Wieder sorgt Kurt Küng für Aufsehen. Und wieder schiesst der langjährige SVP-Kantonalpräsident gegen Roland F. Borer. Am Donnerstag erschienen mehrere Inserate, in denen Küng zur Abwahl des langjährigen Nationalrates aufruft. «24 Jahre in Bern sind genug», heisst es im Inseratetext, der offiziell vom Komitee «Land und Lüt» unterzeichnet ist. Die Wähler sollen junge SVP-Kandidaten auf ihre Liste setzen, fordert Küng.

Kurt Küng hat wieder zugeschlagen: Er möchte SVP-Urgestein Roland F. Borer nicht mehr nach Bern schicken.

Kurt Küng hat wieder zugeschlagen: Er möchte SVP-Urgestein Roland F. Borer nicht mehr nach Bern schicken.

Die Opposition kommt nicht ganz überraschend. Bereits an der offiziellen Nominationsversammlung der SVP hat sich der Feldbrunner alt Kantonsrat Küng gegen eine erneute Nomination des 64-jährigen Borer ausgesprochen. Erfolg hatte er damit nicht: Die SVP-Parteibasis stellte den Kestenholzer Politiker nochmals auf – für seine siebte Legislaturperiode. Immerhin stimmte rund ein Viertel der 113 Delegierten gegen Borer, der dem Nominationsanlass ferngeblieben war.

Roland F. Borer: «Niveaulos»

Die Verärgerung über die erneuten Rückenschüsse aus der eigenen Partei ist Roland F. Borer deutlich anzumerken. «Kurt Küng ist frustriert und sollte besser schweigen» ist eine der freundlicheren Aussagen Borers, der sich grundsätzlich eigentlich nicht zu der «niveaulosen» Aktion äussern möchte. Borer bekräftigt immerhin: «Ich habe mit den Nachwuchshoffnungen Christian Imark und Christian Werner besprochen, ob ich nochmals antreten soll», sagt Borer. «Beide haben Ja gesagt.»

Er sieht deshalb eher ein persönliches Problem hinter dem Angriff und nicht nur Küngs Willen, junge Kräfte zu fördern. Und wenn es persönlich wird, gibt Borer auch persönlich zurück: «Was juckt es die Eiche, wenn sich eine Sau daran reibt», zitiert er ein altes Sprichwort und höhnt mit Ironie: «Herr Küng hat seine Sachkompetenz mehrfach bewiesen.»

«Ein demokratischer Entschluss»

Interner Zwist ist im Wahlkampf Gift für jede Partei. Und SVP-Kantonalpräsident Silvio Jeker tut in dieser Situation, was ihm alle Kommunikationsexperten raten würden: Nur nicht zu viel Aufhebens machen. «Es ist unschön. Aber es ist das gute Recht von Kurt Küng, seine Meinung zu äussern», sagt Jeker. Der Vorstand werde weitere Inserate auch nicht «zu verhindern suchen». – «Auch wenn diese Aktion für einen ehemaligen Parteipräsidenten fragwürdig ist.» Jeker betont: Die Mehrheit seiner Partei hatte die erneute Kandidatur von Roland F. Borer gewünscht. «Das war ein demokratischer Entschluss. Ich hätte erwartet, dass sich Kurt Küng daran hält.»

Jeker schliesst nicht aus, dass eine persönliche Fehde Antrieb für Kurt Küng ist. «Die Jungen jedenfalls, für die Kurt Küng kämpft, stehen alle hinter der Kandidatur Roland Borers.» Grundsätzlich spiele es für ihn als Parteipräsident auch keine Rolle, ob Roland Borer oder ein junger Kandidat gewählt wird. «Hauptsache zwei Sitze. Für mich ist die Listenstimme wichtig. Fähig sind alle Kandidaten der SVP.»

«Nur eine Wahlempfehlung»

Warum stellt sich Küng gegen den Parteientscheid? «Der Parteibeschluss war absolut in Ordnung. Dagegen wehre ich mich nicht», sagt Küng. «Wir machen nicht mehr als eine Wahlempfehlung.» Sein Ziel: Junge Kräfte sollen eine Chance erhalten.

Doch wäre es bei künftig nur noch sechs Sitzen für den Kanton Solothurn nicht besser für die SVP, wenn der bisherige Roland Borer nochmals antritt und während der Legislatur zurücktritt? «Daran glauben wir eben nicht», sagt Kurt Küng. «Bereits bei den Wahlen 2011 hat er das angekündigt und dann doch nicht getan.» Und vor wenigen Monaten habe Borer in Zeitungsinterviews ebenfalls bekräftigt, wieder vier Jahre bleiben zu wollen.

Roland F. Borer will sich zur Frage eines Rücktritts während der Legislatur nicht äussern. Er bekräftigt: Am 18. Oktober sind Wahlen und dafür tritt er an. Auch Parteipräsident Silvio Jeker wird nicht konkret. «Jeder Parteipräsident redet mit langjährigen Kandidaten über diese Frage. Letztlich kann das aber nur Roland Borer entscheiden», sagt er. Explizite Abmachungen seien so oder so nicht möglich. «Wenn der Wähler Roland Borer wählt, will er ihn auch.»

Bleibt noch die Frage, wer neben Kurt Küng hinter dem Komitee «Land und Lüt» steckt und schätzungsweise einige tausend Franken für Inserate aufwirft. Das will Küng nicht verraten. Er sagt einzig, es handle sich um rund 25 Personen. Sie behalten sich vor, auch künftig zu Wahlen Stellung zu nehmen. Nicht nur Langzeit-Nationalrat Roland Borer – auch Kurt Küng kann das Politisieren trotz Pensionsalter offenbar nicht lassen.