schaffen. So müssen für jeden Exportauftrag in ein europäisches Land bürokratische Hürde überwunden werden, während Konkurrenten aus dem Ausland freien Marktzugang in die Schweiz geniessen. Ein weitere, beunruhigende Entwicklung ergibt sich durch die Marktverzerrung im Bereich der Energiepreise.

Bundesrat Johann  Schneider-Ammann besucht das Stahlwerk Gerlafingen

Bundesrat Schneider-Ammann besucht das Stahlwerk

In Frankreich, Deutschland und Italien erhalten die Stahlproduzenten Industriestrompreise oder sie sind weitgehend von Abgaben entlastet -vor allem um gegenüber Produzenten in den Schwellenländern konkurrenzfähig zu sein. In den Schwellenländern wird mit Kohlestrom produziert, der teilweise für 1 Rp./kwH eingekauft wird. Da der Strom rund 14% der Produktionskosten ausmacht, wirken sich die Subventionen im Ausland massiv zu Ungunsten gegenüber dem Standort Schweiz aus. Alleine in Deutschland wurden die Energieintensiven mit rund 4 Mrd. Euro im Jahr 2011 in Form subvenionierter Energiepreise unterstützt. Die Schweiz kennt solche Mechanismen nicht - die Strompreise liegen in der Folge bis zum 2fachen über den Preisen der Hauptkonkurrenten.

Verdrängungswettkampf

Die Vorteile einer fast CO2-freien Stromproduktion und einer umweltschonenden Produktion des Stahl nach höchsten Standards in modernen Anlagen seien für die Kunden des Stahlwerks beim Kaufentscheid zu wenig relevant, erklärt Lukas Stuber, COO und Verwaltungsrat des Stahlwerkes: „Zu oft ist einfach nur der Endpreis entscheidend und ein globaler Verdrängungskampf ist in vollem Gang." Bislang kann sich Stahl Gerlafingen dank hoher Produktivität und Investitionen in Produktionsanlagen behaupten, aber das Umfeld wird markant rauer.

Vor diesem Hintergrund betonte Bundesrat Schneider-Ammann im Gespräch mit Medienvertretern, dass es wichtig sei, am Standort Schweiz festzuhalten und eine Situation zu erreichen, in der Marktverzerrungen auf allen Ebenen möglichst beseitigt werden. Man dürfe sich aber keinen Illusionen hingeben, die Schweiz sei in der Frage der Energiepreise bei Firmen der Exportbranchen darauf angewiesen, den europäischen Entwicklungen zu folgen und nicht umgekehrt.

Für Bundesrat Schneider ist, klar: „Ziel meiner Arbeit ist es, die Arbeitsplätze in unserem Land zu erhalten. Ich setze mich daher mit Entschiedenheit dafür ein, dass wir über die Wettbewerbsfähigkeit Sorge zum Werk- und Denkplatz Schweiz tragen."