Wer das Amtsblatt des Kantons Solothurn studiert, entdeckt ein Gesuch um Erteilung des exklusiven Rechts (Konzession) zur Schürfung nach Erdgas im Kanton Solothurn. Die Gesuchstellerin ist die englische Erdöl- und Erdgasförderungsgesellschaft Celtique Energie Petroleum Ltd. mit Sitz in London. Eine britische Firma will also im Kanton Erdgas schürfen?

«Die britische Firma hat ein Gesuch für die Exklusivrechte eingereicht», erklärt Claude Müller, Leiter Fachstelle Grundwasserbewirtschaftung im Amt für Umwelt (AfU) des Kantons Solothurn. Das Vorhaben sei nun öffentlich aufgelegt worden, um eventuelle Konkurrenzgesuche oder Einsprachen zu ermöglichen. Da es sich vorerst nur um Messungen handelt, glaubt Müller nicht, dass jemand Einsprache erheben wird. «Ich denke auch nicht, dass Konkurrenzgesuche eingereicht werden. Die Firma ist nebst in vielen Ländern Europas auch in den Kantonen Waadt, Neuenburg und Bern aktiv, und bisher hat sich dort keine Konkurrenzfirma zu Wort gemeldet.»

Gesucht werden soll übrigens im ganzen Kanton Solothurn, mit dem Faltenjura als Schwerpunkt. Wo genau, ist zurzeit unklar.

Recht zu schürfen, nicht zu fördern

Sollte die Firma die dreijährige Konzession erhalten, hiesse dies nicht direkt, dass die Celtique Energie Petroleum Ltd. künftig im Kanton Solothurn Erdgas fördern würde. «Die Konzession gäbe der Firma nur das Recht nach Erdgas zu suchen, sprich Tests und Messungen durchzuführen, und zu bohren - wobei für Sondierbohrungen eine zusätzliche Bewilligung einzuholen wäre», erklärt Müller vom AfU. «Wenn sich bei diesen Untersuchungen etwas ergeben würde, müsste eine zweite Konzession zur Ausbeutung erteilt werden.»

Das Gesetz schreibt vor, dass die Bodenschätze dem Kanton gehören. Der Regierungsrat hat die Rechte zum Aufsuchen (Schürfen) der Bodenschätze. Da dieser Prozess nicht durch den Regierungsrat selber durchgeführt werden kann, hat er die Möglichkeit dieses Recht per Konzession an Dritte zu übertragen, in diesem Fall an die Celtique Energie Petroleum Ltd. Die Rechte auf Ausbeutung (Förderung) der Bodenschätze liegt jedoch beim Kantonsrat und auch dieser könnte per Konzession das Recht an Dritte übertragen. Das heisst, falls tatsächlich Erdgas gefunden werden sollte, müsste zur Förderung eine Ausbeutungskonzession vom Kantonsrat ausgestellt werden.

Kanton würde viel Geld verdienen

Die etwaige Ausbeutungskonzession würde dann wiederum öffentlich aufgelegt. «Dabei kann ich mir schon eher vorstellen, dass Einsprachen eingereicht werden. Wenn die eigentliche Förderung beginnen würde und die Lastwagen auffahren», sagt Müller. Er wolle und könne dazu aber noch nichts Genaueres sagen, da dies schon sehr weit vorgegriffen wäre. Bei einem Fund würde die Ausbeutungskonzession ziemlich sicher an diejenige Firma gehen, die auch die Messungen durchführte.

Bei einer Förderung könnte der Kanton mit bedeutenden Abgaben rechnen, sogenannten «royalties». «Sollte es der Firma, welche das Erdgas aufsuchte, aber nicht möglich sein, das Erdgas zu fördern und eine andere übernehmen müsste, würde die Erstere eine Teilentschädigung erhalten, da die Messungen und Tests sehr teuer sind», erklärt Claude Müller.

Kein «Fracking» im Kanton

Auch die Suche nach «unkonventionellem Erdgas» gehört offiziell zu den Vorhaben der Celtique Energie Petroleum Ltd. Dieses Erdgas wird Schiefergas genannt und mithilfe des «Fracking» gefördert. Beim «Fracking» wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien mit Hochdruck ins Gestein gepresst, um es aufzubrechen und so an das Erdgas im Gestein zu gelangen.

Dieses Verfahren ist nicht unumstritten. Experten warnen vor Risiken für die Trinkwasserversorgung, da eine Verschmutzung des Grundwassers bestehen könnte. «Wir haben ausführliche Gespräche mit der Firma geführt und explizit verlangt, dass im Fall einer möglichen Förderung, dies nur auf konventionelle Art geschehen würde. Sprich im Kanton würde kein ‹Fracking› angewendet», beruhigt Claude Müller.