Hundeprüfung
Bösewichte müssen sich in Acht nehmen: Solothurner Polizeihunde sind in Form

An der jährliche Verbandshundeprüfung präsentierten sich die Solothurner Polizeihunde in Hochform. Ihre Fähigkeiten stellten die Spürhunde in einem standardisierten Test unter Beweis. Dabei galt es, verschiedene Aufgaben zu lösen.

Hansruedi Aeschbacher
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Impressionen von der Prüfung der Solothurner Polizeihunde im Jahr 2012 im Raum Härkingen, Neuendorf, Boningen und Kappel
9 Bilder
Der Diensthund wird im Wald für seine Aufgabe losgeschickt.
«Irko» von Anton Walter ist voll motiviert.
Wenn «Irko» sucht, schauen die Richter genau hin
«Yasco» von Susanne Lack sucht ein Feldstück ab.
Hundeprüfung
Der Diensthund hält den Bösewicht fest.
Und hindert ihn daran, abzuhauen
Tobias Kiefer und sein Hund «Quintus» haben gegenseitiges Vertrauen.

Impressionen von der Prüfung der Solothurner Polizeihunde im Jahr 2012 im Raum Härkingen, Neuendorf, Boningen und Kappel

Hansruedi Aeschbacher

Sie tragen alles adlige Namen wie «Vait du Boidamont», «Orex du Mont Saint Aubert», «Quitus du Colombophile» oder «Zaro von der Sturmburg» und haben noch etwas gemeinsam: Sie sind die vierpfotigen Mitglieder der Sondergruppe Hundeführer der Kantonspolizei Solothurn. Jährlich müssen die Diensthunde und deren Meister in einem sechsteiligen Test ihre Einsatzfähigkeit unter Beweis stellen. Eines zeigte sich am zweitägigen Test im Gäu. Die «Polizisten» mit der kalten Schnauze sind klüger als alle dummen Ganoven dieser Welt.

Zahlreiche Zuschauer, darunter Polizeidirektor Regierungsrat Peter Gomm und Thomas Fritschi, Chef Amt für Justizvollzug, wohnten den Prüfungen im Raum Härkingen, Neuendorf, Boningen und Kappel bei. 15 Hunde der Rassen Deutsche und Belgische Schäferhunde von zwölf Diensthundeführen absolvierten den zweitägigen Prüfungsmarathon.

Die sechs Tests umfassende Prüfung erfolgte nach den Vorgaben des Schweizerischen Polizeihundeführer Verbandes (SPV) und werden in der ganzen Schweiz gleich angewendet, erklärt der Verantwortliche der Sondergruppe Diensthundeführer bei der Kantonspolizei Hauptmann Roland Fringeli, zugleich auch Übungsleiter.

Hunde kommen an ihre Grenzen

Der erste Prüfungstag beinhaltete die vier Prüfungen Fährtenarbeit, Wegrandsuche, Gebäudedurchsuchung und Personenrevier, allesamt also Tests mit «Nasenarbeit». Übungsleiter Fringeli: «Die Nasenarbeit verbunden mit den grossen Laufpensen im Gelände bringt die Hunde an ihre physischen Grenzen. Es ist unglaublich, wie viele Informationen die Hunde durch die Nase verarbeiten können.» In der Tat war es eindrücklich, zu welchen Leistungen die Diensthunde der Kantonspolizei fähig sind.

Bei der Wegrandsuche zum Beispiel musste der Hund eine bestimmte Fläche mittels systematischer Quersuche absuchen und drei Gegenstände finden, ohne zu wissen, was er suchen muss. Im konkreten Fall waren dies ein geklautes Portemonnaie und mit einem Schraubenzieher sowie einer Beisszange zwei typische Einbruchswerkzeuge. Selbst ein zufällig auffahrender Landwirt mit einem streng riechenden Güllewagen konnte die Hunde nicht von ihrer Arbeit abhalten «Jetz isch er dure» meinte Hundeführerin Susanne Lack nach der nicht ganz optimal verlaufenen Wegrandsuche ihres Deutschen Schäferhundes «Vax». Nicht minder eindrücklich war der Test Personenrevier. In einem Waldstück von rund 150 Schritten in der Breite und 250 in der Tiefe musste der Hund eine liegende und eine stehende Person aufspüren. Das Auffinden gab der Hund mit einem Bellen an.

Absolutes Vertrauen ist ein Muss

Am zweiten Tag wurden die Unterordnung und der Schutzdienst geprüft. In der Unterordnung mussten die Diensthunde ihren absoluten Gehorsam beweisen. Freifolgen mit Wendungen in unterschiedlichen Schrittarten, Verharren an Ort ohne Hundeführer und unter Ablenkung (Schussknall), oder Voransenden des Hundes verlangten vom ganzen Team höchste Konzentration. Absolutes gegenseitiges Vertrauen zwischen Mensch und Tier ist beim Tragen des Hundes ein Muss. Spektakulär gestaltete sich sowohl für die teilnehmenden Teams als auch die anwesenden Schaulustigen der Schutzdienst. Zwei «Bösewichte» mussten der Hund und der Hundeführer stellen oder an der Flucht hindern. Dabei wurden nicht nur Angriff und Fassen geprüft, sondern ebenso das Loslassen oder das Nichtfassen trotz Provokation.

Rund zwei Jahre dauere die erste Ausbildungsstufe eines Diensthundes, erklärte Übungsleiter Roland Fringeli. Die Ausbildung der mehrheitlich der Rassen Deutscher und Belgischer Schäferhund (Malinois) angehörenden Hunde erfolgt zum grössten Teil in der Freizeit der Diensthundeführer. Da ist also viel Enthusiasmus gefragt. «Mein Mann Thomas Bader, der ebenfalls Diensthundeführer ist, und ich beschäftigen uns in der Freizeit täglich während mehr als zwei Stunden mit unseren drei Hunden», sagte Janine Zihlmann, die mit dem Belgischen Schäferhund «Orex» an der Verbandsprüfung teilnahm. Im monatlichen Arbeitssoll der Diensthundeführer sind lediglich eineinhalb bezahlte Arbeitsstunden für die Ausbildung der Hunde reserviert, berichtete Janine Zihlmann. In der Familie Zihlman-Bader leben zwei Belgische Schäfer und ein Bayerischer Gebirgsschweisshund, der als Personensuchhund ausgebildet ist. Logisch, dass Janine Zihlmann und Thomas Bader ihre ganze Freizeit ihren drei «Berufskollegen» widmen.

Bis zu zehn Jahre im Dienst

«Erst wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, erhalten die Hundehalter eine entsprechende Entschädigung. «Das sind momentan 2500 Franken pro Hund und Jahr», sagte Hauptmann Roland Fringeli. «Vorher gibt es ein kleines Futtergeld und einen Beitrag beim Kauf eines Welpen.» Nach der Ausbildung zum Schutzhund können geeignete Tiere auch zum Drogen-, Sprengstoff- oder Personensuchhund ausgebildet werden. «Durchschnittlich rund zweihundert Ernstfalleinsätze mit Diensthunden verzeichnet die Kantonspolizei Solothurn jährlich», weiss Roland Fringeli. «Bei der täglichen Polizeiarbeit der Diensthundeführer, zum Beispiel auf Patrouille, sind die Hunde selbstverständlich aber immer im Dienst».

Die solothurnischen Diensthunde verrichten ihre wertvolle Arbeit im Justizvollzug in den Untersuchungsgefängnissen Olten und Solothurn, sowie der Strafanstalt Schöngrün, bei der Stadtpolizei Grenchen und bei der Kantonspolizei. Nach acht bis zehn Jahren im Dienste der Polizei dürfen die «Helfer und Freunde» der «Freunde und Helfer» in den verdienten Ruhestand. Und träumen dann vielleicht von Cervelats verteilenden friedlichen Ex-Ganoven.