Wahlen 2013
Bio bodenständig blond: Mit diesem Slogan wollen die Grünen in den Regierungsrat

Die Grünen Kanton Solothurn starten ihren Regierungsratswahlkampf – mit einem unerwarteten Slogan. Regierungsratskandidatin Brigit Wyss wird als Bio Bodenständig blond präsentiert.

Christian von Arx
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Plakat und Original: Regierungsratskandidatin Brigit Wyss (Grüne) am Donnerstag vor den Medien.

Plakat und Original: Regierungsratskandidatin Brigit Wyss (Grüne) am Donnerstag vor den Medien.

Bruno Kissling

Das hätte man von den Grünen zuletzt erwartet: Dass sie ihre Regierungsratskandidatin Brigit Wyss in einem Wahlslogan als «blond» präsentieren. Wo doch die Grünen unter anderem in der Frauenbewegung wurzeln, die sich seit Jahrzehnten mit Erfolg dagegen gewehrt hat, dass Politikerinnen auf Äusserlichkeiten wie etwa die Haarfarbe reduziert werden. Geht das auf?

«Dieser Slogan ist mit einem Augenzwinkern zu nehmen, er ist zum Schmunzeln», so Wyss. «Ich bin gespannt, welche Blondinenwitze ich zu hören bekommen.» Sie habe Ja gesagt zu «Bio Bodenständig Blond» und zeige damit, dass sie darüber stehe. Und: «Ich will erreichen, dass die Leute meinen Wahlprospekt länger anschauen.»

«Zweite Frau in der Regierung»

Sicher ist: Mit ihrer Kandidatur ist es Brigit Wyss ernst. «Ich würde sehr gerne als zweite Frau in der Solothurner Regierung mitwirken», erklärte sie gestern. Und: «Die Chance für einen grünen Regierungsratssitz im Kanton Solothurn sind so gut wie noch nie.» Die Grünen hätten Umweltthemen in der Schweiz salonfähig gemacht.

Mit der 52-jährigen Brigit Wyss haben die Grünen eine Kandidatin, die auf Erfahrungen zurückblicken kann, die sie von andern Kandidaten unterscheiden. Ihre Eltern hatten einen kleinen Bauernbetrieb in Lüsslingen (Bucheggberg). Die Tochter sollte nach der Bezirksschule einen typischen Frauenberuf lernen, stierte es aber durch, eine Schreinerlehre bei Hans Zaugg in Derendingen zu machen. «Es war eine Trotzreaktion, so wie ich auch Traktor fahren wollte und nicht nur den Rechen ziehen», meint sie rückblickend. Sie war die einzige Frau unter den Schreinerlehrlingen ihres Jahrgangs und schloss die Lehre mit Erfolg ab.

Später fasste sie die Ausbildung zur Bäuerin ins Auge, absolvierte den Winterkurs auf dem Wallierhof, entschied sich dann aber nach Einsätzen in einem Altersheim zu einer zweiten Lehre als Psychiatrieschwester in der kantonalen psychiatrischen Klinik Solothurn. Es folgte eine Phase als Mutter einer Pflegetochter und eines Sohnes. Erst danach holte sie auf dem zweiten Bildungsweg die eidgenössische Matur und schloss als 40-Jährige das Jus-Studium an der Uni Bern mit dem Lizentiat ab.

Seit 12 Jahren zur Arbeit nach Basel

Die juristische Ausbildung nutzt Brigit Wyss nun seit 12 Jahren in einem Teilzeitpensum (derzeit 60 Prozent) auf dem Zentralsekretariat von Pro Natura in Basel. Derzeit ist sie als Projektleiterin Umweltrecht für alle Rechtsfälle von Pro Natura in der Deutschschweiz zuständig. Innerhalb der Organisation sei sie zudem als Ombudsfrau tätig, bearbeite Fragen des Vertrags- und Arbeitsrechts und führe Verhandlungen.

«Dank der Teilzeitstelle bringe ich Beruf, Familie und Politik unter einen Hut», erklärte Wyss. Sie lebt in einer Partnerschaft, die beiden Kinder sind heute 25- und 23-jährig.

Von den «Grünen Milanen»

Vollzeit-Politikerin war Brigit Wyss bisher nie – aber grün und politisch aktiv seit früher Jugend. Mit 12 Jahren habe sie mit Kameraden in Lüsslingen die «Grünen Milane» gegründet, die sich etwa für umweltgerechtes Kompostieren einsetzten, erinnert sie sich. Die spätere Politkarriere ist bekannt: Gemeinderätin der Stadt Solothurn seit 10 Jahren (seit kurzem Ersatzmitglied in der Gemeinderatskommission), Kantonsrätin von 2005 bis 2007, Nationalrätin 2007 bis 2011, Bundesratskandidatin der Grünen 2010.

Und ab 2013 Regierungsrätin? Für dieses Ziel gaben die Grünen am Donnerstag den Startschuss. Ob von der Kampagne mehr als der Slogan bleibt, zeigt sich am 3. März oder am 14. April.