Regierungsratswahlen

Brigit Wyss fliegen die Stimmen aus anderen Parteien zu

Brigit Wyss am Sonntag in der Parteizentrale im «Kreuz».

Brigit Wyss am Sonntag in der Parteizentrale im «Kreuz».

Bei den Kantonsratswahlen zeigt sich, wie beliebt Regierungsratskandidaten bei anderen Parteien sind.

Nicole Hirt und Brigit Wyss sind unter den Regierungsratskandidatinnen die beiden Frauen, die am besten in fremden Parteigefilden Stimmen holen können. Das zeigt die Panaschierstatistik zu den Kantonsratswahlen. Die Grünliberale Hirt ist die «Panaschierkönigin in Prozenten»: 72.23 Prozent ihrer 3353 Stimmen kamen aus anderen Parteien oder von parteiunabhängigen Wählern.

In absoluten Zahlen siegt dagegen die Grüne Brigit Wyss. Sie erhielt 3494 ihrer 5710 Stimmen (61,19 Prozent) aus anderen Parteien oder von parteiunabhängigen Wählern. Die Zahlen basieren auf den Listenergebnissen der Kantonsratswahlen und sind nur in der jeweiligen Amtei der Kandidierenden gültig. Hinter Hirt und Wyss folgen prozentual gesehen Marianne Meister, in absoluten Zahlen gesehen Susanne Schaffner.

Schaffner schliesst SP-Reihen

Für den zweiten Wahlgang der Regierungsratswahlen ist insbesondere der Vergleich zwischen den beiden potentiellen linken Kandidatinnen, Susanne Schaffner und Brigit Wyss, interessant: Wyss konnte, ausser bei der SVP, bei allen Parteien in der Mitte und rechts der Mitte mehr Stimmen holen als die Oltner SP-Frau – obwohl Schaffner in einer grösseren Amtei mit mehr Stimmenpotenzial antrat. Diese relativ grosse Beliebtheit in der Mitte könnte für Wyss ein Vorteil sein, aber ebenso ein Nachteil: Denn die Grüne Stadtsolothurnerin erhielt mit Abstand am meisten Fremdstimmen (1251) von der SP, gefolgt von der FDP (324 Stimmen). Beide Parteien müssen nun ihre Kandidatin durchboxen und dürften den Namen Wyss vielleicht nicht mehr auf eine Regierungsratsliste schreiben. Susanne Schaffner dagegen konnte vor allem auf die eigenen Reihen zählen: 4028 ihrer 5853 Stimmen kamen von der SP oder der Jungen SP. Auch von den parteiungebundenen Wählern erhielt Schaffner weniger Stimmen (nämlich: 773) als Nicole Hirt (978), Brigit Wyss (1221) oder Marianne Meister (832).

Interessant ist dagegen im rechten Lager: Zahlenmässig haben klar mehr SVP-Wähler FDP-Frau Marianne Meister auf ihre Kantonsratsliste in der Amtei Bucheggberg-Wasseramt gesetzt als umgekehrt. 285 SVP-ler gaben der freisinnigen Bucheggbergerin ihre Stimme. Dagegen schrieben nur 230 FDP-Wähler den Namen des Kriegstetter Gemeindepräsidenten auf ihre Kantonsratswahlliste. Das erstaunt, insbesondere weil es in der Amtei Bucheggberg-Wasseramt mehr FDP- als SVP-Wähler gibt. Es zeigt sich: Die SVP wären wohl eher für den rechtsbürgerlichen Schulterschluss bereit. Für Liberale ist die SVP aber nicht unbedingt wählbar.

Hirt holt viele SP-Stimmen

GLP-Kandidatin Nicole Hirt profitierte bei den Kantonsratswahlen davon, dass sie auch Regierungsratskandidatin war: Mit 3353 Stimmen holte sie so viele wie kein anderer auf der GLP-Liste Solothurn Lebern. Nur 27.77 Prozent der Stimmen erhielt Hirt von GLP-Wählern. 72.23 Prozent ihrer Stimmen kamen aus anderen Parteien. Ihre Stimmen holte sie insbesondere von den Parteiunabhängigen Wählern: 978 Stimmen erhielt sie von ihnen.

Erstaunlich ist, dass Hirt auch 414 Stimmen von SP-Seite erhielt. Denn in ihrer Migrations- und Bildungspolitik ist die Grenchnerin auf rechtem Kurs. Nach der SP erhielt Hirt von FDP-Wählern am meisten Support (337 Stimmen, bzw. 10.05 Prozent ihrer Stimmen). Weniger deutlich spielte die Unterstützung im grossen Mittebund; zumindest in absoluten Zahlen: Von der CVP erhielt Hirt 235 Stimmen, von der BDP 89 und der EVP 40 Stimmen. Rechnet man diese Stimmen auf die Grösse der Parteien in der Amtei Solothurn-Lebern fällt die Unterstützung der Mitte für Hirt tendenziell allerdings um einiges besser aus.

Die SVP bleibt alleine

Mit 83.36 Prozent Stimmen aus der eigenen Partei liegt SVP-Mann Manfred Küng bezüglich Eigenstimmenanteil weit weg von Susanne Schaffner (68.82 Prozent) und Marianne Meister (63.03 Prozent). Küng kann auf FDP-Stimmen vertrauen (230 Stimmen), weniger dagegen auf die Unterstützung der CVP (62 Stimmen). Fast mehr als von anderen Parteien erhielt der SVP-Mann Support von den parteiunabhängigen Wählern. 8.57 Prozent der Stimmen, die Manfred Küng errang, kamen von ihnen.

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