Es herrschte Goldgräberstimmung im Lande. Als das Bundesamt für Gesundheit 2016 den Verkauf von CBD-Produkten erlaubte, lancierte es damit einen Trend, den so kaum jemand vorhergesehen hatte. Auf Feldern wie in Gewächshäusern wurde CBD-Hanf angepflanzt, eine Vielzahl von Firmen produzierte daraus Lebensmittel, Kosmetika oder Tabakersatzprodukte. Online wie auch in regionalen Lädeli konnte man sich mit den verschiedensten Produkten eindecken. Selbst Grossverteiler Coop nahm im Sommer 2017 CBD-Zigaretten ins Sortiment auf.

Der Höhenflug des «grünen Goldes» schien keine Grenzen zu kennen. Anfang dieses Jahres dann aber die Ernüchterung: Das gewaltige Angebot übertraf die Nachfrage, die Preise sanken, der Trend schien bereits wieder vorbei zu sein. Wie ist die Lage im Kanton knapp zwei Jahre nach der Zulassung? Und wie soll es weitergehen? Drei Beteiligte berichten.

Ein Bedürfnis in der Gesellschaft

Dario Tobler war an vorderster Front dabei, als CBD-Hanf 2016 zugelassen wurde. Er erinnert sich an die Schwierigkeiten, mit denen er damals konfrontiert wurde: «Mit meinen Anfragen wurde ich von Amt zu Amt weitergereicht, Niemand schien zuständig zu sein.» Im Entscheid des Bundesamtes für Gesundheit sah er seine Chance: Er gründete 2017 die Zitronic Hemplements AG, die mit Hauptsitz in Obergerlafingen biologische Hanfprodukte produziert. Dann die Wende: «Vom November 2017 bis Februar dieses Jahres stagnierten die Verkäufe.» Betroffen seien aber hauptsächlich die Tabakersatzprodukte. Die Zitronic sei breit genug aufgestellt und in genügend anderen Produktkategorien tätig, so dass keine Untergangsstimmung geherrscht habe. So blickt er dann auch optimistisch in die Zukunft: «Viele kleinere Anbieter haben bereits wieder aufgehört und das Angebot wird sich für eine Handvoll professioneller Produzenten auf einem normalen Stand einpendeln.»

Ein Beispiel dafür, dass nicht nur Firmen im grossen Rahmen CBD anbauen, ist Markus Dietschi. Der BDP-Kantonsrat und Landwirt pflanzte 2017 auf seinem Hof in Selzach CBD-Hanf an. Nicht, um der Tabakindustrie Konkurrenz zu machen, sondern weil er in der Pflanze viel Potenzial sieht: «Von thermischer Dämmung über Kosmetik bis hin zur Ernährung, im Hanf liegt eine grosse Chance.» Die Krise und den Preiseinbruch bekam er zwar mit, grössere Folgen hatten sie für ihn aber nicht. So will er denn auch dieses Jahr wieder Hanf anbauen.
Fertige Produkte einkaufen kann man vor allem online. Die Lieferung kommt dann direkt nach Hause. Aber auch viele Läden haben mittlerweile CBD-Hanfprodukte in ihr Sortiment aufgenommen.

So auch der «Babacool Fashion» in der Solothurner Altstadt. Seit 20 Jahren betreibt Adrian Volken den «Trendshop für die Partyszene», wie sich auf der Website lesen lässt. 2016 nahm er die CBD-Produkte ins Sortiment auf. «Nach einem ersten Run, in welchem Jeder CBD-Hanf ausprobieren wollte, pendelte sich das Ganze auf einem guten Level ein.» Nebst der jungen Kundschaft hat er auch viele ältere Kunden, die an Ölen oder Balsamen interessiert sind. Seine bisherige Bilanz: Alleine von den CBD-Produkten leben könnte er zwar nicht, es laufe aber gut. Es herrsche ein Bedürfnis nach diesen Produkten in der Gesellschaft. Das Angebot wird er, solange es dem Gesetz entspricht, mit Bestimmtheit beibehalten.

Komplexe Gesetzeslage

«Cannabisprodukte mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent sind nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt.» So weit so klar. Doch in der Praxis sind der Anbau und besonders der Vertrieb um einiges komplizierter. Der Anbau wird kantonal geregelt. So gibt es im Kanton Solothurn keine Meldepflicht, gleichzeitig werden auch keine Direktzahlungen vom Amt für Landwirtschaft getätigt. Für den Vertrieb gelten je nach Produktkategorie verschiedene Gesetze.

Das kann zum Beispiel heissen: Für den Vertrieb als Lebensmittel braucht es eine Bewilligung durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Oder als Tabakersatzprodukte: Eine Meldung ans Bundesamt für Gesundheit, gleichzeitig wird die Tabaksteuer und dadurch eine Meldung bei der Oberzolldirektion fällig. Und dann schwebt über dem ganzen Prozess das Damoklesschwert der THC-Grenze. Und der damit einhergehenden Illegalität bei allfälliger Überschreitung.

Ein Umstand, der, so Landwirt Dietschi, hemmend auf die Branche wirke. Und es schwierig mache, das volle Potenzial der Pflanze ausschöpfen zu können. Darum findet er: «Jetzt ist der Zeitpunkt für einen kontrollierten, legalisierten Hanfanbau und eine saubere Regelung des Konsums.» Ähnlich tönt es auch bei Tobler. Er betont besonders den medizinischen Nutzen der Pflanze. Ein Thema, das aktueller Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen ist. Ob es aber soweit kommt, steht in den Sternen. Zuletzt scheiterte 2008 die «Hanfinitiative».

Eine CBD-Hanfernte in Bild und Ton:

Markus Dietschi bei der Ernte vom legalen Hanf in Selzach

Markus Dietschi bei der Ernte vom legalen Hanf in Selzach.