Schneller als geplant
Bundesrat folgt Vorstoss von Zanetti: Trisomie 21 ist ein Geburtsgebrechen

Trisomie 21 wird nun doch schneller auf die Liste der Geburtsgebrechen aufgenommen, als dies der Bund vorhatte. Erreicht hat dies der Solothurner SP-Ständerat Zanetti mit einer Interpellation, in der er sich gegen eine drohende Verzögerung wandte.

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In der Schweiz kommt statistisch gesehen etwa jedes 650. Kind mit Trisomie 21, dem Down-Syndrom, zur Welt. (Symbolbild)

In der Schweiz kommt statistisch gesehen etwa jedes 650. Kind mit Trisomie 21, dem Down-Syndrom, zur Welt. (Symbolbild)

Keystone

Die Ergänzung der Liste der Geburtsgebrechen erfolge jetzt «unabhängig von einer Revision des Invalidenversicherungsgesetzes» (IGV), beschied der Bundesrat nun in seiner Antwort auf die Interpellation.

Die entsprechenden Arbeiten für die Aufnahme seien bereits in Angriff genommen worden. Und: «Diese Anpassung wird voraussichtlich im ersten Semester 2016 in Kraft treten können.»

Der Durchbruch ist ein Lichtblick für betroffene Eltern von Kindern, die mit dem Down-Syndrom zur Welt kommen: Nur Geburtsgebrechen, die auf der Liste des Bundes aufgeführt sind, haben für medizinische Behandlungen Anspruch auf Unterstützung der Invalidenversicherung (IV).

In seiner Interpellation hatte Roberto Zanetti darauf hingewiesen, dass das vorgesehene Zuwarten bis zur Umsetzung einer IGV-Revision «aus Sicht betroffener Eltern schwer nachvollziehbar» und stattdessen eine möglichst rasche Umsetzung wichtig sei.

Der Verein Insieme Solothurn hat denn auch sogleich «erfreut» auf Zanettis Durchbruch reagiert: «Damit können Angehörige von Menschen mit Trisomie 21 für medizinische Behandlungen schon bald die Unterstützung durch die IV in Anspruch nehmen.»

Bereits im September 2013 hatte Zanetti eine von 44 (!) Ständeratsmitgliedern unterzeichnete Motion eingereicht, in der die Aufnahme von Trisomie 21 auf die Liste der Geburtsgebrechen gefordert worden war.

Der Bundesrat empfahl den Vorstoss zur Annahme, worauf der Ständerat am 12. Dezember 2013 und der Nationalrat am 3. Juni 2014 – beide ohne Gegenvotum – zustimmten.

In der Schweiz kommt statistisch gesehen etwa jedes 650. Kind mit Trisomie 21, dem Down-Syndrom, zur Welt. Dabei handelt es sich um eine genetische Besonderheit, die der Arzt John Langdon-Down in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals beschrieb.

Statt doppelt ist das Chromosom 21 bei den Betroffenen dreifach vorhanden, daher die Namen Down-Syndrom und Trisomie 21. (ums.)