Neuansiedlung

Biogen-Gerüchte über Verkauf in Luterbach – Firma hält dagegen

Diverse Ansichten von der Biogen-Baustelle in Luterbach im September 2017

Rundgang Biogen-Baustelle.

Diverse Ansichten von der Biogen-Baustelle in Luterbach im September 2017

Kurz bevor die neue Produktionsstätte des Biotechkonzerns Biogen in Luterbach hochgefahren wird, ist in Wirtschaftskreisen von Verkaufsplänen die Rede. Die Firma erklärt sich - und dementiert die Gerüchte derzeit.

Sie halten sich seit Wochen. Und waren bisher nicht aus der Welt zu schaffen. Die Gerüchte, dass die US-Firma Biogen in Luterbach ihre rund 1 Milliarden Franken teure biopharmazeutische Anlage zwar wie geplant fertigstellt, in der Folge aber verkauft. Befeuert wurden die Gerüchte durch zwei Entwicklungen: Erstens wurde im März bekannt, dass Fujifilm mit Biogen eine Vereinbarung über die Veräusserung des Biologica-Standorts bei Kopenhagen abgeschlossen hat. Zweitens verlor Biogen nach der Einstellung der Phase-III-Studien für ein neues Alzheimer-Medikament fast 30 Prozent des Börsenwerts – die Aktie hat sich seither nicht erholt.

Dennoch: Der Verkauf der Produktionsstätte Luterbach, einem gigantischen Bau mit 600 Arbeitsplätzen im Endausbau, wäre ein Schock für den Wirtschaftsstandort. Es ist denn auch anzunehmen, dass eine Anfrage der FDP-Kantonsräte Markus Spielmann und Peter Hodel in der September-Session auf die Biogen-Gerüchte abzielt.

Die beiden Parlamentarier erwähnen Biogen zwar nicht, wollen von der Regierung aber wissen, wie es sich mit der Ansiedlung, Bestandespflege und Abwanderung von Unternehmen verhält. Konkret heisst es in der Anfrage: «Aus verschiedenen Quellen wurden in letzter Zeit mehr oder weniger deutliche Anzeichen für Abwanderungsgelüste publik. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob solche Befürchtungen begründet sind.» Und, wenn ja, ob die Regierung dies erkannt habe und ob Massnahmen ergriffen würden.

Wochenlanges Warten auf Antworten

Diese Zeitung hat Biogen vor gut drei Wochen erstmals mit den in Solothurner Wirtschaftskreisen kursierenden Gerüchten konfrontiert. Und dann lange nichts gehört. Mitte Woche hätte ein Telefongespräch mit Michael Pohlscheidt, Werkleiter der Anlage in Luterbach, stattfinden sollen. Doch der Termin wurde kurzfristig abgesagt. Stattdessen lieferte eine Kommunikationsagentur Antworten.

Zur Frage des Produktionsstarts: «Biogen ist optimistisch, dass Ende 2019 die ersten Produktionsansätze beginnen können und 2020 die Produktion in der Mehrproduktanlage starten kann. Das Zulassungsverfahren mit Swissmedic läuft. Absolute Sicherheit gibt es aber erst nach dem Entscheid.»

"Wichtiger Bestandteil von Biogen"

Zur Frage, ob das Unternehmen die Anlage allein und für seine eigenen Produkte nutzen wird: «Biogen hat immer kommuniziert, dass die neue Anlage für die Produktion verschiedener Biopharmazeutika ausgelegt wird. Nach Produktionsaufnahme kann Biogen dazu mehr Informationen geben.»

Zur Frage, ob ein Verkauf ein Thema ist oder Modelle der Zusammenarbeit mit anderen Firmen geplant sind: «Der Standort Luterbach ist ein wichtiger Bestandteil des weltweiten Produktionsnetzwerks von Biogen, um die Versorgungssicherheit mit bestehenden und neuen Produkten zu gewährleisten.»

Zur Frage, ob das das Unternehmen mit dem Regierungsrat in der Sache im Kontakt steht: «Biogen pflegt seit vielen Jahren einen vertrauensvollen und offenen Informationsaustausch mit der Politik und den Behörden des Kantons Solothurn. Regelmässig finden persönliche Gespräche statt, auch mit Mitgliedern des Regierungsrats. In diesen Gesprächen werden alle relevanten Themen besprochen.»

Regierung hat Kontakt mit Firma

Wie reagiert der Kanton, dem Mitte 2015 mit der Ansiedlung von Biogen ein eigentlicher Coup gelungen war, auf die Luterbach-Gerüchte? Der Departementssekretär von Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss, Peter Studer, sagt auf Anfrage: «Das Amt für Wirtschaft und Arbeit hat über verschiedene Personen regelmässig Kontakt mit Biogen. Dabei wurden auch die an uns herangetragenen Verkaufsgerüchte thematisiert.» Seitens Biogen sei dabei «glaubhaft versichert» worden, «dass dem zumindest zur Zeit nicht so ist und dass auf der Anlage in Luterbach in absehbarer Zeit produziert wird.»

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Autor

Balz Bruder

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