Kanton Solothurn

Bund blecht bei Biberschäden – Bauernverband spricht von «Etappensieg»

Aufgepasst: Der Biber kann Strassen zum Einstürzen bringen. Archiv

Aufgepasst: Der Biber kann Strassen zum Einstürzen bringen. Archiv

Biber verursachen jedes Jahr Schäden in der Höhe von etwa einer Million Franken. Dies soll nun vom Bund übernommen werden und nicht wie gehabt vom Eigentümer der beschädigten Infrastruktur. Der Solothurner Bauernverband begrüsst den Entscheid des Parlaments.

Der Biber ist ein süsses Tier. Das bestreitet niemand. Dennoch: nicht alle mögen ihn. Das liegt in erster Linie an den Schäden, die der Nager mit seinen übergrossen Zähnen anrichtet. Er fällt nicht nur Bäume, sondern untergräbt in Ufernähe auch den Boden. Fährt dann ein Traktor über einen Feldweg, unter dem sich ein Biberbau verbirgt, kann die Strasse in sich zusammenstürzen.

Wenn Biber Strassen, Kanalböschungen oder andere Infrastrukturen beschädigen, musste bisher der Eigentümer die Reparatur zahlen. Nur Schäden an Bäumen und Kulturlandschaften wurden übernommen. Geht es nach dem Willen der eidgenössischen Räte, soll der Bund zukünftig auch Infrastrukturschäden übernehmen. Am Dienstag stimmte nach dem Nationalrat auch der Ständerat einer entsprechenden Standesinitiative des Kantons Thurgau zu.

Der Schadensdruck sei zu gross geworden, meinten die Befürworter der Vorlage. Gemäss einer Schätzung der Bundesverwaltung verursacht der Biber jährlich Schäden in der Höhe von einer Million Franken an Infrastrukturen.

Etappensieg für Landwirte

Der Bund soll zahlen, forderte der Solothurner Bauernverband (SOBV) schon lange. «Wir sind mit dem Entscheid aus Bern sehr zufrieden», sagt Peter Brügger. Der Bauernsekretär begründet: «Wenn der Bund sagt, wir schützen den Biber, soll er auch für die Schäden aufkommen, die das Tier verursacht.» Bisher haben meist die Einwohnergemeinden die Reparaturen der Flurwege finanziert. Doch der Bauernverband befürchtete schon länger, dass diese wegen finanziellen Engpässen bald nicht mehr dazu bereit sind und die Kosten auf die Landwirte abwälzen. «Entsprechende Andeutungen gab es bereits», sagt Brügger.

Ende des 19. Jahrhunderts war der Biber in der Schweiz ausgerottet. Seit dem Beginn der Wiederansiedlung 1956 ist die Population der Biber stetig gewachsen. 2008 lebten schweizweit rund 1600 Biber in der Schweiz, aktuell sind es um die 2800. Das Amt für Wald, Jagd und Fischerei geht im Kanton Solothurn momentan von 200 Bibern aus. Tendenz steigend. Wie sich der Entscheid der Räte auswirken wird, sei derzeit schwierig zu beurteilen, teilt der Solothurner Jagd- und Fischereiverwalter Marcel Tschan auf Anfrage mit.

Dies werde sich erst nach einigen Jahren zeigen. «Jedoch erhalten wir durch den Entscheid eine bessere Diskussionsgrundlage und auch die bessere Akzeptanz bei Gemeinden und Landwirten.» Man könne ihnen Hand bieten, was sich sicherlich positiv auf die Sympathie gegenüber dem Biber auswirke.

Wie hoch die Kosten sind, die Biber an Infrastrukturen im Kanton verursachen, kann das Amt für Wald, Jagd und Fischerei nicht beziffern. Dazu gebe es keine effektiven Zahlen. «Was aber weiterhin durch die Infrastrukturbesitzer bezahlt werden muss, sind die Präventionsmassnahmen zum Verhindern von Schäden.»

Weiter Klärungsbedarf

Dass diese weiterhin nicht übernommen werden, ist für Peter Brügger kein Thema. Der Bauernsekretär sieht aber trotz des «Etappensiegs» vom Dienstag weiteren Klärungsbedarf. Denn eine wichtige Frage bleibe weiterhin bestehen: Wer muss dafür geradestehen, wenn ein Stück Land wegen der Nagetiere an Wert verliert? Dies kann zum Beispiel passieren, wenn Biber das Wasser stauen und dieses daraufhin ein Feld flutet, das zukünftig nässer ist. «Ein Stück Land ist zukünftig plötzlich weniger nutzbar und deswegen weniger wert», sagt Brügger. Problematisch sei dies vor allem für Pächter, die das Land ohne Wertverlust an den Besitzer zurückgeben müssen.

Von den Landwirten zu Hausbesitzern in Gewässernähe. Auch diese «leiden» unter dem Biber. «Wöchentlich rufen bei uns Leute an, die Biberschäden in ihrem Garten melden und entschädigt haben möchten», sagt Tschan. Meist erfolglos. Schäden unter 200 Franken werden als Bagatellschäden angesehen und nicht vergütet.

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