Und dies wird wohl noch einige Monate so bleiben: Erst für 2015 rechnet das Bistum Basel mit einer Besetzung der Stelle, wie die Diözese auf Anfrage erklärt.

Anspruchsvolle Suche

«Die Nachfolgeregelung für einen residierenden Domherrn ist immer anspruchsvoll, weil der residierende Domherr gemäss Konkordat ein unmittelbarer Mitarbeiter des Bischofs sein wird», begründet Bistumssprecherin Adrienne Suvada das lange Auswahlprozedere. Unbesetzt könne die Stelle aber nicht bleiben. «Die Vakanz macht spürbar, wie nötig die Wiederbesetzung ist.»

Die Domherren sind Bindeglied zwischen dem entsendenden Kanton und dem Bistum. Hauptaufgabe der residierenden Domherren ist die Unterstützung des Bischofs bei Leitungsaufgaben. Das Domkapitel der Diözese Basel besteht aus sechs residierenden Domherren (darunter drei Solothurner Sitze) sowie aus zwölf nicht residierenden Domherren. Neben Solothurn verfügen nur die Kantone Aargau, Bern und Luzern über drei Domherren im Kapitel. Sie entsenden jeweils aber nur einen residierenden Domherrn.

Kein Kandidat abgelehnt

Mit der Regierung des Kantons Solothurn seien «konstruktive Gespräche im Gang», erklärt Bistumssprecherin Suvada. Denn gemäss Konkordat ernennt eigentlich die Solothurner Regierung «ihre« Domherren, auch wenn die Auswahl dem Bischof überlassen wird. Es gebe keine Probleme, betont Bistumssprecherin Suvada angesprochen auf das aussergewöhnlich lange Auswahlverfahren. Kandidaten etwa, die von einer der beiden Seiten – Kanton oder Bistum – abgelehnt worden wären, gebe es nicht.

Beim Kanton reagiert man gelassen auf das Fehlen eines Solothurner Domherrn. Schliesslich gehe es um einen Mitarbeiter des Bischofs, den dieser auswählen soll, so Dieter Altenburger, Leiter Kirchenwesen im Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Solothurn.

Konsequenzen habe die Vakanz für den Kanton Solothurn nicht, heisst es beim Bistum auf Anfrage. «Der Kanton hat immer noch doppelt so viele Vertreter im Domkapitel wie die Kantone Jura, Basel-Stadt, Baselland, Schaffhausen, Thurgau und Zug.»

Wichtig für die Bischofswahl

Nur in einem Fall hätte die Vakanz indirekt auch Nachteile für den Kanton: wenn es zu einer Bischofswahl käme. Das Domkapitel wählt nämlich den Bischof von Basel in Eigenregie, was weltweit quasi einzigartig ist. In der Regel ernennt der Papst die Bischöfe. Bevor das Domkapitel aber zur Bischofswahl schreitet, legt es den Vertretern der Kantone eine Sechserliste vor, auf der die Kantone bei ernsthaften Bedenken Vertreter als «ihnen minder genehm» bezeichnen könnten. Im Moment sei eine Bischofswahl ja nicht aktuell, beruhigt Dieter Altenburger vom Kanton. «Wir haben einen jungen Bischof.»

Sobald sich nun Bischof Felix Gmür für einen Nachfolger von Domherr Paul Rutz entschieden hat, wird der Solothurner Regierungsrat diesen offiziell anstellen. – Er ist dann auch für dessen Besoldung zuständig.