Der Schock sitzt tief in Frauenfeld: Der deutsche Bosch-Konzern gab am Dienstag bekannt, die Schleifmittel-Konfektionierung und das Halbfertiglager von der SIA Abrasives in Frauenfeld an einen kostengünstigeren Standort in Osteuropa zu verlagern. Betroffen sind 260 der 720 Arbeitsplätze.

Diese Hiobsbotschaft sorgt auch im Solothurnischen für Unruhe.

Erstens bleibt die Ankündigung von Bosch 2013, die Fertigung und Entwicklung von Elektrowerkzeugen von der Bosch-Tochter Scintilla in Zuchwil nach Ungarn zu verlagern, in schlechtester Erinnerung. Die Rosskur ist inzwischen mehrheitlich abgeschlossen, 330 Arbeitsplätze gingen verloren.

Zweitens gehört der Schleifmittelhersteller SIA zum Bosch-Bereich Zubehör für Elektrowerkzeuge, dessen globaler Hauptsitz für Entwicklung, Fertigung, Marketing und Vertriebskoordination bei der Scintilla AG in Zuchwil angesiedelt ist.

Wiederholt wurde versichert, dass «dieser Bereich in Zuchwil bleibt und es keine Pläne für eine Verlagerung gibt». Gilt das auch heute noch?

Zubehörgeschäft «wächst»

Ja, daran habe sich nichts verändert, versichert Sonja Bloechlinger, Sprecherin der Robert Bosch AG in Zuchwil. Die Massnahmen in Frauenfeld hätten keine Auswirkungen auf den Standort Zuchwil. Im Gegenteil.

Im Bereich Zubehör in Zuchwil seien aktuell 220 Mitarbeitende beschäftigt, zehn mehr als zu Beginn des Jahres, meldet Bloechlinger. In Zuchwil sind laut Firmenangaben derzeit 450 Mitarbeitende bei der Scintilla und der Robert Bosch AG beschäftigt.

Auch das ebenfalls zur Scintilla gehörende Werk in St. Niklaus ist offenbar gut unterwegs. Im Walliser Dorf werden in erster Linie Sägeblätter für die Elektrowerkzeuge produziert.

Seit Anfang Jahr seien dort zehn neue Arbeitsplätze geschaffen werden, der Personalbestand liege aktuell bei 514. Das Werk stehe sehr gut da und wachse deutlich, gab die Bosch-Sprecherin weiter bekannt.

«Die negativen Wechselkurseffekte konnten vollständig kompensiert werden.» Um das erwähnte Wachstum meistern zu können, seien zudem Investitionen über mehrere Millionen Euro geplant.

Ende der Arbeitszeitverlängerung

Folgerichtig soll die im vergangenen Frühling eingeführte Verlängerung der Arbeitszeit auf Ende Jahr wieder aufgehoben werden. «Die Massnahme ist auf diesen Zeitpunkt hin befristet. Eine Verlängerung für 2016 ist derzeit nicht geplant», hält Sonja Bloechlinger fest.

Eine Weiterführung müsste mit den Arbeitnehmervertretungen neu verhandelt werden. Nach dem Euroschock im Januar wurde in Zuchwil und in St. Niklaus die wöchentliche Arbeitszeit verlängert. Die Belegschaft muss seit dem 1. März statt 40 neu 41,5 Stunden bei gleichem Lohn arbeiten.