Landwirtschaft
Braunvieh züchten ist eine Herzensangelegenheit

Die Haltung der «Braunen» hat in der Innerschweiz und Ostschweiz Tradition. Im Gegensatz zur Nordwestschweiz, wo diese Rasse weniger häufig vertreten ist.

Benildis Bentolila
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Alfred Schmidig und sein Sohn Adrian präsentieren auf dem Obergrenchenberg ihre vierbeinige Schönheit, die Braunviehkuh Shanaya-ET.

Alfred Schmidig und sein Sohn Adrian präsentieren auf dem Obergrenchenberg ihre vierbeinige Schönheit, die Braunviehkuh Shanaya-ET.

Benildis Bentolila

«Eigentlich hat eine schöne Kuh keine Farbe.» Doch bei beiden – Alfred Schmidig, Obergrenchenberg, und Beat Gisler, Ramiswil – schlägt das Herz fürs Braunvieh, wie die beiden gebürtigen Innerschweizer gestehen. Schmidig züchtet seit zehn Jahren diese Rasse, also seit er mit seiner Familie auf den Obergrenchenberg gezogen ist. Gisler, Vizepräsident von Braunvieh Solothurn, hat die Tradition vom Vater übernommen. Nicht nur die Männer schwärmen von ihren Braunen, auch die Frauen Annemarie Schmidig und Anita Gisler stimmen in den Lobgesang ein.

Braunvieh: Eine Schweizer Rasse

«Die Nordwestschweiz ist eher ein Randgebiet in der Braunviehzucht», sagt Gody Bachmann, Seewen SO, einer der erfolgreichsten Braunviehzüchter der Schweiz. Angesichts der Nähe zu Baselland ist er Mitglied bei Braunvieh Baselland, wo er als Vizepräsident amtiert. Zudem ist er der Vertreter der Nordwestschweiz im Vorstand von Braunvieh Schweiz. Braunvieh ist eine ursprüngliche Schweizer Rasse, auch die amerikanische Variante, Brown Swiss, stammt von Schweizer Importen ab. In der Zentral- und Ostschweiz hat die Haltung dieser Rasse seit Jahrhunderten Tradition. Diese wird von Züchtern aus den angestammten Gebieten in der Nordwestschweiz weitergepflegt. (bbt)

Details Bruna 2017 unter: braunvieh.ch

Braunvieh unter Druck

Auf die Frage nach den Vorteilen des Braunviehs gegenüber anderen Rassen zählen die Züchter auf: Die Braunviehkuh sei eine richtige Berglerin – dank ihrer starken Klauen und ihrer Robustheit. Der hohe Milcheiweissgehalt und die ideale Kappa-Kasein-Zusammensetzung wirkten sich positiv in der Käseproduktion aus. Hingegen stehe die Milchleistung gegenüber anderen Rassen unter Druck. Aber es würde daran gearbeitet, einen Zuchtfortschritt um mindestens 60 Kilogramm pro Jahr zu erreichen.

Allerdings falle das Braunvieh auf durch lange Nutzungsdauer oder Langlebigkeit. Hier führen die Bauern ihren Kollegen Daniel Studer aus Nunningen an, in dessen Stall gleich drei langlebige Kühe stehen. Der «Star» ist die 18-jährige Westi, die im letzten Herbst die 125'000-Kilogramm-Grenze überschritt und im Juni zum 14. Mal kalben wird. Weiter halten Studers die 100'000er-Kühe Aida (13), die elf Mal gekalbt hat, und Silva (14), welche fünf Söhne und sieben Töchter hat.

Die Milchleistung verbessern

Im Talgebiet sollte eine Kuh 8500 Kilogramm Milch geben; im Berggebiet der härteren Haltung wegen etwas weniger. Gisler sagt: «Wenn wir die Leistungssicherheit nicht verbessern können, wechseln Braunviehzüchter zu einer anderen Rasse.» Und das sei nicht gut, denn alle Rassenvertreter hätten das Ziel, weitere Züchter zu gewinnen, um so stärker auftreten zu können.

Heute können gesteckte Zuchtziele besser erreicht werden dank der genomischen Zuchtwertschätzung. Aufgrund moderner Technik lässt sich das Erbgut besser entziffern und bestimmte Leistungsmerkmale sind eher bekannt. Dennoch steht bei vielen Züchtern wieder ein Stier im Stall. «Denn», erklärt Schmidig, «trotz aller modernen Errungenschaften hilft oft ein Natursprung, wenn eine Kuh bei der künstlichen Besamung nicht aufgenommen hat.»

Die schöne Shanaya

Langenhard’s Jolden Shanaya-ET ist eine Schönheit und eine wertvolle Kuh. Sie ist mit ihren Exterieur-Qualitäten hoch eingeschätzt und verfügt über eine vielversprechende Abstammung. Ihr Vater ist Jolden, ihre Mutter Forsman Shyraz. Sie wurde geboren am 15. August 2014 in Rikon; Schmidigs kauften sie als Rind, weil sie als Zuchttier und Schaukuh erfolgversprechend ist. Am 12. Oktober 2016 hat sie das erste Mal gekalbt, das heisst, sie ist in der ersten Laktation. Das ist der Zeitraum, in dem Kühe Milch geben zwischen der Geburt des Kalbes und dem Trockenstellen.

Sechs bis neun Wochen nach dem Gebären kann eine Kuh wieder trächtig werden; trockengestellt wird sie nach siebenmonatiger Trächtigkeit, das heisst, sie wird nicht mehr gemolken. Normalerweise hält die Milchproduktion über 300 Tage an. Die Phase zwischen dem Trockenstellen und der Geburt des nächsten Kalbes dauert sechs bis acht Wochen, hierzulande Galt- oder Gustzeit genannt. In dieser Zeit können sich der Organismus und vor allem das Euter der Milchkuh regenerieren.

Zur Ausmarchung angemeldet

Shanaya-ET ist angemeldet für das Ausmarchen an die Bruna 2017 vom 7. und 8. April, die alle fünf Jahre in Zug stattfindet. Sie gilt als Schweizer Meisterschaft der Braunviehkühe und Braunviehzüchter und geniesst weltweit Beachtung. Die Kantone Solothurn und Baselland können gemeinsam fünf Tiere nach Zug bringen; drei weitere Reservetiere bleiben auf den Betrieben.

Am kommenden 11. März bringen Braunviehzüchter aus den beiden Kantonen ihre zwölf angemeldeten Tiere nach Egerkingen, wo ein nationaler Richter die acht Tiere für Zug bestimmen wird.

Die Braunviehzüchter – organisiert als Braunvieh Solothurn, mit Präsident Beda Meier, Unterramsern – sehen der Ausmarchung voller Spannung entgegen.