Es ist nicht bloss der feine Honig allein, die das Leben der Bienen für uns Menschen so wichtig macht. Es sind vielmehr auch die Bienen, welche jeden Frühling durch das Bestäuben von über viertausend Kultur- und Wildpflanzen dafür besorgt sind, dass es im Sommer entsprechend gute Ernte gibt.

Stand vor fünf Jahrzehnten fast neben jedem zweiten Bauernhof noch ein Bienenhaus, so ist dies heute zu einer absoluten Rarität geworden. Ähnlich verhält es sich mit den Imkern. Der im Jahre 1887 gegründete Bienenverein Oberaargau zählte vor dem 2. Weltkrieg 500 Mitglieder. Heute sind es noch gut 150. Ein Imker in unserer Region mit durchschnittlich 12 Völkern wendet pro Jahr gegen 200 Stunden für sein aufwendiges Hobby auf.

Fachstelle Bienen

Vor fünf Jahren wurde im landwirtschaftlichen Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz die Fachstelle Bienen der Kantone Solothurn und beider Basel ins Leben gerufen. Deren Leiter ist der Baselbieter Marcel Strub, Lubsingen. Eine «Lehre» als Bienenzüchter gebe es leider nicht, sagt der ehemalige Verkaufsleiter.

Eine solche hätte er jedoch gerne absolviert. Bereits sein Vater war ein begeisterter Imker mit 15 Bienenvölkern. «Das faszinierte mich schon als kleiner Bub und ich musste oft für die Schulaufgaben im Bienenhaus gesucht werden», erinnert er sich heute: «Die Bienen sind für mich eine echte Passion, mit unglaublicher Befriedigung geworden.» So überrascht es nicht, dass Strub die Imkerei von seinem Vater übernommen, und weitergeführt hat.

Seit fünf Jahren betreut er nun auch noch den prächtigen Lehr-Bienenstand beim Wallierhof, am Südhang oberhalb von Riedholz. Daneben leitet Strub regelmässig Kurse, berät Landwirte und Forstwarte bei ihrer Arbeit.

Schon bei einem Rundgang Mitte April, zeigte sich Strub verwundert, dass man trotz des sonnigen und milden Frühlingstages nur relativ wenig Bienen fliegen sah. Ein Grund dafür seien wohl der relativ trockene Boden und die Bise, vermutete der Fachmann.

Bestäubung ist sehr wichtig

Wenn man Laien nach der wirtschaftlichen Bedeutung der Honigbienen fragt, wird von fast allen nur die Honigproduktion der Bienen erwähnt. Es sei vielen Zeitgenossen nicht bewusst, dass die Bestäubungsleistung der Bienen in Franken gemessen dreimal höher zu gewichten sei als der Honigertrag, unterstreicht Strub.

Ein Drittel der menschlichen Ernährung sei von der Bestäubung abhängig. Wenn man die Früchte- und Gemüseproduktion isoliert betrachtet, ist diese zu 80 Prozent von einer Bestäubung abhängig. Einige Faktoren, welche trotz des zeitweilig schönen und milden Frühlingswetters bisher nicht ideal verliefen, sei einerseits das doch sehr trockene Wetter in einigen Regionen. Dazu gehörten die Gebiete dem Jura entlang und der Bucheggberg, derweil es im Wasseramt und den Flüssen entlang kaum Problem gab.

Mehr als 4000 Kultur- und Wildpflanzen werden durch die Bienen im Frühling bestäubt. Wenn es wie diesen Frühling zu trocken ist, merken die Bienen dies schnell und fliegen weniger intensiv. Ein weiterer Grund sei auch die rasche Entwicklung der gesamten Vegetation, die Mitte April etwa zwei Wochen Vorsprung auf einen normalen Frühling hatte. Die Anzahl der Bienen pro Volk war zu dieser Zeit gemäss Strub einfach noch zu gering. Die Anzahl der Bienen pro Volk beträgt im Frühjahr 8000 bis 12'000, im Sommer 30'000 bis 50'000 Bienen.

Der durchschnittliche Honigertrag liegt nach allgemeinen Werten zwischen 15 und 20 Kilogramm pro Volk. Alle zehn Jahre darf von einem starken Volk mit zirka 40 Kilogramm gerechnet werden. Das bedingt, dass man drei bis fünf Mal pro Sommer schleudern kann. Ein sogenanntes «Jahrhundertjahr» gab es letztmals 1995, als ein starkes Volk bis zu 60 Kilogramm Honig in die Waben schleppte. Das geschah damals unter anderem in der Region Basel mit ihren zahlreichen Parkanlagen und vielen Löwenzahnwiesen und dank der Feuchtigkeit des Rheins.

Von Milbe und Technik bedroht

Seit rund 30 Jahren kennt man in der Schweiz die berüchtigte Varroamilbe. Auch gegen diese schlimme Plage leistet die Fachstelle am Wallierhof Beratung und Unterstützung für Imker, insbesondere aber für Landwirte. Leider hat sich die Hoffnung inzwischen bereits wieder zerschlagen, dass man der Varroamilbe, die als Parasit an Bienen lebt, langsam aber sicher Herr werden könne.

Eine Bedrohung für die Bienen stellen aber auch die Tücken der modernen, mechanisierten Landwirtschaft dar: Eine schnelle Mähmaschine, die mit 25 bis 30 Stundenkilometern und mit angehängter Quetschmaschine über die Wiesen braust, kann dabei vielen Bienen zum Verhängnis werden und dem Imker grossen Schaden. Wenn auf einem Quadratmeter blühender Wiese vier Bienen getötet werden, ergibt das je nach Mähfläche erschreckende Zahlen.