Für die einen wiehert hier der Amtsschimmel in sonderbarem Ausmass: Nach wie vor ist die Empörung über das urplötzliche Fahrverbot für die Aarefähre, die die Insel der Bauernfamilie Antener mit dem Festland verbindet, gross - querte das Boot doch 33 Jahre lang sicher die Aare.

Für andere stellt sich die Frage: Was wäre, wenn mit dem angejahrten Boot einmal etwas passieren würde: Wer hätte nicht schon immer gewusst, dass die Fähre sicherheitstechnisch veraltet sein könnte?

In Solothurn sitzt ein Unternehmen, das Erfahrung im Fährenbau besitzt. Auf Bellacher Boden stellt die Aarewerft Lehmann Boote her. Firmeninhaber Marcel Lehmann hat schon einige Fähren konstruiert, etwa diejenige in Altreu.

Er kennt das Sicherheitsproblem, das dem Fährbetrieb beim Inseli den Garaus machen soll. Denn die fehlenden Luftkammern waren schon vor gut zehn Jahren in Basel ein Problem.

Lehmanns Firma erhielt in der Folge einen prestigeträchtigen Auftrag vom Rheinknie: Sie baute die St. Alban Fähre, die 35 Passagiere fassen kann und sommers und winters den Rhein quert.

Auch in Basel fehlten die sogenannten «Auftriebskörper» - das Gesetz fordert sie nicht erst seit kurzem: «Die Unsinkbarkeit der Fähre musste gewährleistet werden», sagt Marcel Lehmann.

«Es gibt Risiken»

Bootsbauer Lehmann kennt die Fähre, die Personen und Waren auf das Aareinseli transportiert. Für den Fachmann ist klar: Die Polizei konnte nicht anders handeln. Wohl keine Schweizer Behörde würde der Fähre eine Fahrerlaubnis ausstellen, sagt Lehmann.

Denn offenbar steht es um die Sicherheit der Fähre nicht zum Besten. «Wenn der Betreiber fährt, geht er Risiken ein.» Statische Teile seien nicht mehr intakt.
Lehmann hat sich die Fähre insbesondere angeschaut, um zu prüfen, mit welchen Massnahmen sie wieder fahrtauglich gemacht werden könnte.

Man habe überprüft, aussen an das Boot Kammern zu schweissen, so Lehmann. Doch dies lasse der Zustand der 33 Jahre alten Aluminium-Aussenhaut wohl kaum zu. «Das Alu ist dermassen alt, dass man nicht mehr schweissen kann.»

Es mache kaum Sinn, Geld zu investieren, um die Fähre für weitere zwei bis drei Jahre gängig zu machen. Schwarz malen will Lehmann aber nicht, denn er ist überzeugt: Technisch ist es kein Problem, eine Fähre zu bauen, die den Anforderungen der Familie entspricht. Eine entsprechende Plattform hätte der Bootsbauer, er habe auch schon Kontakt mit der Familie gehabt, so Lehmann.

Ein Fragezeichen setzt der Fachmann aber beim zeitlichen Rahmen. Denn die Polizei will das Boot am 31. Januar aus dem Verkehr ziehen. «Drei bis fünf Monate sind realistisch, um so ein Projekt zu realisieren», sagt Lehmann, der hofft, dass Behörden und Anteners den Weg zueinander finden.

Denn schliesslich gehe es um die Existenzgrundlage der Familie.

«Noch diese Woche einen Brief»

Immerhin gibt es eine neue Nachricht aus dem Innendepartement von Regierungsrat Peter Gomm, wo die Beschwerde der Familie Antener gegen die polizeiliche Verbots-Verfügung hängig ist. «Die Familie wird noch diese Woche ein Schreiben von unserem Departement in den Händen halten», sagt Departementssekretär Heinrich Schwarz.

Was in der Post aus Solothurn stehen wird - ob es eine Fristerstreckung gibt oder ob der Kanton stur bleibt - konnte Schwarz nicht sagen, müsse doch zuerst die betroffene Familie informiert werden.