Sinfonieorchester Biel-Solothurn

Big-Band Sound und Dreivierteltakt am Neujahrskonzert

Mit dem Neujahrskonzert rutschte das Sinfonieorchester Biel-Solothurn mit Publikum in sein 51. Jubiläums-Jahr.

Gershwin und Bernstein im Wechsel mit Walzer und Polkas von Strauss: Da versprachen bereits die Werktitel ein Feuerwerk zum Jahresanfang am Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Biel-Solothurn. Und das Mischen von Bigband-Sound mit Dreivierteltakt schlug denn auch Funken, liess das Publikum im Konzertsaal gestern mitwippen. Zumal das Sinfonieorchester Biel-Solothurn mit der Schnellpolka «Perpetuum Mobile» von Johann Strauss einen beschwingten Eintritt ins 51. Jahr seines Bestehens zelebrierte.

Stadtpräsident Kurt Fluri gratulierte nicht nur zu dieser musikalischen Reise von Wien nach New York, sondern auch zum konstant hohen Niveau der Produktionen des Theater Biel-Solothurn, seinem Intendanten Dieter Kaegi ‑ welcher ihm einen Dirigentenstab überreichte ‑ dem Ensemble und natürlich den Musikerinnen und Musikern für das erfolgreiche Wirken. Verbunden mit dem 2000-Jubiläum der Stadt Solothurn habe Kaegi die Oper «Casanova in der Schweiz » von Paul Burkhard ausgegraben, wusste Kurt Fluri, und weckte damit Vorfreude auf Solothurner Eskapaden des Verführers.

Vorerst jedoch umschmeichelte die Pizzicato-Polka die Ohren der Besucherinnen und Besucher. Johann Strauss Art des Verführens liess den Funken vom Orchester zum Publikum springen und frenetischen Applaus entfachen. Nicht ganz so schwerelos und brillant indessen geriet der Kaiser-Walzer.

Junge Cellistin mit Solo auf dem Podium

Stehen wie gestern Broadway-Hits auf dem Programm und mit Gastdirigent Jérôme Pillement ein echter Bernstein-Schüler am ersten Pult, so dürfen «Lennys» Evergreens nicht fehlen. In den von Jazz und Blues durchtränkten Werken betonte Pillement das swingende Element, gab präzise Einsätze und bot eine tänzerische Performance. Kein Zweifel, die leichte Muse liegt ihm. Mit Wonne animierte er bei Richard Rogers «Mélodie du bonheur » die Zuhörenden zum Mitsingen, liess sie summend einen Glücksmoment erleben. Ernst hingegen nahm der Maestro Gershwins Tondichtung « An American in Paris », ja geradezu sinfonisch ernst, legte Wert auf fein ausgesponnene Streicher und impressionistische Farben der Holzbläser.

Der flotte, tänzerische Charackter von Antonin Dvoraks «Rondo» in g-Moll op. 94 für Violoncello und Orchester passte ebenfalls vorzüglich ins Programm, zumal es melancholische Erinnerungen an die Amerikazeit des Komponisten verarbeitet. Zudem brachte es mit Sul Yoon eine vielversprechende junge Cellistin aufs Podium, die technisch nahezu makellos, mit viel Tiefe und Schmelz spielte.

Geglückte Reise von Wien an den Broadway

Mit dem Militärmarsch «Stars and stripes forever» von John Philipp Sousa huldigte die Reiseleitung dem Sternenbanner der USA und mit der Ouvertüre zu Bernstein «Wonderful town» wohl auch ein bisschen dem gastgebenden Solothurn. Mag es in den von Jazz und Blues durchtränkten amerikanischen Werken noch so rhythmisch feuern, mögen die Scheinwerfer am Broadway noch so schillern ‑ die wie Champagner moussierenden Melodien der Strauss-Dynastie können durchaus mithalten.

«Unter Donner und Blitz» von Johann Sohn wurde schliesslich auch noch elastisch und spannend musiziert, während die «Sphärenklänge » seines Bruders Josef nochmals das Walzersentiment aufschäumten.

Die Reise von Wien an den Broadway beglückte mit einer von Temperament, Musizierfreude und Melodienreichtum gesäumten Route und offenbarte, dass das Sinfonieorchester Biel Solothurn am Neujahrskonzert nicht mit Silvester-Restalkohol, sondern mit Rhythmus im Blut aufspielte.

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