Luterbach

Biogen erhöht Chancen für Neuansiedlungen

Die Neunutzung des Borregaard-Fabrikareals nördlich der Aare soll durch die Biogen-Ansiedlung beflügelt werden. Archiv/BAR

Die Neunutzung des Borregaard-Fabrikareals nördlich der Aare soll durch die Biogen-Ansiedlung beflügelt werden. Archiv/BAR

Durch die Ansiedlung von Biogen wird das Image vom Jurasüdfuss in Richtung Hightechzone verbessert, was Chancen für weitere Ansiedlungen eröffnet. Das Projekt soll zudem Arbeitsplätze schaffen und den regionalen Arbeitsmarkt stärken.

Die Ansiedlung des Biotechunternehmens Biogen auf dem Areal der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard in Luterbach weckt Hoffnungen: «Die in Aussicht gestellte Schaffung von 400 neuen Arbeitsplätzen wird sich generell positiv auf den regionalen Arbeitsmarkt auswirken», sagt Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Er ist überzeugt, dass nicht nur Akademiker oder höchst qualifizierte Berufsleute gesucht werden. Es werde für den Betrieb und den Unterhalt der Anlagen auch «normale» Arbeitskräfte benötigen.

Von einer Mischung aus hoch qualifizierten Fachleuten und gut ausgebildeten Berufskräften spricht Natascha Schill, Geschäftsführerin von Biogen Switzerland AG, im Interview. «Es wird neue Arbeitsplätze im Betrieb der Anlage, in Labors, in der Verwaltung und in der Logistik geben.»

Motschi bricht aber nicht in Euphorie aus und bleibt realistisch. Er hofft zumindest, dass dannzumal – also ab Betriebsaufnahme 2019 – Stellensuchende platziert werden können. Der Kanton werde, wenn gewünscht, jedenfalls Unterstützung für Stellenanbieter wie Stellensuchende leisten. Wie viele der 400 Stellen durch Bewerber aus der Grossregion Solothurn besetzt werden können, sei völlig offen. Unter den neuen Mitarbeitenden werde es sicherlich auch Zuzüger aus anderen Regionen und aus dem Ausland haben. «Das wird abhängig sein von den entsprechenden Anforderungsprofilen.» Zudem sei noch unklar, wie die Masseneinwanderungsinitiative umgesetzt werde.

Signal für weitere Ansiedlungen?

Die Ansiedlung von Biogen stelle aber so oder so einen Imagegewinn für die Region am Jurasüdfuss dar. Neben den Medtechfirmen DePuy Synthes, Stryker oder Mathys werde mit den geplanten Neuansiedlungen von Biotechfirmen wie Biogen in Luterbach und CSL Behring in Lengnau der Life Science-Sektor insgesamt gestärkt. «Die Signalwirkung erhöht die Chancen, dass weitere Firmen sich im Grossraum ansiedeln, sei es direkt im Sektor tätige Firmen oder Zulieferer.»

Ähnlich kommentiert Thomas Cueni, Generalsekretär des Branchenverbandes Interpharma, den Ansiedlungsentscheid. «Es ist ein klares Zeichen für die Attraktivität des Standortes Schweiz und die wachsende Bedeutung der Pharmabranche für den hiesigen Forschungs- und Werkplatz.» Biogen stehe in einer Reihe von bereits getätigten oder angekündigten Investitionen von Pharmafirmen in der Schweiz.

Unter anderem investiere Roche in Kaiseraugst eine halbe Milliarde Franken, in Bulle FR habe die belgische Pharmafirma UCB für rund 300 Millionen Franken eine Biotech-Produktionsanlage gebaut, der US-Konzern Merck Sharp & Drohme habe 50 Millionen Franken in den Standort im Entlebuch investiert oder das US-Unternehmen Celgene habe den Bau einer neuen Produktionsstätte im Val de Travers angekündigt, listet Interpharma auf.

«Kette von Medizinalfirmen»

Die Standortwahl Luterbach spreche auch für die Weitsicht von Biogen, hält die SVP Kanton Solothurn fest. «Das Biotech-Unternehmen passt hervorragend zur Kette von Medizinalunternehmen entlang des Jurasüdfusses.» Die Ansiedlung sei ein «Lehrplätz» für Behörden und Politik. Es gelte, die grossen Stärken Solothurns wie zentrale Lage zwischen den Grossstädten, die gute Verkehrsanbindung und die Flexibilität im Standortwettbewerb auszuspielen.

Auch die SP des Kantons Solothurn ortet hinter der Ansiedlung die Aussicht auf mehr Arbeitsplätze. «Es besteht die Hoffnung, dass auch das Gewerbe sowie Zulieferer in der Region davon profitieren werden.». Eine aktive Wirtschafts- und Ansiedlungspolitik sowie eine sinnvolle Raumplanung lohne sich langfristig, schreibt die Partei in einer Medienmitteilung.

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