Hirtenwort

Bischof Gmür: «Statt Trennung braucht die Kirche Versöhnung»

Bischof Felix Gmür: «Wir können die Reformation gemeinsam feiern.» Archiv

Bischof Felix Gmür: «Wir können die Reformation gemeinsam feiern.» Archiv

Die Reformation nahm vor 500 Jahren ihren Anfang. Die Schweizer Reformierten feiern. «Und wir Katholiken? Sollen wir auch mitfeiern?», fragt Bischof Felix Gmür in seinem Hirtenwort.

Diese Fragen stellten sich, weil die Reformation schliesslich zu einer Kirchenspaltung geführt habe, welche bis heute nicht überwunden sei, schreibt der Bischof von Basel, Felix Gmür, in seinem Hirtenwort. Was in der Vergangenheit geschehen sei, könne nicht mehr rückgängig gemacht werden. Mehrere Kirchenspaltungen seien geschehen. Müsse man deren negative Folgen nun einfach akzeptieren? Gmür: Nein, im Gegenteil. Statt Trennung braucht die Kirche Versöhnung, statt Spaltung Einheit.» Das sei aber eine grosse Herausforderung. Sie anzunehmen, mache uns in der Nachfolge Jesu Christi glaubwürdig.

Natürlich könnten die bestehenden Unterschiede zwischen den Konfessionen nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden. «Doch ebenso wenig hilft es, die Unterschiede zu zementieren und sie gegenseitig und freundschaftlich anzuerkennen und dann zu meinen, das sei nun schon Einheit.» Was Einheit meine, bedürfe einer Klärung. Damit werde auch das Ziel der Ökumene deutlicher. «Ein entscheidendes Moment ist für mich die Verständigung im Glauben.»

Der Reformator Martin Luther sei sich sicher, dass es der Glaube allein sei, der rette. Zum Glauben gehöre indes dasselbe und für alle verbindliche Bekenntnis. Zum Glaubensbekenntnis gehöre auch das Bekenntnis zur Kirche als Leib Christi. Das äussere sich in sichtbarer Gestalt: sichtbar im Glaubensbekenntnis, sichtbar im sakramentalen Feiern, sichtbar im karitativen Handeln, sichtbar in den kirchlichen Ämtern und Strukturen.

«Viel zu gut arrangiert»

Manchmal habe er den Eindruck, dass «wir uns mit unseren Verschiedenheiten gut, viel zu gut arrangiert haben». Die Regel sei das wohlwollende Nebeneinander. «Wir richten uns gut ein und nennen das Resultat Vielfalt, Pluralität, Mannigfaltigkeit, bunte Kirchen. Doch wir drohen in der Vielheit zu verharren und uns dabei zu verlieren.»

In den Verschiedenheiten verständige man sich gut, doch die versöhnte Einheit fehle. Es bedürfe der Integration der Vielfalt in der einen Kirche. «Einheit schränkt nicht ein, sondern sie bereichert, weil erst in der Einheit die Vielfalt richtig zum Tragen kommt.» Der Weg dazu verlange nach einem Ringen, welches sich lohne.

Für gemeinschaftliches Handeln

Was heisst das nun für Katholikinnen und Katholiken? Gott habe allen die Freiheit gegeben, den Verlauf der Geschichte mitzuprägen, so Gmür weiter. «Wir alle sollen und können den Weg, den die Kirche geht, aktiv mitgestalten – verantwortungsbewusst statt gleichgültig.» Jedem Einzelnen dürfe es nicht egal sein, wenn Christen miteinander im Streit lägen, wenn verschiedene christliche Gemeinschaften voneinander getrennt beteten und sich von Mitschwestern und Mitbrüdern abgrenzten, die einer anderen Konfession angehörten.

«Und erst recht darf es uns nicht egal sein, wenn bis heute Christinnen und Christen in vielen Ländern verfolgt werden.» Die Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Handeln aller sei der erste Schritt, um Differenzen zu überwinden. «Ob kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Freiwillige: Wir alle können uns für konfessionsübergreifende Anlässe und Projekte engagieren.»

Ein gutes Beispiel dafür sei das Taizégebet. Im gemeinsamen Lobpreis Gottes werde unsere gemeinsame Mitte spürbar. Es ist Jesus Christus, der uns alle verbindet.» Ende Jahr wird in Basel das europäische Jugendtreffen von Taizé stattfinden. Junge Christinnen und Christen aus verschiedenen Konfessionen werden gemeinsam beten. An solchen Anlässen werde besonders spürbar, dass «wir auf vielen Wegen gemeinsam unterwegs sind». Auch die gemeinsame Arbeit von christlichen Hilfswerken weise vorbildlich in diese Richtung. «Fastenopfer» und «Brot für alle» legten dazu seit Jahrzehnten ein glaubwürdiges Zeugnis ab.

«Wir glauben zusammen»

Wie gedenken Katholikinnen und Katholiken nun der Reformation? «Wir danken für den neuen Anstoss, dass Christus allein unser Heil bedeutet, für die mannigfachen Glaubenszeugnisse reformierter Christinnen und Christen.» Man gedenke der Reformation, indem man gemeinsam für Einheit wirke. «Wir glauben und bekennen zusammen. Wir leiden auch zusammen, weil noch nicht alles möglich ist. Und vor allem beten wir miteinander.» Beten sei das Feiern von Gottes Barmherzigkeit. Gmürs Fazit: «In dieser Perspektive können, ja sollen wir tatsächlich gemeinsam feiern.»

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