Acht Jahre führte Brigitte S.* in einer Wasserämter Informatikfirma die Finanzbuchhaltung. Die heute 33-jährige Frau hatte die totale Kontrolle über das Internet-Banking. Der Firmeninhaber kontrollierte nicht einmal mehr den Kontostand. So bemerkte er auch nicht, als Brigitte S. im März 2010 begann, grosse Summen abzuzweigen. In weniger als einem Jahr gelang es ihr, rund 1,3 Mio. Franken zu veruntreuen, die sie fast gänzlich an ihren Liebhaber weitergab.

Sie musste sich am Montag vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Geldwäscherei verantworten. Ihr Liebhaber, Silvain C.*, war wegen Anstiftung zu ungetreuer Geschäftsbesorgung und Geldwäscherei angeklagt.

Begegnung mit der grossen Liebe

Bereits 2001 war Brigitte S. dem Charme des redegewandten Franzosen mit afrikanischen Wurzeln erlegen. Und obwohl Silvain C. sie damals um 54 000 Franken erleichtert hatte, fiel sie erneut auf ihn herein. «Ich glaubte ihm, dass er es bereut und dass er sich geändert hatte», sagte die Angeklagte. «Ich war ihm hörig, ich habe mich unterwürfig verhalten.» Zunächst habe ihr Silvain C. versprochen, die alten Schulden zu begleichen, er besitze noch 250 000 Franken auf einem allerdings momentan gesperrten Konto in Ungarn. «Irgendwann hatte er mich soweit, dass ich überzeugt war, dass ich ihm helfen muss», sagte Brigitte S. und brach in Tränen aus. «Wenn er nicht wieder in mein Leben getreten wäre, dann sässe ich heute nicht hier.»

«Wann haben Sie davon erfahren?», wollte Gerichtspräsident Ueli Kölliker vom als Auskunftsperson vorgeladenen Ehemann der Angeklagten wissen. «Erst kurz, bevor sie gestanden hat», sagte dieser. Die Verteidigerin von Silvain C., Corinne Saner, wollte den Ehemann in die Tat einbeziehen. Dieser habe Schulden gehabt und von den Unterschlagungen profitiert. «Ist es richtig, dass Sie mit der Angeklagten nur eine Scheinehe führen?» Insgesamt 15 Fragen wollte sie dem US-Amerikaner mit afrikanischen Wurzeln stellen, doch dieser berief sich auf das Aussageverweigerungsrecht, das ihm als Ehemann der Angeklagten zusteht.

Charmanter Geschichtenerzähler

Es wurde aber auch klar, dass Brigitte S. ganz am Anfang 72 000 Franken des unterschlagenen Vermögens dazu benutzt hatte, eigene Schulden zu begleichen. Erst dann begann der grosse Reibach für den Liebhaber. Der tischte dem Gericht bunt ausgeschmückte Geschichten auf, wie er das Vermögen in die Vermarktung eines Cognacs in Kalifornien investiert habe. «Ich konnte die Marke für nur 1,2 Mio. Franken bekannt machen. Das ist eine unglaubliche Leistung.

So eine Marketingaktion kostet sonst mindestens 5 Millionen», sagte Silvain C. Und man hätte es ihm beinahe geglaubt, als er behauptete, dass er seine Millionenschulden schon bald zurückzahlen werde – wenn er denn nur nicht zu lange ins Gefängnis müsse. Mit seinen tollen Kontakten im Showbusiness könne er als Eventberater und Marketingmanager locker mehrmals pro Jahr sechsstellige Beträge verdienen.

«Ich bin schuldig der Geldwäscherei, weil ich ab einem gewissen Zeitpunkt wusste, woher die Gelder kamen, und ich habe sie trotzdem angenommen», legte Silvain C. ein Teilgeständnis ab. «Aber ich habe sie nicht angestiftet, das Geld der Firma zu nehmen. Wir haben zusammen beschlossen, dass wir damit unser gemeinsames Geschäft aufbauen. Sie sagte, dass das nicht auffallen würde, wenn das Geld bis Ende Jahr wieder auf dem Konto wäre.» Aber: Als im Januar 2011 der Jahresabschluss fällig wurde, war auch das Firmenkonto leergeplündert. Brigitte S. erkannte die Ausweglosigkeit der Situation und zeigte sich bei der Polizei an. Da wurde das Ausmass des Schadens klar: 1,3 Millionen Franken hatte sie unterschlagen. 159 Franken konnten davon noch sichergestellt werden.

Der Prozess geht heute Dienstag mit den Plädoyers weiter. Die Urteilsverkündung ist auf den 5. Juli angesetzt.

* Namen von der Redaktion geändert