Lehrplan 21

Bildungssystem: Stärkung oder Zerstörung?

Diskutierten engagiert über Lehrplan 21 (v.l.): René Steiner, Yolanda Klaus, Daniel Hunziker, Adrian van der Floe.

Diskutierten engagiert über Lehrplan 21 (v.l.): René Steiner, Yolanda Klaus, Daniel Hunziker, Adrian van der Floe.

Am diesjährigen Behördenseminar der Oberstufe Wasseramt Ost stand die neue Ausrichtung in der Bildungslandschaft im Zentrum, der Lehrplan 21.

Verfehlt der Lehrplan 21 sein Ziel? Verdrängt kompetenzorientiertes Lernen die Wissensvermittlung? Und was geschieht bei Annahme der Initiative «Ja zu einer guten Volksschule ohne Lehrplan 21»?

Diese und weitere Fragen wurden am Samstag auf dem Podium am Behördenseminar der Oberstufe Wasseramt Ost diskutiert.

Vorher referierten Regierungsrat Remo Ankli, Kantonsrat René Steiner sowie Lehrer und Autor Daniel Hunziker, wobei Erstere ihre Argumente für und gegen den Lehrplan 21 ins Feld führten. Hunziker nahm als ausserkantonaler Gast keine Position zur Abstimmung ein, sondern veranschaulichte den Begriff «kompetenzorientiert».

Harmonisierung teilweise erreicht

Als Gegner des Lehrplans 21 befand sich René Steiner auf dem Podium in der Minderheit, seine Argumente regten die Diskussion aber zünftig an. So musste Yolanda Klaus (Departement für Bildung und Kultur, DBK) zugeben, dass die Harmonisierung im Bereich der ersten Fremdsprache gescheitert ist.

Vieles sei aber harmonisiert worden und deckungsgleiche Lehrpläne nie das Ziel gewesen. Adrian van der Floe (Verband der Schulleitenden) stützte diese Position und betonte, der Kanton Solothurn könne sich keinen Alleingang leisten.

Hunziker stimmte Steiner zu und warf dem DBK gar vor, bei der Umsetzung des Lehrplans zu wenig Verantwortung zu übernehmen. Konkret sprach er Verlage an, die auf Basis des Lehrplans 21 Lehrmittel erstellen und verkaufen.

Eine ungenügende Absprache hätten Lehrmittel mit unterschiedlichen Zielen und Schwerpunkten zur Folge, was die Harmonisierung untergräbt.

Was heisst «kompetenzorientiert»?

Der Begriff «kompetenzorientiert» ist im Lehrplan 21 zentral, laut Hunziker aber zu ungenau erklärt. Folglich ist der Begriff in aller Munde, wird aber von jedem anders verstanden, weshalb Hunziker den Begriff ausführlich erklärte.

So verfolge «kompetenzorientierter Unterricht» das Ziel, dass Schülerinnen und Schüler ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in neuen Situationen anwenden können. Das soll sie auf die Berufswelt vorbereiten, was der Sinn der Schule sei.

Anhand eines Beispiels veranschaulichte Hunziker das Prinzip und zeigte, wie wenig reines Fachwissen im Alltag nützt. So müssten Schüler, die im Lager für 24 Leute Älplermakkronen kochen, Wissen aus dem Unterricht anwenden, etwa Hohlmasse verstehen und Dreisatz rechnen.

Weiter plädierte Hunziker dagegen, immer alles messen und benoten zu wollen. «Teamfähigkeit ist nicht unterrichtbar», dennoch soll die Schule diese Kompetenz gemäss Lehrplan 21 vermitteln, weil die Arbeitswelt sie verlangt.

Die Lösung sei es, Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten zu geben, im Team zu arbeiten, Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen.

Steiner blieb dennoch kritisch. In seinem Referat hatte er auf Baden Württemberg verwiesen, wo die Kompetenzorientierung «kläglich gescheitert ist». Der Lehrplan 21 werde das erfolgreiche Bildungssystem zerstören, so seine Befürchtung.

Hunziker widersprach: Der Unterricht in Baden Württemberg habe nur wenig mit Kompetenzorientierung zu tun. Aber gerade die Berufsschule, die unser Bildungssystem so erfolgreich mache, funktioniere kompetenzorientiert.

Elternhaus ist mitentscheidend

Dass die Schule nicht alleine für die Erziehung der Kinder zuständig ist, rückte durch eine Frage aus dem Publikum ins Zentrum: «Was sollen die Eltern und die Gesellschaft leisten?» Eine konkrete Antwort fanden die Diskussionspartner nicht, man war sich aber schnell einig: Wer vom Elternhaus gefördert wird, hat grössere Chancen in der Schule.

Weniger Förderung durch die Eltern müsse die Volksschule ausgleichen, so Adrian van der Floe. Steiner befürchtete allerdings eine Verschärfung des Problems, weil der Lehrplan 21 weniger Anleitung durch den Lehrer und mehr Selbstständigkeit der Kinder vorsehe.

Weitere Voten aus dem Publikum sprachen sich dennoch für ein zwar nicht perfektes aber immerhin einheitlicheres System in Form des Lehrplans 21 aus.

So oder so hohe Kosten?

Auf die abschliessende Frage von Moderator Heinz Urben, was je nach Ausgang der Abstimmung passiere, kündigten alle Parteien hohe Kosten an. Klaus und van der Floe erklärten, dass bei einem Ja der Lehrplan 92 nachgebessert werden müsse, was Kosten in der Höhe von mindestens 600000 Franken generiere.

Steiner hingegen vertrat die Ansicht, dass der Lehrplan 21 nachgebessert werden müsse, da er sein Ziel verfehle und die Qualität des Unterrichts senke. «Diese Verbesserung wird teuer.»

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