Architektur
Buch präsentiert die Solothurner Baukultur der Nachkriegszeit

Erstmals thematisiert ein umfassendes Werk die Baukultur der Nachkriegsmoderne im Kanton Solothurn. Die Architekten der damaligen Zeit liessen sich von den Bauweisen anderer Ländern inspirieren. Ein Stil, der nicht überall Anklang fand.

Helmut Zipperlen
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Solothurner Baukultur der Nachkriegszeit
4 Bilder
Betonschalen von Heinz Isler bei der Raststätte Deitingen Süd
Naturwissenschaftstrakt der Kanti Solothurn
Reformierte Kirche in Luterbach

Solothurner Baukultur der Nachkriegszeit

Photographer: Boerje Mueller

Es gibt bereits verschiedene Publikationen über die Architektur im Kanton Solothurn, insbesondere über jene des Jurasüdfusses. Noch aber fehlte bis jetzt ein umfassendes Werk über all die zahlreichen Bauten, welche in der Nachkriegszeit entstanden sind. Diesen Mangel spürte auch die Kantonale Denkmalpflege, denn die zwischen 1940 und 1980 entstandenen Bauwerke werden sanierungsreif.

Das Buch: «Baukultur im Kanton Solothurn 1940–1980»

«Es war die richtige Aufgabe zum richtigen Zeitpunkt», liess Michael Hanak bei seiner Ansprache anlässlich der Vernissage am Donnerstag verlauten. Nach einer zwei Jahre dauernden Recherche hat er 625 Bauten in Betracht gezogen. Davon konnten immerhin 200 in das Buch aufgenommen werden. Viele dieser Bauwerke haben einen persönlichen Bezug zu vielen Menschen. Deshalb waren wohl alle Stühle in der Aula besetzt. Baudirektor Roland Fürst liess in seinem Begrüssungsvotum seine Beziehung zur Kantonsschule Olten einfliessen. Für ihn war es «Kunst, immer das richtige Schulzimmer zu finden». Er freue sich aber, nun als Baudirektor mitzuhelfen, das Schulhaus zu sanieren. Das reich illustrierte und mit vielen Informationen versehene Buch (Grafik: Guido Widmer) ist nach einer sachkundigen Einführung in klar gegliederte Abschnitte eingeteilt: Schulbauten, Freizeit-, Sport-, Kultur- und Gesundheitsbauten, Verkehrs- und Infrastrukturbauten, Sakralbauten, Geschäfts- und Verwaltungsgebäude, Gewerbe- und Industriebauten, Wohnsiedlungen und Wohnbauten. Die Illustrationen weisen nur wenige Archivbilder auf. In der Regel sind sie eigens für das Buch durch Borje Müller, Dokumentarfotograf mit Schwerpunkt Architektur, Basel, aufgenommen worden. (hz)
Michael Hanak «Baukultur
im Kanton Solothurn 1940- 1980». Ein Inventar zur Architektur der Nachkriegsmoderne. Mit Fotografien von Borje Müller. Gebunden 280 Seiten über 750 farbige und sw Abbildungen und Pläne, 20,6 x 26,5 cm, ISBN 978-3-85881-394-7. Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich. Preis Fr. 69.-.

Sie erteilte deshalb 2010 dem Kunst- und Architekturhistoriker Michael Hanak aus Zürich den Auftrag zur Erstellung eines Inventars zur Architektur der Nachkriegsmoderne. Das fertige Werk liegt nun vor und wurde am Donnerstag der Öffentlichkeit anlässlich einer Buchvernissage in der Aula der Gewerblich-industriellen Berufsschule Solothurn vorgestellt.

Schutzwürdige Betonschalen

Eigentlich begann alles mit der 1999 beabsichtigten Zerstörung der Betonschalen von Heinz Isler bei der Raststätte Deitingen Süd an der A1. Erstmals wurde damit ein Kulturdenkmal aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unter Denkmalschutz gestellt. Andere Objekte folgten, doch ist die Liste noch kurz. «Um aber in dieser Fülle der Nachkriegsarchitektur die bedeutenden Hauptwerke bezeichnen und schützen zu können, braucht es eine vertiefte Kenntnis des vorhandenen Baubestandes», so Stefan Blank, der Kantonale Denkmalpfleger.

Das nun vorliegende Inventar bietet eine wissenschaftlich begründete Auswahl und Einstufung von insgesamt 200 Objekten. «Mit dieser Grundlage wird es der Denkmalpflege in Zukunft möglich sein, ihre Aufgabe auch auf das Gebiet der Nachkriegsarchitektur mit der notwendigen Sachkenntnis und der gebührenden Sorgfalt nachkommen zu können», so Stefan Blank weiter.

«Schule von Solothurn»

Fortschrittlich denkende Architekten, aufgeschlossene Bauherrschaften und kooperative Bauämter ermöglichten eine moderne Architektur, die über die Region und selbst über die Landesgrenzen hinaus ausstrahlte, meint der Verfasser Michael Hanak. Wichtige Impulse leisteten der damalige Kantonsbaumeister Max Jeltsch und der solothurnische Stadtbaumeister Hans Luder.

Ebenso verantwortlich waren Querverbindungen ins Ausland und die Veränderung der Baustoffe. Der Architekturtheoretiker Jürgen Joedicke, Stuttgart, prägte 1969 den Begriff der «Schule von Solothurn» und nannte namentlich Franz Füeg, Fritz Haller, Alfons Barth, Hans Zaugg und Max Schlup. Franz Füeg lebt als Einziger dieses Quintetts noch, und er äusserte sich an der Vernissage zu diesem Thema. Er stellte klar, dass dieser Begriff eigentlich von einem Städtebaudirektor in Paris erstmals geprägt und von Joedicke ins Deutsche übersetzt worden sei.

Nach den Kriegsjahren und dem Abgeschottetsein der Schweiz, herrschte bei den damals jungen Architekten eine grosse Neugier, was anderswo gebaut werde. Finnland und Brasilien standen im Vordergrund. «Es hat sich uns eine Welt aufgetan, die unserem heimatlichen Boden fremd war.» Füeg sprach auch davon, dass diese Architektur nicht überall Anklang fand. Als er die Pläne des Dornacherhofes in Solothurn einem Zürcher Bauverwalter zeigte, meinte dieser: «Eine solche Architektur ist in Zürich verboten.» Der Referent betonte auch, dass viele andere Architekten in ähnlicher Richtung gearbeitet haben.