Subingen
Bundesgericht fordert schnellere Räumung – für Raubtierpark «ändert das nichts»

Schon letztes Jahr entschied das Bundesgericht, dass René Strickler seinen Raubtierpark in Subingen räumen muss. Jetzt entschied das höchste Gericht zudem, dass die Behörden mit der Räumung vorwärts machen sollen. Das passiert anscheinend aber nicht.

Noëlle Karpf
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Er hätte schon längst das Grundstück in Subingen verlassen müssen: René Strickler ist mit seinen Raubtieren aber noch immer dort. Archiv

Er hätte schon längst das Grundstück in Subingen verlassen müssen: René Strickler ist mit seinen Raubtieren aber noch immer dort. Archiv

Hanspeter Bärtschi

René Strickler muss seinen Raubtierpark in Subingen räumen. Und zwar schnell. Dies entschied das Solothurner Obergericht einmal mehr diesen August. Dagegen wehrte sich Strickler, er zog vor Bundesgericht. Dieses entscheidet nun gleich wie das Obergericht, das diesen Sommer befand, die Räumung des Raubtierparks müsse schneller voran gehen.

Einen Mietvertrag für das Grundstück, das der Espace Real Estate gehört, hat Strickler eigentlich schon seit 2009 nicht mehr. Dank Mieterstreckung und Beschwerden, die den Umzug hinauszogen, wurde die Räumung bis heute nicht vollzogen. Diesen Sommer wurde der «Rettungsplan» für den Park präsentiert: Die Siky Ranch in Crémines. Bis 2018 sollen die Raubtiere von Subingen in den Berner Jura zügeln. Die Baubewilligung für die Raubtiergehege im ehemaligen Park für Falken und Kleintiere fehlt allerdings noch.

«Das Bundesgerichtsurteil ändert nichts», sagt Werner Ballmer, Verwaltungsratspräsident der Raubtierpark Subingen AG. Rechtlich sei immer klar gewesen, dass Strickler einen neuen Standort finden muss. Er wiederholt, was er gegenüber dieser Zeitung schon in der Vergangenheit mehrmals sagte: «Die Siky Ranch ist die schnellste und beste Lösung.» Dass noch keine Baubewilligung für die Raubtiergehege vorliegt, sei der normale Lauf der Dinge. «Es sieht aber nach wie vor danach aus, als ob es klappen würde.» Er habe auch keine Angst, dass das Areal in Subingen nun schneller geräumt würde, so Ballmer. Er gehe davon aus, dass die Behörden verantwortungsvoll handeln. Für das Entsorgen oder Versteigern der Tiere, was die Behörden laut Bundesgericht im Rahmen einer schnelleren Räumung tun könnten, habe er gar kein Verständnis.

Ein Faible für Raubtiere hatte Strickler schon immer. Bis 1994 war Strickler mit seinen Raubtieren in verschiedenen Zirkusunternehmen in Europa engagiert – auch für den Zirkus Knie. Das Foto stammt aus dem Jahre 2002, vor der Gründung des Raubtierparks 2003 reiste Strickler mit seinen Tieren durch die Schweiz.
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2003 mietet Strickler für fünf Jahre ein Gebäude sowie rund 6000 Quadratmeter Land in Subingen. Eigentümerin des Geländes ist die Espace Real Estate Holding AG.
2005 muss er ein neues Baugesuch einreichen Es kommen immer wieder neue Gehege und Gebäude dazu, die auf einen permanenten Raubtierpark hindeuten.
Wie finanziert sich ein Raubtier-Themenpark? 2007 erhält Strickler zwar die Bewilligung, in Dompierre (FR) einen 42'000 Quadratmeter grossen Raubtierpark-Themenpark zu bauen, die Finanzierung des 35-Millionen-Projekts ist jedoch nicht gesichert.
2008 wird der Mietvertrag noch einmal für drei Jahre verlängert Die Zukunft der Raubtiere scheint wenigstens für eine Weile gesichert.
Im August 2009 wird jedoch bekannt, dass der Mietvertrag vor Monaten gekündigt wurde. Wohin nun mit den Tieren?
Im Januar 2010 erreicht René Strickler eine Mieterstreckung für drei weitere Jahre Die Raubtiere, darunter auch seltene Exemplare wie dieser weisse Tiger mit Namen Arisha, und die 50 kleineren Tiere, wie Hasen, Schweine oder Ziegen sind noch einmal um eine Räumung herum gekommen.
2013 fordert Strickler vergeblich eine weitere Mieterstreckung um drei Jahre. 2014 einigt er sich vor der Zivilabteilung des Richteramts Bucheggberg-Wasseramt auf einen Vergleich für die Räumung des Raubtierparks auf Ende 2015.
Trotz der angekündigten Räumung des Parks bis Ende 2015 räumt das Amtsgericht René Strickler nochmals grosszügige Fristen zu. Im März 2016 bekunden rund 200 Fans des Tierparks ihre Solidarität.
2016 gründete Stricker die Raubtierpark Subingen AG (archiv) Der Raubtierpark sollte nun nach Crémines in die Siky Ranch zügeln, die von der Rauptierpark Subingen AG übernommen wurde. Dafür wurde das Aktienkapital um 2 Millionen Franken erhöht.
Der Raubtierpark Subingen wird nun in den Berner Jura umziehen Der neue Standort des Rabutierparks wird die Siky Ranch in Crémines sein. Der Raubtierpark wird nach Umbauarbeiten im Sommer im Herbst in die Ranch einziehen.

Ein Faible für Raubtiere hatte Strickler schon immer. Bis 1994 war Strickler mit seinen Raubtieren in verschiedenen Zirkusunternehmen in Europa engagiert – auch für den Zirkus Knie. Das Foto stammt aus dem Jahre 2002, vor der Gründung des Raubtierparks 2003 reiste Strickler mit seinen Tieren durch die Schweiz.

Urs Lindt

Die für die Räumung des Raubtierparks zuständige Behörde ist das Solothurner Oberamt. Auch dessen Leiter Alain Hervouét sagt, dass das Urteil keine direkten Auswirkungen hat: «Der Auftrag der Räumung besteht weiterhin.» Schneller wird diese aufgrund des Entscheides aber nicht vollzogen. Man sei nach wie vor mit den Parteien in Kontakt. Aktuell sei der Umzug für Ende Februar geplant. «Viel mehr kann ich gar nicht dazu sagen», so Hervouét.

Und die Besitzerin des Areals in Subingen? Die Espace Real Estate habe mit dem Bundesgerichtsurteil einmal mehr recht gekriegt, heisst es auf Anfrage beim Mediensprecher. Es sei nichts Neues, dass Herr Strickler das Areal endlich räumen müsse. Man hoffe jetzt darauf, dass die Behörden ihre Aufgaben auch ernst nehmen, und endlich wieder Recht herstellen.

Urteil: 4A_458/2017