Staatsanwaltschaft
Betrug im grossen Stil: Die Behörden warnen vor dubiosen Investmentfirme

Mindestens drei Solothurner verlieren eine Million Franken an dubiose Investmentfirmen. Jetzt wurden mehrere Rechtshilfebegehren in Hongkong und Zypern gestellt. Die Staatsanwalt warnt vor

Franz Schaible
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Betrüger haben Investoren viel Geld aus der Tasche gezogen.

Betrüger haben Investoren viel Geld aus der Tasche gezogen.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Es ist ein Luxusproblem, aber es existiert. Menschen oder Firmen mit frei verfügbarem Vermögen leiden unter dem sogenannten Anlagenotstand. Angesichts des derzeitigen Zinsumfeldes werfen risikolose Anlagen keine Rendite mehr ab.

Ein direkter Zusammenhang ist nicht gegeben, aber vielleicht ist das mit ein Grund, warum sich Menschen verleiten lassen, unkritisch Geld für vermeintlich lukrative lnvestments locker zu machen. Jedenfalls warnt die Solothurner Staatsanwaltschaft in einer Medienmitteilung vor einem Anlagebetrug in gröberem Ausmass.

Sie hat nämlich drei Strafverfahren gegen unbekannte Täterschaft wegen Betrugs eröffnet. Es sei nicht auszuschliessen, dass die Täterschaft auch in anderen Kantonen aktiv gewesen sei, sagt Cony Zubler, Medienbeauftragte der Solothurner Staatsanwaltschaft, auf Anfrage.

Konkrete Hinweise von anderen Polizeistellen gebe es bislang aber nicht. Bei den drei Geschädigten handle es sich um im Kanton Solothurn wohnhafte Personen.

Aktiv wurde die Staatsanwaltschaft, als Ende 2016 und anfangs 2017 mehrere Anzeigen bei ihr eingingen. Die Anzeiger berichteten, dass unbekannte Personen ihnen angeboten hätten, Geld in ausländische, meist japanische oder chinesische Finanzprodukte zu investieren.

Nach ersten Zahlungen seien die Anzeiger unter Androhung des Totalverlustes der bisherigen Investitionen gedrängt worden, weitere Geldbeträge zu überweisen. Gewinne seien trotz zahlreicher Versprechungen nie ausbezahlt worden.

Die Geschädigten seien daraufhin misstrauisch geworden und hätten sich bei den Strafverfolgungsbehörden gemeldet, wie die Staatsanwaltschaft schreibt.

Deliktsumme: rund eine Million

Gemäss derzeitigem Ermittlungsstand der Untersuchungsbehörden agiert die Täterschaft im Namen verschiedener Firmen und Personen. Sie nimmt mittels Schweizer Telefonnummern, welche allerdings dem Ausland zuzuordnen sind, in englischer Sprache Kontakt mit potenziellen Investoren auf.

Durch die Simulation einer seriös wirkenden Homepage und durch Zustellung diverser echt wirkender Dokumente wie etwa Verträge und Aktienzertifikate werden die Geschädigten zu Investitionen verleitet. Die Investoren zahlen das Geld auf ausländische Bankkonten ein, vorwiegend in Asien und Zypern.

Laut vorliegenden Erkenntnissen würden die einbezahlten Gelder aber nicht in entsprechende Aktienpakete investiert, und die Investoren erhielten auch keine Gewinnauszahlung. Zurzeit sind der Staatsanwaltschaft drei Geschädigte bekannt. Die mutmassliche Deliktsumme beläuft sich auf rund eine Million Schweizer Franken.

Rechtshilfebegehren laufen

Die Täterschaft sei derzeit unbekannt. Gesichert sei es nicht, aber es sei davon auszugehen, dass sie vom Ausland aus agiere, so Zubler. So wurden die Zahlungen auf ausländische Bankkonten einbezahlt. «Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft mehrere Rechtshilfebegehren an Hongkong und eines an Zypern gestellt.» Und es sei nicht auszuschliessen, dass es sich in allen drei Fällen um dieselbe Täterschaft handle. «Der Modus Operandi ist sehr ähnlich.»

Man habe mit den Informationen aber nicht zuwarten wollen, bis allfällige Verfahren abgeschlossen seien. «Das Publikmachen soll einen präventiven Charakter haben, damit bei weiteren angesprochenen Personen die Alarmglocken läuten», so Zubler.

«Kein Finanzgeschäft ohne Risiko»

Die Solothurner Staatsanwaltschaft warnt davor, Investitionen nur gestützt auf eine Kontaktaufnahme unbekannter Personen via Telefon oder E-Mail zu tätigen. Auch eine professionell gestaltete Homepage sowie die Zusendung echt wirkender Verträge und Bescheinigungen seien kein Beleg für die Existenz einer lukrativen Anlagemöglichkeit.

Auch die Finanzmarktaufsicht (Finma) und die Schweizerische Kriminalprävention warnen vor betrügerischen Anbietern. «Kein Finanzgeschäft ist ohne Risiko.» Tipps und Verhaltensregeln sind zu finden unter www.finma.ch und www.skppsc.ch. (fs)

Denn es sei aufgrund des professionellen Vorgehens nicht auszuschliessen, dass die Täterschaft weitere Personen oder Firmen nach demselben Muster kontaktiert und zu Zahlungen verleitet habe oder noch verleiten werde.

Über die Erfolgsaussichten, die Täter dinghaft zu machen, wollte sich Zubler nicht äussern. Dazu könne keine Prognose gemacht werden. «Wir hoffen, anhand unserer Recherchen möglichst viele sachdienliche Informationen zu erhalten.»

Die hohe Rendite lockt

Warum sich Personen auf solche Investment-Angebote einliessen, gebe es nur Mutmassungen. Sie hätten sich wahrscheinlich durch versprochene hohe Renditen dazu verleiten lassen, das Risiko einzugehen und ihr Geld zu investieren. Ob seitens der Investoren auch Schwarzgeld eingesetzt worden sei, darüber wollte Zubler nicht spekulieren. Es gebe dafür keinerlei Hinweise.