«Heckengeister&Klettermeister»
Bitte melden: Das Naturmuseum sucht nach Schlafmäusen im Kanton

Das Naturmuseum Solothurn will mehr über die aktuelle Verbreitung von Siebenschläfer, Haselmaus und Gartenschläfer im Kanton erfahren. Die hiesige Bevölkerung soll mit ihren Beobachtungen helfen.

Rebekka Balzarini
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Schlafmäuse, bitte melden!

Schlafmäuse, bitte melden!

zvg Bild: zvg

Sie sind klein, pelzig und mit ihren Kulleraugen unglaublich süss: die einheimischen Schlafmäuse. Und sie sind sogar bei uns daheim – der Kanton Solothurn gehört zum Verbreitungsgebiet der kleinen Tiere. Momentan liegen aber keine aktuellen Daten mehr dazu vor, wo und wie häufig der Siebenschläfer, die Haselmaus und der Gartenschläfer in der Region momentan anzutreffen sind. Das will das Naturmuseum Solothurn in den nächsten Monaten aber ändern. Im Rahmen des Projekts «Heckengeister&Klettermeister» ruft das Museum die Kantonsbevölkerung dazu auf, Beobachtungen der Tiere zu melden. Das Projekt führt das Naturmuseum zusammen mit dem Wildtierbüro Quadrapoda aus Bern durch, die Trägerschaft übernimmt das Projekt «Wilde Nachbarn» Solothurn.

Grundlage für weitere Forschungen schaffen

«Unser Ziel ist, dass die Bevölkerung die Augen offenhält», erklärt der Leiter des Naturmuseums in Solothurn, Thomas Briner, bei einem Besuch im Museum. Und zwar im Alltag, denn gezielt nach den Tieren zu suchen, sei eher schwierig. «Häufig sehen die Menschen die Tiere in ihren Gärten, melden das aber gar nicht, weil sie gar nicht wissen, wie wichtig das für uns ist», sagt Briner weiter.

Wichtig deshalb, weil dieses Wissen die Grundlage bilden kann für weitere Forschungen oder Projekte. Zum Beispiel dazu, wie die Schlafmäuse in der Region gezielt gefördert werden können. Das nützt nicht nur den kleinen Nagern, so Briner. «Wo sich die Schlafmäuse wohlfühlen, da fühlen sich auch andere Tiere daheim. Etwa Igel, Wiesel oder Insekten.»

Der Lebensraum von Haselmaus, Siebenschläfer und Gartenschläfer ist in den vergangenen Jahren laut Briner stetig kleiner geworden. So bleiben zwischen den Feldern heute weniger Hecken stehen als früher, und auch das Gebüsch an Waldrändern ist nach und nach weniger geworden. «Das vereinfacht zwar die Bewirtschaftung der Felder und des Waldes, aber es geht Lebensraum für die Tiere verloren», so Briner.

Das Projekt «Heckengeister&Klettermeister» soll deshalb auch ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Schlafmäuse Strukturen und Lebensraum brauchen, wo sie nisten und ihren Nachwuchs aufziehen können. Briner hat bereits erste Bilder aus der Bevölkerung zugeschickt bekommen. Unter anderem ein Bild eines Siebenschläfers, der in einer Zwischenwand in einem Vereinsheim ein Nest gebaut hat. «Das finde ich ein tolles Beispiel dafür, wie man den Tieren ihren Raum lassen kann. Schlafmäuse machen nichts kaputt, und sie übertragen keine Krankheiten. Es braucht einfach eine gewisse Toleranz, um sie gewähren zu lassen.»

Neben Toleranz zeigen sei es auch möglich, bewusst und aktiv Platz für die Tiere zu schaffen. Etwa, indem man den Garten mit einheimischen Heckensorten bepflanzt und Hohlräume schafft, also alte Bäume stehen lässt oder Steinhaufen anlegt, erklärt Briner.

In den nächsten Wochen sind die Bedingungen laut dem Biologen ideal, um die Schlafmäuse zu beobachten. Die Tiere sind von April bis in den Oktober aktiv, die Wintermonate verbringen sie im Winterschlaf. «Wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen vermehrt Meldungen erhalten, weil sich die Tiere einen Unterschlupf suchen. Das machen sie häufig in Häusern oder Schuppen», erklärt Briner. Das Projektteam habe sich deswegen auch extra mit Imkern, Förstern, Ornithologen oder Winzern in Verbindung gesetzt, und sie für das Projekt sensibilisiert. «Diese Fachleute sind oft draussen unterwegs, die Chance ist gross, dass sie bei ihrer Arbeit auf eine Schlafmaus stossen.»

Besonders freuen würde sich Briner, wenn ihm ein Bild eines Gartenschläfers zugeschickt werden würde. Der letzte Gartenschläfer wurde im Kanton vor über 100 Jahren beobachtet, auch die letzte Beobachtung im Berner Jura liegt einige Jahre zurück.

Hinweis

Beobachtungen können über die Plattform solothurn.wildenachbarn.ch oder an heckengeister@solothurn.ch gemeldet werden.

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