Theater
«Nichts geschenkt!»: Das TOBS zeigt die Geschichte der Schweizer Frauenrechte

Zum 50. Geburtstag des Frauenstimmrechts bringt Tobs, das Theater und Orchester Biel Solothurn, die Geschichte der Schweizer Frauenrechte auf die Bühne.

Fränzi Zwahlen
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«Nichts geschenkt! - Eine kurze Geschichte der Frauenrechte in der Schweiz». Eine der ersten emanzipierten Frauen war Germain de Staël (im Sessel sitzend) dargestellt von Silke Geertz.

«Nichts geschenkt! - Eine kurze Geschichte der Frauenrechte in der Schweiz». Eine der ersten emanzipierten Frauen war Germain de Staël (im Sessel sitzend) dargestellt von Silke Geertz.

Foto: Joelschweizer.ch

Da kommt man es wieder mal vor Augen geführt, wie steinig und gar skandalös der Weg der Schweizer Frauen hin zur Gleichberechtigung war – und noch immer ist. Und dabei wird das ernste Thema noch auf eine höchst unterhaltsame Weise dargeboten, obwohl es an und für sich nicht viel Erfreuliches zu bieten hat. Dennoch: Mit «Nichts geschenkt! – eine kurze Geschichte der Frauenrechte in der Schweiz» haben die beiden Stückeschreiberinnen Mirjam Neidhart und Katharina Rupp, welche auch Regie führt, es geschafft, dieses unrühmliche Kapitel schweizerischer Geschichte rasant und abwechslungsreich zu erzählen.

Auch wenn darin Aussagen – meist aus Protokollen und Dokumenten – zitiert werden, bei denen einem als heute lebende Frau die Spucke wegbleibt. Ein Beispiel: Es wird ein Werbespot aus den Fünfzigerjahren an die Bühnenwand projiziert. Die Original-Off-Stimme: «Zwei Probleme beschäftigen heute eine Frau: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?»

Alles begann mit der Französischen Revolution

Doch beginnen wir von vorne, chronologisch, so, wie es die Stückeschreiberinnen auch tun, bei Aristophanes. Er beschwor in einer Rede den Mythos des Menschen als Kugelwesen. «Die Menschen hatten kugelförmige Rümpfe sowie vier Hände und Füsse und zwei Gesichter mit je zwei Ohren auf einem Kopf, den ein kreisrunder Hals trug. Es gab nicht nur zwei Geschlechter, sondern drei. Die rein männlichen stammten ursprünglich von der Sonne ab, die rein weiblichen von der Erde, die androgynen vom Mond. Geht dahin die heutige Gender-Diskussion? «Wie fühlst du dich?», wurden die Schauspieler gefragt. «Als Mann, als Frau?»

Doch zuerst musste mal der Kampf um gleiche politische und gesellschaftliche Rechte der Frau gestartet werden. Und dieser begann in der Französischen Revolution, waren es doch die Frauen, die aufgrund der Hungersnot auf die Barrikaden gingen und bei der Erstürmung der Bastille an vorderster Front mit dabei waren. So nimmt die Geschichte ihren Lauf mit wichtigen, kämpferischen bekannten und weniger bekannten Frauen, die sich um die Rechte der Frauen starkmachten: Olympe de Gouges (1748–1793), Germaine de Staël (1766–1817), Marie Goegg-Pouchoulion (1826–1899) und Julie von May von Rued (1808–1875). Sie alle werden mit ihren wesentlichsten Aussagen und Standpunkten vorgestellt und vom Schauspielensemble kongenial verkörpert.

Die tragische Lebensgeschichte der Emilie Kempin-Spyri

Mehr Raum erhält die tragische Lebensgeschichte der ersten promovierten Juristin Europas, der Zürcherin, Emilie Kempin-Spyri (1853–1901), einer Nichte der «Heidi»-Autorin. Antonia Scharl stellt ihr tragisches Schicksal auf ergreifende Weise dar. Es folgen die Lebensläufe von Margarethe Faas-Hardegger (1882–1963), Helene von Mülinen (1850–1924), Iris von Roten (1917–1990), Andrée Valentin (*1944) und Emilie Lieberherr (1924–2011). Teils in Dialogszenen, dann auch wieder revueartig wird dieser gesellschaftliche Diskurs, der in der erfolgreichen Abstimmung von 1971 gipfelt, aber noch nicht zu Ende ist, dargestellt.

Barbara Grimm, Vera Bommer, Silke Geertz, Günter Baumann, Liliom Lewald, Gabriel Noah Maurer und Simon Rusch zeigen ihre auch musikalische Fähigkeiten. Hinreissend sind die Bühne und die Kostüme von Elisa Alessi und Marianna Helen Meyer. Meyer hat auch die Umsetzung auf der Bühne verantwortet.

Hinweis: Aufführungen am 16., 17.9.; 13., 16., 26.10.; 31.12.; Premiere Biel: 21.9.

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