Pfarrei-Initiative

Bischof Gmür: «Mich interessieren Motivation und Gründe der Leute»

Zwei Schattierungen: Bischof Felix Gmür.

Zwei Schattierungen: Bischof Felix Gmür.

Eine Pfarrei-Initiative fordert, dass die katholische Kirche unter anderem Frauen predigen lässt. Bischof Felix Gmür reagiert nun in einem Brief auf die Reformanliegen aus seinem Bistum. Er will sich mit den Unterzeichneten treffen.

Sie wollen Geschiedenen die Kommunion erteilen und die Rolle der Frau in der Kirche stärken. Sie setzen sich dafür ein, dass Homosexuelle mit allen Rechten und Pflichten zur Kirche gehören. 25 Solothurner Katechetinnen, Gemeindeleiter, Seelsorger und Priester haben letzten September die Pfarrei-Initiative unterzeichnet – 159 sind es im ganzen Bistum Basel. Am Montag haben sie Post von ihrem Chef erhalten. Bischof Felix Gmür stellt in einem Brief klar: «Ich lehne die Forderungen in solch undifferenzierter Weise ab.» Er macht deutlich: «Sie und ich wissen, dass die Entscheidungskompetenz für Veränderungen nicht in Ihren und nicht in meinen Händen liegt.»

Es ist ein Brief, der zwei Seiten hat: Da ist auf der einen Seite die Dialogbereitschaft des Bischofs. An fünf Halbtagen lädt Gmür die Unterzeichnenden im März und April zum Gespräch nach Solothurn ein. «Mich interessiert, was die Motivation und die Gründe der Leute sind», so Gmür im Gespräch mit dieser Zeitung.

Auf der anderen Seite wird Gmür unverhohlen deutlich: «Der Bischof versteht nicht, warum die Unterzeichnenden im Dienst der Kirche und mit seiner Beauftragung arbeiten, wenn sie doch selber bestimmen, welches pastorale Handeln das einzig richtige ist», schreibt Gmür. Mitarbeitende der Kirche hätten sich schliesslich verpflichtet, die Lehre und Disziplin der Kirche zu erfüllen. – Man kann Gmürs Brief durchaus als Massregelung von oben verstehen.

Karl-Heinz Scholz tut dies nicht. Der Gemeindeleiter in der Solothurner Pfarrei St. Niklaus stellt die Dialogbereitschaft des Bischofs in den Vordergrund. «Ich bin ziemlich überzeugt, dass der Bischof für unsere Anliegen Verständnis hat.» Dass der Brief auf zwei Arten gelesen werden kann, erstaunt Scholz nicht. Es liege in der Natur des Amtes, dass ein Bischof sowohl gegenüber Rom als auch gegenüber seinen Untergebenen Loyalität zeigen müsse. Er schätze es sehr, dass Gmür versuche, beiden Seiten gerecht zu werden.

Viele Unzufriedene

Auch der ehemalige Zuchwiler Diakon Paul Bühler hat die Pfarrei-Initiative unterzeichnet. Und auch er reagiert positiv auf den Brief aus dem bischöflichen Ordinariat. Er habe schliesslich nicht erwartet, dass die Anliegen der Pfarrei-Initiative von heute auf morgen umgesetzt werden, sagt Bühler. Er freue sich jedoch, dass die Initiative einen Denkanstoss gegeben habe.

Nicht jeder Unterzeichnende äussert sich jedoch freimütig zum bischöflichen Schreiben. Es gehe schliesslich um seine Existenz, begründet einer die Vorsicht. In den letzten zehn Jahren sei es schwieriger geworden, innerhalb der Kirche Kritik zu äussern.

Gewissenskonflikte

482 Seelsorgerinnen und Seelsorgern und über 740 Sympathisanten haben die Pfarrei-Initiative schweizweit unterzeichnet. Sie machen auf das Auseinanderdriften zwischen der kirchlichen Lehre und der Arbeit an der Basis aufmerksam. In gewissen Fällen sei der Ungehorsam zur Regel geworden, so die Unterzeichnenden. «Es ist schon immer eine Sache seelsorglicher Notwendigkeit gewesen, von Zeit zu Zeit das geregelte Denken des kirchlichen Gesetzes schweigen zu lassen und jetzt und hier mit einem liebevollen Herz zu antworten», sagt Karl-Heinz Scholz. In seinem Alltag sieht sich der Diakon der Pfarrei St. Niklaus oft in einem Gewissenskonflikt. Auf der einen Seite habe er die theologische Lehre der Kirche, auf der anderen Seite das konkrete Leben, das manchmal eben aus dem gewohnten Rahmen falle.

«Ich merke, dass viele Leute nicht zufrieden sind, das muss man thematisieren», sagt Gmür selbst. «Viele, so scheint es, sind enttäuschter Erwartungen überdrüssig.» In gewissen Fällen sieht er durchaus die Möglichkeit, aus Gewissensgründen gegen die kirchlichen Regeln zu handeln. Während es für die Unterzeichnenden Alltag ist, muss es für Gmür bei Ausnahmen bleiben: «Es geht um Ausnahmen und nicht darum, die Ausnahme zur Regel zu machen.»

Unterschrieben hat die Initiative auch der Balsthaler Pfarrer Toni Bucher. Für ihn steht die Zukunft der Kirche im Mittelpunkt. «Es geht darum, das Feuer aufrechtzuerhalten und nicht Asche zu verwalten.»

Meistgesehen

Artboard 1