Mit grosser Überzeugung traten mehrere Referenten, darunter Kurt Altermatt, Direktionspräsident der Solothurner Spitäler AG (soH) sowie Landammann Peter Gomm am Mittwochabend in der Aula des Bürgerspitals für den Neubau ein – und stellten sich den Fragen des Publikums. In den nächsten Wochen organisiert die soH im Vorfeld der Abstimmung vom 17. Juni mehrere öffentliche Neubau BürgerspitalInformationsveranstaltungen.

Besonders beeindruckend waren die Bilder, die Philippe Schumacher, Chefarzt Anästhesie am Bürgerspital, den rund 50 anwesenden Bürgerinnen und Bürger präsentierte. Am Beispiel der Intensivstation und der Lifthalle machte er auf den massiven Platzmangel aufmerksam, der im Bürgerspital herrscht. Gerade in der Lifthalle kreuzen derzeit zu viele Menschen, darunter Notfallpatienten, Besucher und das Personal. Damit seien lange Wartezeiten bei den Liften verbunden und die Diskretion gefährdet. Weiter seien die Leitungen veraltet. «Mich erinnert das Bürgerspital an das Lied ‹Das alte Haus von Rocky Docky›. Wir hatten innerhalb von 15 Monaten 11 Rohrbrüche.

«Geht es nicht auch günstiger?»

Der Bau werde rund zehn Jahre in Anspruch nehmen, das Akutspital sei aber bereits nach fünf Jahren, also Ende 2019, beziehbar, hielt Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli fest. Einige kritische Stimmen befürchteten, dass es während der Bauzeit zu einer – weiteren – Abwanderung von Patienten an ausserkantonale Spitäler kommen werde. Der Kantonsbaumeister versicherte, dass der Komfort nicht abnehmen werde, da man keine Provisorien erstellen müsse. «Wir können das neue Gebäude neben den bestehenden errichten.»

Weitere Fragen betrafen die Kosten für den Neubau in der Höhe von 340 Mio. Franken. So habe der Spitalneubau in Olten, der 1992 beschlossen worden ist, nur 250 Mio. Franken gekostet. Bernhard Mäusli hielt dem entgegen, dass der Oltner Spitalbau heute rund 313 Mio. Franken kosten würde.

Die Differenz lasse sich zudem mit der Grösse des Solothurner Spitals, der geforderten Erdbebensicherheit sowie dem Minergie-Standard erklären. «Könnte man aber nicht einen Teil der Gebäude stehen lassen und lediglich einen kleineren Zusatzbau erstellen?», wollte jemand wissen. Gemäss Landammann Peter Gomm wäre dies nur eine «halbpatzige Lösung». In Olten habe man genau diesen Weg einschlagen wollen und dann während des Baus feststellen müssen, dass es so nicht funktioniert.

Was aber geschieht, wenn man um 2018 merkt, dass das Budget nicht reicht und es um 20 Prozent überzogen werde müsste? Peter Gomm zeigte sich überzeugt, dass das nicht passieren werde: «Heute stellt man sehr präzise Kostenberechnungen an, mit denen man erfahrungsgemäss sehr nahe an den tatsächlichen Endbetrag herankommt.» Ausserdem sei im Budget ein Reservebetrag von 8,5 Mio. Franken inbegriffen.

Vor allem Anwohner interessierten sich für die neue Parkplatzsituation. Diese werde, so Kantonsbaumeister Mäusli, ungefähr gleich bleiben. Ein Teil der Parkplätze werde jedoch unterirdisch angelegt. Und Peter Gomm erklärte, dass eine Tiefgarage im zweiten Untergeschoss diskutiert worden sei. Aufgrund der hohen Kosten habe man diese Option allerdings, zumindest vorerst, zurückgestellt.

«Es braucht gute Infrastruktur»

«Und wenn das Stimmvolk am 17. Juni Nein sagt?» Peter Gomm: «Es ist zwingend und dringend, dass der Neubau realisiert wird.» Andernfalls müsste man sich mit der gegenwärtigen, sehr schwierigen Situation arrangieren. Im Klartext heisst das so viel wie: Ein Nein an der Urne dürfte eigentlich gar nicht eintreten, auch wenn dies natürlich möglich ist. Denn trotz der vielen Probleme im heutigen Spital und überzeugender Argumente für den Neubau, gibt es auch etliche Gegner.

«Durch die Spitalschliessungen der letzten Jahre sind viele wütend, Sie müssen da mit Nein-Stimmen rechnen», hiess es in einem Votum. Ein Faktum, das den Referenten durchaus bewusst ist. Kurt Altermatt, Direktionspräsident der soH, meinte jedoch, dass beispielsweise die Wut in Breitenbach verflogen sei, seit das neue Alterszentrum bestehe. Und Peter Gomm fügte an, dass die Schliessungen zwar schmerzhaft, aber notwendig gewesen seien.

Man müsse die organisatorischen Abläufe optimieren, um die medizinische Qualität weiter steigern zu können. Ähnlich argumentierte auch Näder Helmy, Chefarzt Orthopädie am Bürgerspital, als er zum Schluss meinte: «Es braucht eine optimale Infrastruktur und die perfekte Medizin, damit die Menschen wieder nach Solothurn und Olten ins Spital kommen. Deshalb brauchen wir ein neues Spital.»