Bundesrat Berset kommt zu Fuss. Vorbei an der St. Ursen Kathedrale steuert er das Hotel Restaurant «La Couronne» an. Für sein Referat zur Reform AHV 2020 ist er etwas spät dran. Trotzdem begrüsst er zuerst noch die Veranstalter von Pro Senectute Kanton Solothurn persönlich und gibt Regional-Fernsehen und -Radio Interviews.

Im Saal des Hotels beginnt der SP-Bundesrat seine Rede mit «ich wurde von fast allen Kantonen eingeladen» – er habe sich aber fast für Solothurn entscheiden müssen. Schliesslich sei Solothurn ja der Geburtsort der AHV. Die rund 150 Anwesenden bestätigen das mit zustimmendem Nicken. Ihre Minen werden in den darauf folgenden 20 Minuten etwas nachdenklicher. Während des Referats herrscht Stille, unterbrochen vom Geräusch, das von den kleinen Broschüren kommt, mit denen sich die Anwesenden Luft zu fächeln und vom Knipsen der Kamera des Pressefotografen.

Die Zuschauer nicken eifrig und werfen sich gegenseitig vielsagende Blicke zu, wenn Berset von Franken und Rappen statt Prozenten spricht. Oder sagt, er habe bei der Ausarbeitung der Vorlage auch an seine Kinder gedacht, die einmal in die 2. und 3. Säule einzahlen werden. Nach dem Referat folgen aber auch kritische Fragen: Der Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Solothurn, einer der wenigen Jungen im Publikum, fordert den Bundesrat etwa auf zu erklären, warum denn die Vorlage solidarisch sei, wenn doch vor allem die Jungen dafür zahlen müssten. Die Solothurnerinnen und Solothurner beschäftigt des Weiteren auch, wie lange das Geld mit dieser Reform reiche, und ob es einen Plan B für «AHV 2020» gebe. Berset beantwortet jede Frage sehr ausführlich. Bei allen jedoch betont er, dass es keine Alternative gebe. So würde die Ausarbeitung eines neuen mehrheitsfähigen Gesamtpaketes Jahre dauern und am Schluss noch teurer werden. Und schliesslich sei diese auch nicht die letzte Altersreform.

Bundesrat Alain Berset spricht in Solothurn zur Altersreform – und wie lautet das Fazit der Teilnehmer?

Bundesrat Alain Berset spricht in Solothurn zur Altersreform – und wie lautet das Fazit der Teilnehmer?

«Für mich ist die Vorlage noch nicht wirklich durchsichtig», sagt Besucherin Beatrice Torre aus Solothurn nach dem Anlass. Sie verstehe beispielsweise nicht, wie das Rentenalter erhöht werde, gleichzeitig aber offenbar die Möglichkeit bestehe, früher in Pension zu gehen und doch mehr AHV zu kassieren als bisher. Doris Häfliger, Kantonsrätin der Grünen zieht als Fazit, der Herr Bundesrat habe eigentlich die Informationen bestätigt, die sie sich schon im Vorfeld angesammelt habe. «Mir wurde klar, dass es nach 20 Jahren eine Revision braucht», sagt Rudolf Junker aus Oberdorf. Er hoffe, dass es eine Lösung gebe, von der am Schluss alle profitieren können. «Schliesslich habe ich einbezahlt, seit ich zu arbeiten begonnen habe – auch für solche, die damals noch keine AHV bezahlt haben.» Raphael Cupa aus St. Niklaus zieht das Fazit: «Ganz in die Tiefe ging Berset nicht». Es gebe halt nur Prognosen – wie die Situation in zehn Jahren aussehe, wisse niemand. Aber: «Ein sehr eloquenter Mann, der sich gut verkauft.» Und ein Bundesrat, der sich nach dem Anlass noch einmal Zeit nimmt für weitere Fragen der Anwesenden – mit einem «Öufi»- Bier in der Hand und einer Solothurner Torte als Dankeschön der Veranstalter im Gepäck.

Bundesrat Berset will Solothurner überzeugen

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Alain Bersets Baby – die Rentenreform. Dafür investierte er viel Kraft und Zeit. Nun will der Sozialminister das Volk von seiner Vorlage überzeugen.