Bilanz
Keine Öffnungsschritte: Die Pandemie bedeutet für die Schulleitungen im Kanton Dauereinsatz

Die neuen Virusvarianten machten Lockerungen im Schulbereich vor den Frühlingsferien unmöglich, seit Jahresbeginn wurden 63 Klassen im Kanton in Quarantäne geschickt. Der Leiter des Volksschulamts zieht Bilanz.

Rebekka Balzarini
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Die Masken gehören in vielen Schulen im Kanton dazu.

Die Masken gehören in vielen Schulen im Kanton dazu.

Bruno Kissling

In den Schulen im Kanton Solothurn ist das Coronavirus auch ein Jahr nach der generellen Schulschliessung ein Dauerthema. Umso mehr, nachdem mit dem Auftauchen von neuen, ansteckenden Virusvarianten wie der Variante B.1.1.7, auch mehr Fälle an den Schulen aufgetaucht sind. Einen Anstieg der positiv getesteten Fälle konnte man in der Schweiz laut Angaben des BAG in der Altersgruppe der 6- bis 12-Jährigen beobachten. Seit Ende März gelten für diese Altersgruppen deshalb die gleichen Testkriterien wie für die Erwachsenen.

Für die Solothurner Schulen bedeutet das Auftauchen der neuen Virusvarianten, dass die angedachten Öffnungsschritte nicht umgesetzt werden konnten. Das schreibt Andreas Walter, Leiter des Volksschulamtes. Verschärfungen seien aber keine notwendig gewesen. Die kantonale Regel, wonach Kinder ab der 5. Klasse im Unterricht eine Maske tragen müssen, hat sich laut ihm bewährt.

Vier Prozent aller Klassen mussten in Quarantäne geschickt werden

Im Jahr 2021 mussten im Kanton bisher 63 Klassen in Quarantäne geschickt werden, das entspricht 4 Prozent aller Schulklassen im Kanton. Eine Quarantäne wird vom kantonsärztlichen Dienst angeordnet. An 8 Schulen wurde in Ergänzung zur Quarantäne Fernunterricht für einzelne Stufen oder für ein ganzes Schulhaus angeordnet. Diese Kinder lernen dann zwar daheim, dürfen aber weiterhin draussen spielen. «Diese Massnahme dient primär dem Schulbetrieb eine ordentliche Unterrichtsstruktur bei gehäuften Isolations- oder Quarantänefällen für die Beteiligten sicherzustellen und den Druck zu entlasten», schreibt Walter. Bisher Anfang Woche mussten im Kanton zwei ganze Schulen für einige Tage in den Fernunterricht wechseln.

Wenn an einer Schule der Verdacht besteht, dass sich mehrere Kinder oder Lehrpersonen angesteckt haben könnten, dann wird an der Schule eine Ausbruchsuntersuchung durchgeführt. Sämtliche Kinder und Lehrpersonen können sich in diesem Rahmen mit einem PCR-Test testen lassen. Die Tests sind freiwillig, werden aber dringend empfohlen. Dafür kommt ein ambulantes Einsatzteam an den Schulen vorbei, das die Tests unter fachlicher Anleitung durchführt. Bisher wurden laut dem Volksschulamt 11 Ausbruchsuntersuchungen durchgeführt. 1500 Kinder und 330 Lehrpersonen wurden getestet, bei 10 Schülerinnen und Schülern war der Test positiv.

Zusammenarbeit mit den Schulleitungen als wichtiger Faktor

Die Schulen, das Volksschulamt und das Gesundheitsamt arbeiten seit Monaten intensiv zusammen, um die Situation an den Schulen zu beobachten und im Notfall reagieren zu können. «Die Zusammenarbeit mit den Schulen erfolgt auf Sicht und agil. Das ist auch erforderlich so. Denn wir bewältigen gemeinsam eine Krise, die sich stetig verändert», schreibt Walter. Ziel sei es, den Unterricht während der Pandemie sicherzustellen.

«Dieses Ziel fordert harte Knochenarbeit bezüglich Know-how, Wissenstransfer und Führung. Schulleitungen arbeiten weit über ihr Pensum hinaus, um die zusätzlichen Herausforderungen rund um Corona zu bewältigen.»

Die Schulen würden generell «souverän und unaufgeregt» mit der Situation umgehen, so Walter. «Das verdient hohe Anerkennung und Wertschätzung.»

Wichtig sind in dieser Zeit auch die Eltern. Zwar sind in Bezug auf die Eltern die Schulen im Lead, aber auch das Volksschulamt ist immer wieder in Kontakt mit Eltern von Kinder, die im Kanton die Schule besuchen. «Elternkontakte mit uns beinhalten oft Lob und Tadel zu den allgemeinen Schutzmassnahmen. Aber auch Umsetzungsfragen und individuelle Beratungsdienstleistungen», schreibt der Leiter des Volksschulamtes.

«Derzeit sind das Maskentragen und das Testen wichtige Themen. Kritisiert wird, dass die Schutzmassnahmen entweder zu wenig oder viel zu stark seien.»

Das Amt habe auch für emotionale Reaktionen Verständnis: «Die Belastungen der Eltern durch Berufstätigkeit, häufige Quarantänen und Homeoffice ist gross. Emotionale Reaktionen und Ängste sind in dieser Situation gut nachvollziehbar», so Walter.

«Viele Situationen können durch verständnisvolles Zuhören und durch eine einfühlsame Beratung entschärft, sowie Verunsicherungen und Ängste abgebaut werden. Viele der zu beratenden Eltern sind dankbar dafür, wenige bleiben auch nach dem Gespräch enttäuscht zurück.» Das Volksschulamt habe aber den Eindruck, dass viele Eltern mit dem eingeschlagenen Weg einverstanden seien und ihn mittragen würden.