Kann die Solothurner CVP bei den eidgenössischen Wahlen vom Oktober ihre drei Mandate in der Bundesversammlung verteidigen? – Vor vier Jahren schaffte die CVP das Kunststück, mit einem Wähleranteil von 17,9 Prozent (Nationalratswahlen 2011) 33,3 Prozent der eidgenössischen Mandate Solothurns zu gewinnen. Weil der Kanton diesmal nur noch sechs Nationalräte zu wählen hat, würden die drei Sitze vom Herbst an sogar 37,5 Prozent der Solothurner Vertretung in Bern entsprechen.

Zwei Waffen machten 2011 den Unterschied zugunsten der CVP: Erstens die Listenverbindungen (damals mit GLP und EVP), zweitens der Faktor «Pirmin Bischof»: Der Ständeratskandidat der CVP kandidierte als damaliger Nationalrat gleichzeitig auf einer der Nationalratslisten und erzielte allein 22,8 Prozent (!) der Stimmen aller 27 CVP-Kandidaten auf 4 Listen.

Zittern um die GLP-Stimmen

Von diesen zwei Waffen der CVP ist die eine für den Herbst 2015 noch unsicher, während die andere sicher nicht mehr in dieser Form zur Verfügung steht. In Sachen Listenverbindungen war an der Nominationsversammlung vom Dienstag nichts Neues zu erfahren: Hier wartet die CVP nach wie vor auf den Abschluss einer Vereinbarung mit ihren bevorzugten Partnern BDP, EVP und GLP. Vor allem Letztere ziert sich noch. Die Frist für die Meldung von Listenverbindungen läuft gleichzeitig mit derjenigen für die Eingabe der Listen ab, am 10. August.

Pirmin Bischof steht der Partei diesmal wieder als Ständeratskandidat zur Verfügung, aber nicht mehr auf der Nationalratsliste. «Als amtierender Ständerat quasi zum Schein auch für den Nationalrat kandidieren – das würden die Solothurner nicht akzeptieren», meinte Bischof am Rand der Versammlung gegenüber dieser Zeitung. Diese Meinung teile auch SP-Ständerat Roberto Zanetti, der sich in der gleichen Situation befindet. Somit wird der «Bischof-Bonus» der CVP beim Nationalratswahlergebnis fehlen.

Musikstil-Vielfalt auf den Listen

Bleiben die klassischen Rezepte für den Wahlerfolg: Listen mit bekannten Köpfen, die ein breites Spektrum von Wählerinnen und Wählern ansprechen; Themen, die den Nerv der eigenen Wählerschaft treffen; und ein auffälliger Wahlkampf. Die am Dienstag nominierten zwei Stammlisten (wir berichteten) dürften den Erwartungen an die CVP entsprechen. Die Selbstvorstellung der zwölf Kandidierenden anhand selbst gewählter Musikstücke – von «s Ramseiers wei go grase» oder einem Jodellied von Adolf Stähli über eine Puccini-Arie bis zu «Krokus» – wirkte vielfältig, was vergessen liess, dass eine echte Überraschungskandidatur ebenso fehlt wie etwa der hemdsärmlige Gewerbler, der sich in Sprache und Habitus von den Politikern abhebt.

Die CVP rechnet damit, dass viele Köpfe viele Stimmen bringen: Die Junge CVP hat bereits zwei Listen öffentlich präsentiert, für Mai wurde noch eine Liste CVP 60 plus angekündigt.

Die Rolle, die thematischen Schwerpunkte zu setzen, erfüllt Ständerat Pirmin Bischof souverän. Die Schweiz müsse sowohl Arbeitsplatzstandort als auch «Familienstandort» sein; in Sachen Familienfreundlichkeit und -förderung sei die Schweiz zum Teil noch Entwicklungsland. Um der «gefährlichen Deindustrialisierung» zu begegnen, brauche die Schweiz offene Grenzen, um Handel zu betreiben. Die Aufgabe der CVP sieht Bischof im Brückenbauen zwischen den Parteien: «Konkordanz und Kompromiss sind Quadersteine unserer Gesellschaft.»

In den Kurzstatements der 12 Nationalratskandidaten fiel besonders oft das Bekenntnis zur Unterstützung der Energiewende, die stark mit dem Namen von Bundesrätin Leuthard, aber auch von Nationalrat Stefan Müller verbunden ist.