Kanton Solothurn
Brandgefahr stellt immer noch das grösste Risiko dar

Brandschutz ist Personenschutz, heisst es in einem Leitfaden der Solothurnischen Gebäudeversicherung. Direktor Alain Rossier gibt Auskunft über Sinn und Zweck und heutige Anforderungen der rund 200-jährigen kantonalen Gebäudeversicherungsidee.

Fränzi Rütti-Saner
Merken
Drucken
Teilen
Ursache Elektrizität: Der Brand in der Solothurner Altstadt vom 29. März 2011 richtete Schäden von 5,4 Mio. Fr. an.

Ursache Elektrizität: Der Brand in der Solothurner Altstadt vom 29. März 2011 richtete Schäden von 5,4 Mio. Fr. an.

Wolfgang Wagmann

Die Solothurnische Gebäudeversicherung (SGV) ist eine öffentlich-rechtliche und juristisch selbstständige Institution, die den Auftrag hat, Personen, Tiere und Sachwerte in Bezug auf Brand- und Elementarschäden zu schützen und im Schadenfall die Existenzgrundlage eines Hausbesitzers zu versichern. Doch nicht in jedem Kanton der Schweiz ist die Gebäudeversicherung eine kantonale Angelegenheit. In sieben Kantonen (VS, TI, UR, SZ, GE, OW, AI) existieren solche kantonalen Versicherungen nicht; dort werden die Gebäude von privaten Anbietern versichert, wobei die Prävention nicht den gleichen Stellenwert einnimmt.

Weil die kantonalen Gebäudeversicherungen nicht nur versichern, sondern auch aktiv Prävention betreiben und so die Schadenquote tief halten können, aber auch weil sie nicht gewinnorientiert arbeiten, sind die Prämien im Vergleich zu den Privaten tiefer. Deshalb ist Alain Rossier, der Direktor der SGV vom System «sichern und versichern» überzeugt. «Das Zusammenspiel von Prävention und Versicherung führt zu einem optimierten Personen- und Sachschutz sowie zu einer optimierten finanzielle Absicherung mit günstigen Prämien. Kosten 1000 Franken Versicherungskapital bei der SGV rund 53 Rappen an Prämien, ist für die gleiche Versicherungssumme bei einer privaten Versicherung mit der doppelten Prämie zu rechnen. Zudem: die SGV kennt keinen Selbstbehalt».

Neben der eigentlichen Versicherung spielt für die SGV die Prävention von Brand- oder Elementarschäden eine wichtige Rolle. Rossier: «Im Bereich des Brandschutzes arbeiten alle Gebäudeversicherungen in der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) zusammen.

Die so von der VKF, in Zusammenarbeit mit den Kantonen ohne Gebäudeversicherung, erarbeiteten Brandschutzvorschriften erlangen nach der Zustimmung durch die kantonalen Regierungen einen rechtlichen Charakter.» Für die Umsetzung in den einzelnen Kantonen sind wiederum die Gebäudeversicherungen zuständig.

Schweiz auf 2. Platz

Bei Gebäuden im Kanton Solothurn ist es immer noch die Brandgefahr, welche das grösste Risiko darstellt. Ursachen sind zu 28 Prozent die Elektrizität, zu 16 Prozent ein offenes Feuer (Feuerzeug, Kerze, Löten, vergessene Pfannen), 9 Prozent eine Feuerungsanlage, 8 Prozent Brandstiftung, 4 Prozent Blitzeinschlag und 29 Prozent andere, meist technische Ursache.

Eindrücklich ist auch, wie tief die Zahl der Todesfälle durch Brände in der Schweiz ist. Hinter Singapur (mit 1,9 Toten) steht die Schweiz auf den zweiten Platz mit 3,6 Toten pro 1 Mio. Einwohner. In Deutschland sind es 6,8 Personen, in den USA 12,3 und in Japan sind es sogar 16,7 Tote. Durchschnittlich sterben in der Schweiz pro Jahr leider aber immer noch 25-30 Personen bei Bränden.

So gesehen ist ein wirksamer Brandschutz in erster Linie ein Personenschutz. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die SGV bereits bei der Planungsphase für ein Bauvorhaben involviert wird. Bauliche, technische und organisatorische Brandschutzmassnahmen sind so umzusetzen, dass die Personensicherheit gewährleistet ist, das Brandrisiko minimiert wird und Rettungskräfte im Schadenfall erfolgreich eingesetzt werden können, lautet ein Leitsatz.

Alain Rossier sagt dazu: «Für komplexe Bauvorhaben wie zum Beispiel bei industriellen Bauten, ist es wichtig in einerl schon in der Vorprojektphase die SGV einzubeziehen. So können Bauherrenwünsche, Planerideen und die nötigen Brandschutzmassnahmen aufeinander abgestimmt werden. Solche objektbezogenen Brandschutzkonzepte sind aufgrund der frühen Zusammenarbeit dann kosteneffizienter umsetzbar und stossen allseitig auf hohe Akzeptanz.»

Geltende Vorschriften anwenden

Rossier sagt aber auch, dass sich der Brandschutz bei gut 80 Prozent der Bauvorhaben mit sogenannten «Standardkonzepten» umsetzen lässt. Dazu gehören auch die vielen Wohnbauten. «Bei freistehenden Einfamilienhäusern gibt es eigentlich nur den Brandschutz im Bereich von Feuerungsanlagen zu beachten, denn der Gesetzgeber setzt beim Eigenheim vermehrt auf die Eigenverantwortung der Eigentümer», so Rossier.

Und wie hoch ist die Akzeptanz von Brandschutzkonzepten bei bestehenden oder historischen Bauten? «Werden wesentliche bauliche oder betriebliche Veränderungen, Erweiterungen oder Nutzungsänderungen an bestehenden Bauten vorgenommen, sind die geltenden Brandschutzvorschriften anzuwenden. In diesem Fall gilt es jedoch, die «Verhältnismässigkeit» einer Massnahme zu würdigen. Die SGV schreitet insbesondere dann ein, wenn festgestellt werden muss, dass die Gefahr für Personen besonders gross ist.»

Der Brandschutz-Experte fände es zudem sinnvoll, wenn bereits in den Studiengängen künftiger Planer und Architekten das Thema Brandschutz mehr Platz erhielte.