Jugend+Sport
Bund kürzt Geld: Müssen Jugendverbände nun Lager-Beiträge erhöhen?

Von der Kürzung der J+S-Beiträge sind auch die Jugendverbände der Region betroffen. Wie sie damit umgehen werden, ist vielen Scharen noch unklar. Einige werden nicht um die Erhöhung der Lager-Beiträge herumkommen.

Deborah Onnis
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Dieses Jahr müssen die Pfader die Konsequenzen eines «Missverständnisses» tragen – gehofft wird, dass es im Jahr 2016 wieder mehr Geld geben wird.

Dieses Jahr müssen die Pfader die Konsequenzen eines «Missverständnisses» tragen – gehofft wird, dass es im Jahr 2016 wieder mehr Geld geben wird.

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Bisher versuchten wir immer, mit dem Minimum durchzukommen. Nicht mal auf dieses zählen zu können ist hart», sagt Pascal Trösch, Abteilungsleiter der Pfadi Stadt Solothurn. Von den Jugend+Sport-Lagerbeiträgen ist die Rede, die nach Bundesbeschluss neu ab August anstatt 7.60 nur noch 5.70 Franken pro Kind und Tag betragen werden. So richtig realisiert hat der Pfader die Kürzung aber noch nicht. Da das Sommerlager der Pfadi Stadt Solothurn im Juli stattfindet, werden sie dieses Jahr den finanziellen Einschnitt noch nicht gross zu spüren bekommen.

Anders sieht es bei der Jubla Winznau aus. Der Verein geht jeweils im Herbst mit durchschnittlich 70 Kindern und 30 Leitenden für eine Woche ins Lager. Wie sie das Loch in der Kasse füllen werden, wurde laut Scharleiter Fabian Weber noch nicht entschieden. «Es ist grundsätzlich nicht in unserem Interesse, die Lagerbeiträge für Teilnehmer zu erhöhen, da in unseren Augen jedes Kind die Möglichkeit haben sollte, ein solches Lager zu besuchen», sagt Weber. Es gebe die Option, externe Sponsoren zu suchen. Prinzipiell sei es aber schade, die ehrenamtliche Jugendarbeit immer mehr zu kommerzialisieren, da genau dies nicht das Ziel sei. Nächstes Jahr, wenn auch die Beiträge für das Pfingstlager nach den neuen Tarifen verrechnet werden, wird laut Scharleiter Fabian Weber dem jährlichen Lagerbudget 1500 Franken fehlen. «Da es sich bei Lagern dieser Art sonst schon um ein Nullsummenspiel handelt, sind die Auswirkungen dieser Kürzungen auf unseren Verein gewaltig», sagt Weber.

Noch härter trifft es die Pfadi Stadt Olten, da auch die Beiträge seitens der Stadt drastisch gekürzt wurden. «Für unser diesjähriges Budget gehen wir von einer Kürzung des Beitrags der Stadt Olten an die Pfadi um 5800 Franken aus, was einer Reduktion von 62 Prozent entspricht», sagt Elias Niklaus, Vereinspräsident der Pfadi Olten und Präsident der Pfadi Kanton Solothurn. «Diese beiden Kürzungen von unterschiedlicher Seite gehen nicht spurlos an uns vorbei.»

Kurzfristig würden sich die finanziellen Einbussen überbrücken, «dank dem (noch) gesunden finanziellen Polster der Pfadi Olten». Mittelfristig sei dies jedoch nicht möglich. Um die Einbussen zu stemmen, müsse in den Pfadilagern noch sparsamer gehaushaltet werden. Sprich: zum Beispiel nach einer Wanderung nicht mit dem Bus zurückfahren, sondern bereits erschöpft an die Basis zurückwandern. Oder vielleicht müssten einzelne Ausflüge ganz vom Programm gestrichen werden. Natürlich würde die Pfadi Olten durch zusätzliche finanzielle Aktivitäten versuchen, die Kürzung zu kompensieren. «Es wird sich jedoch zeigen, ob dies ausreicht oder ob ebenfalls eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge nötig sein wird.»

Auch die Pfadi Wangen spricht von einer dramatischen Entwicklung. «Nächstes Jahr wirds hart», sagt Scharleiter Simon Lerch. Um die fehlenden Einnahmen zu kompensieren, würde die Pfadi Wangen vermutlich die Lagerbeiträge für die Teilnehmenden erhöhen. «Wir haben aber Vertrauen darauf, dass die Politik etwas unternimmt und sich für die Freiwilligenarbeit im Jugendbereich einsetzt», so Lerch. «Wir gehen davon aus, dass es ab nächstes Jahr wieder höhere J+S-Beiträge gibt.»

Die Hoffnung darauf, dass die Kürzung rückgängig gemacht wird, ist nicht unbegründet. Im Parlament wurde bereits ein Vorstoss – unter anderem vom Solothurner Nationalrat Roberto Zanetti unterschrieben – eingereicht, der die J+S-Kürzung wieder aufheben soll. Mit dem gleichen Ziel haben währenddessen im Internet bereits über 9000 Personen eine Petition unterzeichnet.

«Ich bin sehr zuversichtlich, dass unser Vorstoss im Parlament durchkommt», sagt Roberto Zanetti auf Anfrage. Genauso wie der Motionär Konrad Graber spricht er von einem Missverständnis. Dieses Jahr werde es zwar weniger Beiträge geben, dafür ist die Chance, dass der vorgeschlagene Nachtragskredit angenommen werde, gross.

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