Gänsbrunnen
Blinder über Kuh-Attacke auf Wanderung: «Es ging ziemlich wild zu und her»

Eine gemütliche Wanderung wurde für eine Gruppe Blinder und ihre Begleiter zur Mutprobe. Denn statt friedlich Picknick zu essen, mussten sie plötzlich vor angriffslustigen Kühen flüchten. Der Wanderleiter und ein sehbehinderter Teilnehmer erzählen.

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Die Wandergruppe mit sehbehinderten Leuten und ihren Begleitern erlebte auf ihrer Wanderung eine böse Überraschung, als sie am Samstag von Kühen attackiert wurde.

Bei der SAC-Hütte oberhalb von Gänsbrunnen wollte die neun-köpfige Wandergruppe mit vier Blinden aus Zürich ihr Znüni essen. Walter Ogi, der die Wanderung für die Blinden leitete, erzählt, was dann geschah. «Leider haben uns auf dem Weg zum Picknick-Tisch Kühe den Weg versperrt. Eine zeigte sehr schnell Aggressionen gegen die Hunde.» Deshalb hat sich Ogi dann dazu entschlossen, nicht weiter geradeaus zu gehen und die Herde zu umgehen.

Auf der Weide hatte es einige Muttertiere, die ihren Nachwuchs vor den Blindenhunden der Wandergruppe verteidigen wollten. Auch ein Stier bedrängte die Sehbehinderten. Walter Ogi, der regelmässig Wanderungen für Blinde organisiert, musste deshalb möglichst schnell über ein Gatter an der Weide flüchten - und das mit seinen blinden Wandergefährten.

Für Gianfranco Giudice, der seit der Geburt blind ist, war die Begegnung mit den aggressiven Kühen nicht gerade angenehm. «Die sind immer näher gekommen und ich habe gehört, wie es immer heftiger geworden ist. Die Hunde begannen wegzulaufen und umher zuspringen. Es ging ziemlich wild zu und her», erzählt er im Interview mit Tele M1.

Die Wandergruppe konnte sich zum Glück rechtzeitig in Sicherheit bringen, verletzt wurde niemand. Für Walter Ogi ist aber klar, dass die Bauern in diesem Gebiet ihre Kühe nicht gerade bei wichtigen Durchgängen weiden lassen sollten.

Auf Wanderwegen nimmt der zuständige Bauer normalerweise Rücksicht. Die Wanderer haben aber auch Pflichten. Ernst Lanz, Landwirt aus Gänsbrunnen, sagt gegenüber Tele M1: «Der Wanderführer re­ko­g­nos­zie­rte den Weg schon im Juli. Im September ist das halt anders, dann sind die Kühe auf der Weide, die im Juli noch nicht da waren. Das kann man nicht verhindern. Aber miteinander reden wäre das Beste gewesen.»

Hätte die Zürcher Wandergruppe mit den vier Blinden mit Ernst Lanz einen Tag vorher Kontakt aufgenommen, hätte er ihnen sehr gerne geholfen. Und es wäre höchstwahrscheinlich nicht zu dieser brenzligen Situation gekommen. (lsc)