Emme
Breites Flussbett bändigt die Wassermassen problemlos

Nach den Hochwasserschutz- und Renaturierungsmassnahmen entwickelt sich der Fluss vital. Die Wassermassen der vergangenen Tage vermochte die Emme problemlos zu aufzufangen. Allerdings waren die Mengen im Vergleich zu früheren Hochwassern noch gering.

Marco Zwahlen
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Seit knapp einem Jahr fliesst die Emme ab Berner Kantonsgrenze bis zum Biberister Wehr in ihrem neuen Bett. Brutto 22 Mio. Franke wurden für die Hochwasserschutz- und Renaturierungsmassnahmen durch die Solothurner Steuerzahler im März 2010 bewilligt. Diesen Sommer noch ein Flüsschen ist die Emme nun nach den anhaltenden Regenfällen stark angeschwollen.

Halten die Massnahmen, was man sich von ihnen versprochen hat? Eine Frage, die Projektleiter Gabriel Zenklusen vom Amt für Umwelt aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Simulationen klar mit Ja beantwortet.

Hochwasserschutz: nun an der Aare

Insgesamt will der Kanton brutto 125,5 Mio. Franken in den Hochwasserschutz investieren. Bis jetzt sind Verpflichtungskredite von 33,2 Mio. Franken vom Stimmvolk oder vom Kantonsrat bewilligt. Über die weiteren geplanten Kredite von 92,5 Mio. Franken wird das Stimmvolk das letzte Wort haben. Ab nächstem Jahr soll im Niederamt die zweite Etappe der vorgezogenen Hochwasserschutzdämme entlang der Aare realisiert werden. Voraussichtlich nächsten Juni kommt das Gesamtkonzept der Hochwasserschutz- und Revitalisierungsmassnahmen Aare zu Abstimmung. Dieses umfasst im Abschnitt Olten-Aarau Massnahmen am Gerinne (Aufweitungen, Seitengerinne, wo notwendig Dämme). Die Gesamtkosten belaufen sich Stand heute auf 27,5 Mio. Franken, wobei auf den Kanton netto 12,375 Mio. Franken entfallen. 2015 ist die Abstimmung über die Hochwasserschutzmassnahmen und Revitalisierung der Emme Abschnitt Wehr Biberist-Aaremündung geplant. Diese sollen von 2016 bis 2019 ausgeführt werden. Der Kanton rechnet mit Gesamtkosten von 64,8 Mio. Franken. Netto kostet das Projekt den Kanton 29,1 Mio. Franken. Die genauen Kosten werden jedoch erst 2015 vorliegen. Im Vordergrund stehen hier mit Gerinneaufweitungen und in zweiter Linie Dammbauten zur Gewährleistung des Hochwasserschutzes. (mz)

Seit dem Abschluss der Bauarbeiten am Flussbett sei es nun in diesen Tagen das vierte Mal, dass die Emme 150 bis 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führe. Zum Vergleich: Bei den Überschwemmungen 2005 und 2007 flossen über 600 Kubikmeter pro Sekunde - Wassermassen, die dann mit ein Grund waren, dass auch die Aare in Olten und im Niederamt über die Ufer trat.

Unter Beobachtung

Im Hinblick auf die zweite Ausbauetappe ab Biberist Wehr bis zur Aaremündung und die Hochwasserschutzmassnahmen an der Aare steht der sanierte Emme-Abschnitt nun unter Dauerbeobachtung der Fachleute. «Wir schauen beispielsweise, wo Holz liegen bleibt und ob es beim nächsten Anschwellen des Flusses weitergeführt wird, damit sich nichts stauend aufbauen kann», erklärt Zenklusen. Generell sei wichtig zu wissen, wie sich das Geschiebe verfrachtet. Periodisch kontrolliert würden auch die Bauwerke, konkret der Damm entlang des linken Ufers und die Uferbauten. «In Arbeit ist ein Unterhaltskonzept in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Gerlafingen und Biberist», so Zenklusen.

Die realisierten Hochwasserschutz- und Renaturierungsmassnahmen haben drei Ziele. Erstens: Die Revitalisierung des Emme-Abschnitts. «Tatsächlich haben sich bereits Sohlestrukturen gebildet. Diese verändern sich auch, was vor allem in den Sommermonaten gut zu beobachten war. Der Fluss ist vital», freut sich Zenklusen.

Das zweite Ziel, eine stärkere Naherholungsnutzung für die Bevölkerung zu ermöglichen, ist ebenfalls erreicht worden. Im Sommer wurde die Dammstrasse zur Uferpromenade. Erholungssuchende spazierten in Badekleidern der Emme entlang, Familien grillierten und planschten im Wasser. Und auch das dritte, in diesem Abschnitt wichtigste Ziel, der Hochwasserschutz, sei erreicht worden.

Wobei hier Zenklusen einschränkt, dass die Emme noch nicht annähernd so viel Wasser geführt habe wie bei den Überschwemmungen 2005 und 2007. «Unsere Berechnungen halten aber einem solchen Ereignis stand.» Übrigens: alle 100 Meter werden periodisch im Querprofil Daten vom Bund gemessen, auf die der Kanton Zugriff hat.

Brücken als neue Randbedingung

Die Erfahrungen fliessen nun in die laufende Planung und Umsetzung - voraussichtlich ab 2016 bis 2019 - der zweiten Etappe ein. Wobei die beiden Abschnitte laut Zenklusen nur bedingt miteinander verglichen werden können. «Vom Biberister Wehr bis zum Emmenspitz planen wir teilweise grössere Verbreiterungen des Flusses. Er soll sich noch mehr ausweiten.

Andererseits bleiben mangels Platz einzelne enge Stellen.» Und: «Als neue Randbedingung kommen bestehende Brücken hinzu.» Im Vordergrund stünden Gerinneaufweitungen und erst in zweiter Linie Dammbauten zur Gewährleistung des Hochwasserschutzes. Ebenso wichtig ist aber die Revitalisierung des Abschnittes.