Birnel
Birnel: Konkurrenz für das «Frühstückschnitteli»

Birnel ist die etwas andere Variante des traditionellen Butterbrotes. Im Kanton Solothurn gibt es statt Konfitüre oder Honig Birnel. Dieses Jahr, nach der Ernte der Mostbirnen, startet die Winterhilfe wieder ihre Birnel-Aktion.

Carla Stampfli
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Birnel? Birnendicksaft wird auch Birnel genannt und ist ein feiner und dickflüssiger Saft, der aus Schweizer Mostbirnen hergestellt wird. Theilers-, Furrer-, Wasser-, Hofrats- und andere Mostbirnen werden gepresst, der entstandene Saft geklärt, filtriert, entsäuert und konzentriert. Das Resultat ist ein hochkonzentrierter Birnenextrakt mit wertvollen Nährstoffen. Der an Karamell erinnernde, süsse Geschmack ist nicht nur bei Kindern beliebt. Dank dem hochwertigen Fruchtzucker ist Birnel ein idealer Kraftspender für Sportler und alle, die sich gesund ernähren wollen. Auch Diabetiker dürfen Birnel geniessen: 13 Gramm Birnel entsprechen einer Broteinheit.

1932 führte der Bund das neue Alkoholgesetz ein und stellte das Brennen von Obst unter seine Kontrolle. Ziel des Bundes war einerseits der Kampf gegen den Alkoholismus, anderseits die Abgabe von Lebensmitteln an Bedürftige. Aus den Mostbirnen wurde also nicht mehr Schnaps gebrannt, sondern Birnel gewonnen. Was früher «Birähung» – der Honig der Bedürftigen – war, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem kostbaren Naturprodukt. Ganze zehn Kilogramm Mostbirnen braucht es nämlich, um ein Kilogramm Birnel herzustellen. Kein Wunder, stecken wertvolle Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, Magnesium, Kalzium und Mangan in diesem Naturprodukt. Birnel schmeckt nicht nur auf dem Butterbrot, sondern eignet sich auch als Zuckerersatz zum Süssen von Birchermüesli, Guetzli, Kompott, Kuchen, Wähen, Getränken und weiteren gluschtigen Rezepten.

Die Hochstamm-Obstbäume, an denen die Mostbirnen heranreifen, sind heute auch ein wichtiger Nistplatz für bedrohte Vogelarten. Für die Landwirtschaft sind die Hochstamm-Obstbäume aber wenig rentabel und oft werden alte Bäume nicht ersetzt. So stehen derzeit nur noch 2 Millionen Hochstamm-Obstbäume auf unseren Äckern und Wiesen. Im Jahr 1951 waren es noch 14 Millionen. Die Birnelproduktion sichert aber den Bestand von Hochstamm-Obstbäumen und trägt damit zur Erhaltung unserer Vogelwelt bei.

Auch dieses Jahr, nach der Ernte der Mostbirnen, startet die Winterhilfe in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Vogelschutz SVS ihre Birnel-Aktion. Erhältlich ist der Winterhilfe-Birnel in 250-Gramm-Dispensern, in 1-Kilo-Gläsern und in Kesseln zu 5 und 121⁄2 Kilo. Der Erlös des Winterhilfe-Birnels wird von der Winterhilfe zur Bekämpfung der Armut in der Schweiz verwendet.

Im Kanton Solothurn kann der Winterhilfe-Birnel bei rund 15 Gemeindeverwaltungen bestellt und abgeholt werden. Bei der Gemeinde Messen, die zusammen mit Derendingen die Birnel-Aktion der Winterhilfe durchführt, sind bislang 20 Bestellungen eingegangen. Bei der Gemeinde Derendingen, die vor drei Wochen die Birnel-Aktion gestartet hat, sind es über 30. «Vor allem bei Familien ist Birnel beliebt», sagt Lore Däppen von der Gemeindeverwaltung Messen. Birnel ist ideal zum Backen, als Brotaufstrich oder im Tee. Bestellschluss für den Winterhilfe-Birnel ist je nach Gemeinde unterschiedlich. Ganzjährige Verkaufsstellen sind auf der Homepage der Winterhilfe (www.winterhilfe.ch) ersichtlich.