Den Anfang vor 230 geladenen Gästen aus Gemeinde-, Kantons- und Bundespolitik sowie aus Verwaltung und Partnerunternehmen machte RBS-Verwaltungsrat Kurt Fluri. Solothurns Stadtpräsident kennt die Strecke Solothurn–Bern bestens, fährt er sie doch in seiner Funktion als Nationalrat während der Sessionen praktisch jeden Tag. Er blickte auf die Gründungszeiten zurück, als Bundesrat Ludwig Forrer 1912 zwischen den Kantonsregierungen vermittelte, damit eine direkte Verbindung zwischen den beiden Kantonshauptstädten zustande kam.


Obwohl rundum bereits zahlreiche Eisenbahnlinien wie Centralbahn, Emmentalbahn, Gäubahn, Bernische Staatsbahn bestanden, verkehrte zwischen Solothurn und Schönbühl immer noch eine Postkutsche. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich auf die Realisierung einer Schmalspurbahn von Solothurn nach Zollikofen mit Anschluss an die Bern–Zollikofen–Bahn.

Leuthard lobt Pioniergeist

Fluri griff aus der hundertjährigen Geschichte etliche jüngere pionierhafte Entscheidungen der RBS heraus, die einer Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur – Niederflurzüge, Ausbau von Gleiskörpern und Bahnhöfen – galten und eine Vernetzung der Region förderten. 1965 endete die RBS-Linie nicht mehr auf dem seitlichen Bahnhofsvorplatz in Bern, sondern unterirdisch. Damals rechnete man mit rund 16 000 Fahrgästen täglich, heute sind es häufig bis zu 60 000 Passagiere, welche die Strecke Solothurn–Bern in 37 Minuten zurücklegen und vom bequemen Taktfahrplan profitieren.

Prognosen gehen davon aus, dass die Fahrgastzahlen auch künftig deutlich zunehmen. Und so hat der Bau eines Tiefbahnhofs in Bern weitgehend Gestalt angenommen. «Die Finanzierung dieses grossen Projekts, dessen Baubeginn aufs kommende Jahr festgesetzt ist, ist gesichert», so Fluri. Mithilfe diverser bahntechnischer Fonds und der FABI-Vorlage könnten die Baukosten von rund 520 Mio. Franken aufgebracht werden.

Er zeigte sich überzeugt, dass die allermeisten Verkehrsteilnehmenden den öffentlichen Verkehr (öV) als wesentlichen Teil des gesamten Verkehrssystems in Mischung zu anderen Mobilitätsformen pragmatisch und nicht ideologisch sehen wollen. Mit einem Dank an die «treuen, einsatzbereiten und innovativen» 400 RBS-Mitarbeitenden wünschte er dem Unternehmen weiterhin gute Fahrt.

Bundesrätin Doris Leuthard anerkannte als Verkehrsministerin in ihrer Gratulationsansprache «die Pionierleistungen dieser bestfrequentierten schweizerischen Regionalbahn». Die RBS-Bahntrasseen zeigten, wie mit sparsamer Bodennutzung Verkehrsströme effizient transportiert werden könnten. An ihre Lobesworte knüpfte die Bundesrätin aber auch Erwartungen wie die Einführung eines elektronischen Ticketings und des Road-Pricings. Denn es gelte, Engpässe zu beseitigen und Verkehrsspitzen zu brechen.

«Schmalspurige» Berner

Humorvoll knüpfte die Berner Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer an, indem sie vom Lehnstuhl als Geburtstagsgeschenk des Kantons an das 100-jährige Bahnunternehmen berichtete. «Bei euch in der RBS darf sich niemand zurücklehnen.» Denn «flüssige Mobilität» bilde den Puls der Grossregion, die diesen öV mit integriertem Takt und bewunderter Pünktlichkeit überdurchschnittlich nutze.

Solothurns Landammann Roland Fürst sorgte für Schmunzeln mit seinem Wortspiel über die Auseinandersetzungen der Gründungszeit. Damals hätten es die «schmalspurig eingestellten» Berner gegenüber den «normal(spurig) denkenden» Solothurnern geschafft, ihre Intention der 43cm engeren Spurweite durchzusetzen. Der Kompromiss habe sich gelohnt. «Liebe Berner, ihr habt nicht unrecht gehabt», wie die Unternehmensentwicklung ja beweise, unterstrich Fürst.

«Schenkt uns ein Sprungbrett, keinen Lehnstuhl, denn wir haben noch viel vor», bekräftigte RBS-Direktor Fabian Schmid als erst fünfter Amtsinhaber seit 1916. Er dankte für den Goodwill dem Unternehmen gegenüber und kündigte an, dass die RBS sich weiterhin als «Fachstimme einmischen» wolle. «Wir sind da, um der Region zu dienen.» Bildschön umrahmt wurde der Anlass vom Chor Cantissimo, Urtenen-Schönbühl.