Linie Solothurn–Moutier
BLS gibt sich angesichts der drohenden Stilllegung der Moutier-Bahn zugeknöpft

Bislang hat sich die Betreiberin der Solothurn-Moutier-Bahn nicht zu ihren Absichten geäussert. Nun bringt die BLS zumindest ein wenig Ordnung in den Zahlensalat der Sanierungskosten. Auf ein klares Bekenntnis mag sie sich jedoch nicht einlassen.

Sven Altermatt
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Weil eine teure Tunnelsanierung ansteht, ist die Zukunft der Moutier-Bahn derzeit ungewiss.Hansjörg Sahli

Weil eine teure Tunnelsanierung ansteht, ist die Zukunft der Moutier-Bahn derzeit ungewiss.Hansjörg Sahli

Man kann den Thaler Behörden kaum vorhalten, sie würden nicht für den Fortbestand der Bahnlinie Solothurn–Moutier kämpfen. Als die Planspiele des Bundes bekannt wurden, reagierte man im Thal schnell und äusserst scharf. Während in Bern geprüft wird, die Strecke stillzulegen, wächst im Solothurner Jura die Wut.

Was in Welschenrohr und Gänsbrunnen begann, wird allmählich zur Bewährungsprobe für eine ganze Region. Ihre Sorgen sind offensichtlich: Wenn die Bahnstrecke verschwindet, wird eine zentrale Verbindung ins Mittelland gekappt. Mit einem gemeinsamen Brief wollen nun auch die Thaler Gemeindepräsidenten beim Bund protestieren. Mitstreiter finden sich im Leberberg und bei der Seilbahn Weissenstein.

Allein, entschieden ist offiziell noch nichts. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) betont: «Alle Optionen sind offen.» Und dazu gehört die Möglichkeit, den Weissensteintunnel zu schliessen und die Bahnlinie stillzulegen. So rational dies aus wirtschaftlicher Sicht tönen mag, so schwerwiegend könnten die Folgen für das Thal sein.

«In einer defensiven Position»

Hoffnung setzen die Thaler umso mehr in die BLS. Wird sich die Bahnbetreiberin für den Erhalt der Linie einsetzen? Sofern die Tunnelsanierung sichergestellt werde, antwortet Sprecher Michael Blum auf entsprechende Fragen, «betreibt die BLS die Strecke auch weiterhin». Dafür seien allerdings der Bund und die Kantone Bern und Solothurn zuständig. Ein Bekenntnis klingt anders. Deutlicher will sich die Konzessionsinhaberin jedoch nicht auslassen. Das überrasche ihn nicht, sagt ein Insider. «Die BLS hat das Interesse an der Moutier-Bahn verloren.» Diese Einschätzung teilt ein profunder Kenner des Schweizer Bahnwesens. Auch er will anonym bleiben, sagt aber: «Bei der BLS gibt es keine Trauerfeier, wenn diese Linie stillgelegt wird.» Solange Kantone und Bund die Leistungen der Regionalbahn bestellen und ungedeckte Kosten übernehmen, glaubt er, werde die BLS ihren Auftrag ausführen. Das Bahnunternehmen sieht er dabei ohnehin eher in einer defensiven Position.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Bahnlinie am äussersten Rand des BLS-Netzes schwierig zu betreiben ist. Ein Tauschgeschäft kam der BLS da gerade recht. Seit vier Jahren werden die Züge zwischen Solothurn und Moutier von den SBB geführt. Im Gegenzug betreibt die BLS für die Bundesbahnen zwei Linien zwischen Langenthal und Luzern – in ihrem Stammland. Die Frage schliesslich, welche Rolle die Moutier-Bahn in ihren strategischen Überlegungen spiele, beantwortet die BLS eher nebulös: Man stehe diesbezüglich in Kontakt mit den zuständigen Stellen.

Durchblick im Zahlensalat?

Schwer verdaulich ist der Zahlensalat, der in diesen Tagen aufgetischt wird. «Im Frühling vor einem Jahr waren es 30, im Sommer 70, im Herbst 100», sagt Erika Pfeiffer, «und jetzt 170 Millionen Franken.» Die Lommiswiler Gemeindepräsidentin kann wie viele andere nicht verstehen, wie sich die Sanierungskosten für den Weissensteintunnel zusammensetzen.

Manche sprechen auch von 40 Millionen Franken, anderswo geistert der Betrag von 80 Millionen herum. 170 Millionen Franken soll die Sanierung nach offizieller Lesart kosten. Der Bund stützt sich dabei auf Angaben der BLS. Dort heisst es: «Die 170 Millionen Franken umfassen eine komplette Sanierung für eine Betriebsdauer von 50 Jahren.» Beim Betrag handle es sich um eine Schätzung, die «nach einer ergänzenden Untersuchung» entstanden sei.

Dass einst von 80 Millionen Franken gesprochen wurde, erklärt die BLS mit der «ursprünglichen Betrachtungsdauer von 25 Jahren». Doch selbst für diese Periode sei der Wert «nach genauerer Analyse» auf 104 Millionen Franken korrigiert worden. Appetitlicher lässt sich der Zahlensalat mit diesen Angaben nicht anrichten. Klar ist nun immerhin: Während sich die BLS erst auf eine Betriebsdauer von 25 Jahren stützte, spricht sie nun von 50 Jahren. Das sei von der öffentlichen Hand so gewünscht worden, erklärt BLS-Sprecher Blum. Offen bleibt auf Anfrage, wie sich die geschätzten Sanierungskosten zusammensetzen.

Regionalverkehr unter Druck

Kurzgefasst machen der Moutier-Bahn drei Probleme zu schaffen: ein maroder Tunnel, die schwache Auslastung und die Isolation vom Fernverkehr. Einen Wendepunkt bildet der 9. Februar 2014, als das Schweizer Stimmvolk der Bahnvorlage Fabi zugestimmt hat. Seitdem muss der Bund für die Infrastruktur von Privatbahnen aufkommen, also auch für die Linie Solothurn–Moutier und den Weissensteintunnel. Im heutigen Zustand darf der Tunnel nur noch bis Ende 2016 befahren werden. Dass die Strecke mit einem Kostendeckungsgrad von 22 Prozent auf einer «Liste der gefährdeten Linien» steht, macht die Sache nicht einfacher. Und eine Stilllegung wäre kaum ein Thema, würden die Schienen vom Fernverkehr mitbeansprucht.

Um zu verstehen, welchem Druck der Schweizer Regionalverkehr ausgesetzt ist, hilft ein Blick auf das grosse Ganze. Der Kostendruck steigt seit Jahren, die Löcher in den Kassen wachsen und beim Bund reisst allmählich der Geduldsfaden. Bereits 2013 wurden die Kantone vom BAV aufgefordert, sich bei Subventionsbegehren zu mässigen. Der Bund wolle sich «nicht mehr unbeschränkt beteiligen». Im Visier der Sparbemühungen: hochdefizitäre Bahnstrecken wie die Moutier-Bahn.

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