Amtsgericht
Bettlacher Bankräuber zu acht Jahren Gefängnis verurteilt

Der letzte der drei Männer, die 2011 die Baloise Bank SoBa in Bettlach überfielen, wird des qualifizierten Raubes und des mehrfachen banden- und gewerbsmässigen Diebstahls verurteilt.

Simon Binz
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Bei dem Überfall auf die Baloise Bank SoBa in Bettlach erbeuteten die drei Männer 337'810 Franken.

Bei dem Überfall auf die Baloise Bank SoBa in Bettlach erbeuteten die drei Männer 337'810 Franken.

Kapo SO

Mit dem Urteil liegt das Amtsgericht knapp unter der Forderung von Staatsanwältin Claudia Scartazzini. Neben den bereits erwähnten Verurteilungen, hat sich Admir C.* zudem des teilweise versuchten Diebstahls, der einfachen Körperverletzung, der Drohung, der mehrfachen Beschimpfung, der mehrfachen, teilweise geringfügigen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz strafbar gemacht.

Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten machte am Freitag bei der Urteilsverkündung klar, dass das Gericht dem Angeklagten "nicht ansatzweise glaubt, dass er etwas bereue". "Das Verrückte ist, dass er sich eigentlich gut verhalten könnte, er hatte ja die höchste Punktzahl beim Strafvollzug, aber er benimmt sich nur, wenn er sich davon Vorteile erhofft." Seine Raffinesse sei beachtlich. "Dann aber zieht er seine Maske ab und darunter kommt ein brutaler, skrupelloser, manipulierender Gangster zum Vorschein."

Von Felten stellte dem 26-Jährigen eine extrem schlechte Zukunftsprognose aus. Am Schluss wendete er sich direkt an den Angeklagten: "Es war uns wichtig, wie sie sich während der Verhandlung verhalten und haben gehofft sie zeigen aufrichtige Reue. Das heisst aber auch, dass man bedingungslos zu dem steht, was man verbrochen hat." Von Felten meinte zu Admir C., dass er dieses Urteil nun natürlich anfechten könne und dann habe er in einem Jahr nochmals die Chance. "Überlegen sie sich dann gut, was sie beim Obergericht erzählen."

Was hatte er verbrochen?

Zwischen April 2010 und Juni 2011 beging Admir C. verschiedene Einbruchdiebstähle. Jeweils nachts stieg er zusammen mit verschiedenen Komplizen in Liegenschaften ein. Ins Beudeschema der allesamt recht jungen Einbrecher fielen Schmuckläden, Verwaltungen von Einwohnergemeinden und Vereinshäuser. Die Deliktsumme der Einbrüche lag insgesamt bei rund 55'000 Franken.

Bereits im Oktober 2010 flog die Einbruchserie das erste Mal auf. Einige der jungen Diebe wurden vom Jugendgericht verurteilt – Admir C. musste für zwei Monate in U-Haft bleiben. Nach seiner Entlassung folgten weitere Einbrüche. Ende 2011 erlangte der Kosovare, zusammen mit dem Serben Avzi E.* und dem Italiener Sandro F.*, schweizweite Berühmtheit als "Bettlacher Bankräuber".

Der Überfall auf die Baloise Bank SoBa

Am 16. Dezember 2011 überfielen die drei bewaffneten Männer die Baloise Bank SoBa in Bettlach, bedrohten zwei Bankangestellte und zwei Kundinnen und erbeuteten 337'810 Franken. Nur gerade zwei Monate später wurden sie gefasst.

Im November des letzten Jahres wurden Sandro F. (die treibende Kraft) und Avzi. E.* vom Amtsgericht Solothurn-Lebern im abgekürzten Verfahren des qualifizierten Raubes, der Körperverletzung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen und zu Freiheitsstrafen von 40 Monaten unbedingt beziehungsweise 36 Monaten teilbedingt verurteilt.

Ein paar Fragen blieben während der Verhandlung jedoch ungeklärt und verliehen dem "süssen Deal" damals einen bitteren Nachgeschmack. Avzi E. konnte nämlich nicht vernünftig erklären, wo sein Anteil von rund 116'000 Franken hingekommen war. Ed habe die Beute mit Alkohol, Partys und Frauen verjubelt – das wären 2000 Franken pro Tag gewesen.

Admir C. wollte Geld weghaben

Die Hauptverhandlung mit Admir C. als Angeklagter fand am Montag statt. Der in der Schweiz geborene Kosovare versuchte den Amtsrichtern zu erklären, wie er auf die schiefe Bahn geriet. Dabei erzählte er von einem falschen Freundeskreis, von falschen Gedanken, die ihm eingeredet wurden und erwähnte immer wieder "das schnelle Geld". Sein jüngeres ich bezeichnete der heute 26-Jährige der bereits seit fast zwei Jahren im vorzeitigen Strafvollzug sitzt und geständigt ist, wiederholt als dumm.

Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten sprach während der Verhandlung an, dass er mit der Beute-Version von Admir C. etwas Mühe habe. Dieser behauptet nämlich auch, er habe seinen Teil der Beute für Alkohol, Partys und Frauen verjubelt. Admir C. meinte, dass er bei dieser Version bleibe. "Wir hatten von Anfang an nicht mit so einer grossen Beute gerechnet und dann habe ich Angst bekommen. Ich wollte, dass das Geld so schnell wie möglich wegkam."

Mehrmals wies von Felten den Angeklagten darauf hin, dass es für ihn sehr wichtig sein könnte, das Gericht von seiner Reue zu überzeugen, und dazu gehöre es auch, die Wahrheit zu sagen.

Plädoyers: Stawa fordert hohe Strafe

Der Verteidiger von Admir C., Rechtsanwal Reto Gasser, wiederholte während seines Plädoyers mehrere Male, dass sein Mandant alle Delikte in der Jugendjahren begangen habe. "Im vorzeitigen Vollzug wurden ihm nun die Konsequenzen dieser Taten bewusst." Er stellte einen Antrag auf eine Gesamtstrafe von drei Jahren unbedingt.

Staatsanwältin Claudia Scartazzini zeigte kein Mitleid mit dem 26-Jährigen und sagte während ihres Plädoyers, dass sie kaum etwas gefunden habe, das für eine Strafmilderung spreche. Entsprechend fiel ihre Forderung aus: achteinhalb Jahre Freiheitsstrafe.

*Namen von der Redaktion geändert