Es ist Herbstferienzeit. Die Strassen sind weniger belebt als sonst, wer Termine vereinbaren will, rennt an. Herr und Frau Solothurner verreisen – doch wohin eigentlich? Einige klassische Feriendestinationen werden von Terrorakten heimgesucht, politische Instabilität und Flüchtlingsdramen schrecken viele Touristen ab.

Anderseits lädt aber auch das kalte Wetter in der Schweiz nicht gerade zu grossen Ausflügen in der näheren Umgebung ein. Eine Umfrage unter Reisebüros und an regionalen Ausflugsorten zeigt, wie und wo der Urlaub verbracht wird.

Topdestination Spanien

Von den Reisebüros im ganzen Kanton tönt es ziemlich einstimmig: Herbstferienzeit ist Badeferienzeit. «Viele wollen noch einmal Sonne und Wärme tanken, bevor der Winter anbricht», weiss Heinz Schachtler vom Reisebüro Travellino in Solothurn.

Anja Straub von Dantours in Olten benennt einen weiteren Aspekt: «Meist macht man im Herbst Urlaub mit der Familie, und da bieten sich Badeferien gut an.» Weiter lägen aber auch Kreuzfahrten zurzeit im Trend, erzählt Karin von Ins von Haurireisen in Olten.

«Bei uns boomen die Kreuzfahrten regelrecht, besonders auch bei Familien», bestätigt auch Marlise Studer vom Reisebüro Arrow Tours in Balsthal.

Bezüglich der beliebtesten Destinationen sind sich die Reisebüros ebenfalls einig: Spanien – mitsamt seinen Inseln Mallorca, Ibiza und den Kanaren – ist das meistbesuchte Ferienziel. Griechenland, die Inseln Zypern, Kos und Kreta inbegriffen, ist trotz der steten Medienpräsenz bezüglich sozialer Unruhen und Problemen mit Flüchtlingen bei den Solothurnern sehr gefragt.

«Die meisten griechischen Inseln sind von den Flüchtlingsströmen gar nicht betroffen», erklärt Anja Straub von Dantours das Paradox.

Terrorangst hält Touristen fern

«Spanien und Griechenland können von der Zurückhaltung der Touristen gegenüber anderen Länder profitieren», so Karin von Ins von Haurireisen. Gemeint sind damit vor allem Ägypten, Tunesien und die Türkei.

Aus dem ganzen Kanton vermelden die Reisebüros, dass dies die am wenigsten gefragten Destinationen seien. «Nur noch vereinzelt gehen Leute in diese Länder, es gab extrem viele Stornierungen und Umbuchungen», so Marlise Studer von Arrow Tours.

Dieser Ausfall sei für die dort ansässige Bevölkerung brutal – während es die Touristen nur wenige Mausklicks koste eine andere Feriendestination zu wählen, sagt Heinz Schachtler von Travellino.

«Ägypten und Tunesien leiden schon seit mehreren Jahren unter dem Wegbleiben der Touristen. Ihnen geht es genau so schlecht wie der Türkei, über die momentan einfach mehr in den Medien berichtet wird», sagt auch Rolf Probst vom Reisebüro Vasellari in Grenchen.

Ungefähr 70 Prozent weniger Buchungen für die Türkei verzeichnet er diesen Herbst. «Wir können die Buchungen in der Region Solothurn für Ferien in die Türkei fast an einer Hand abzählen», meldet auch Prisca Huguenin-dit-Lenoir vom Reiseveranstalter Hotelplan Suisse, zu dem auch die Travelhouse-Filiale in Solothurn und die Hotelplan-Filiale in Langendorf gehören.

Der Grund für das Ausbleiben der Touristen sei klar: «Wegen der zahlreichen Terrorattacken und Unruhen der letzten Zeit meiden sie solche Länder.»

Das Gute liegt auch in der Nähe

Wegen ebendieser verunsichernden Lage haben auch mehr Leute als üblich Ferien in der Schweiz gebucht, sagt Prisca Huguenin von Hotelplan Suisse. Davon müssten doch wiederum die regionalen Ausflugsziele profitieren?

«Wir hatten wetterbedingt bis jetzt weniger Besucher als vergangenes Jahr», meldet jedoch Christophe Keller, Besitzer der Siky Ranch in Crémines. Die Inhaberin der Erlebniswelt Seeteufel in Studen, Karin Steiner, schliesst sich dem an: «Der Temperatursturz im Oktober hält viele Besucher fern. Wir sind uns alle noch das warme Wetter vom September gewohnt.»

Auch bei der Seilbahn Weissenstein läuft es derzeit ruhiger. «Wir spüren die Ferienzeit nur, wenn das Wetter auch stimmt, und das tut es momentan nicht», sagt Vizepräsident Rolf Studer. Will heissen: Sobald es wieder etwas sonniger wird oder umgekehrt über dem Mittelland dichter Nebel liegt und auf dem Berg die Sonne genossen werden kann, würden die Leute erfahrungsgemäss die Seilbahn wieder vermehrt nutzen.

Hochbetrieb herrscht im Papiliorama in Kerzers: «Alles befindet sich im üblichen Rahmen der Herbstferien», sagt Marketing-Vizedirektor Lorenz Schläfli. Das bedeutet für die Indooranlage: viel mehr Besucher als sonst. «In den Herbst- und Frühlingsferien haben wir jeweils am meisten Besucher, weil die Leute bei schlechtem Wetter eher hineingehen.»

Auch das Hallenbad im Sportzentrum Zuchwil hat bei Kälte und Nässe eigentlich mehr Andrang. «Da es bis jetzt nur wenig regnete, halten sich die Badegäste noch in Grenzen» sagt Sportchef Marcel Siegenthaler.

Dafür fänden während der Herbstferien viele Trainingslager verschiedenster Sportarten im Sportzentrum statt. «Für uns ist jetzt Hochsaison, wir haben jeweils 100 bis 200 Sportler, die hier essen und schlafen.»

Das Rätsel um die Ferienreisen von Herrn und Frau Solothurner ist also gelöst: Sie geniessen entweder badend und flanierend in Spanien und Griechenland – oder bewundern im Papiliorama die bunten Schmetterlinge oder schwitzen und schnauben im Trainingslager.