IV Kanton Solothurn

Betrüger ertappt: IV spart 11,5 Millionen ein

Die IV-Stelle Kanton Solothurn in Zuchwil.

Die IV-Stelle Kanton Solothurn in Zuchwil.

IV-Rentner werden von der Nachbarschaft offenbar kritisch beäugt: Die Solothurner IV erhält pro Jahr über 100 Meldungen zu vermutetem Missbrauch. Letztes Jahr sparte sie 11,5 Mio. durch aufgedeckte Betrugsversuche ein.

Im Kanton Solothurn sind 2014 weniger neue IV-Renten gesprochen worden als 2013. Dies zeigt der am Donnerstag veröffentlichte Jahresbericht der IV Kanton Solothurn. 612 neue Renten sind demnach gesprochen worden, darunter 399 Vollrenten. Zum Vergleich: 2013 waren es noch 106 mehr, nämlich 718 neue Renten gewesen. «2013 haben wir Pendenzen abgebaut und deshalb mehr Fälle abgeschlossen», begründet Pia Wälti, Leiterin Kommunikation bei der IV, die sinkende Zahl neuer Renten. Dagegen blieb die Zahl der Erstanmeldungen 2014 mit 3069 relativ konstant. Im Jahr zuvor waren es deren 3029 gewesen.

115 Meldungen aus Bevölkerung

Nach wie vor ist der Versicherungsbetrug ein grosses Thema bei der IV: Im vergangenen Jahr konnte die Versicherung durch die Aufdeckung von versuchtem oder vollendetem Missbrauch hochgerechnet 11,5 Mio. Franken (2013: 9,6 Mio. Franken) an Rentenleistungen einsparen, indem sie für die Zukunft Leistungen kürzte oder verweigerte. Die 11,5 Mio. Franken bezeichnen die Zahlungen, die bis zur Pensionierung der aufgeflogenen Bezüger angefallen wären.

Insgesamt gingen 115 Meldungen aus der Bevölkerung zu mutmasslichem Missbrauch ein, wobei die IV auch anonyme Meldungen entgegennimmt. Aktuell befinden sich rund 100 Fälle in laufender Überprüfung. «Dies entspricht in etwa den Meldungen aus den Vorjahren», teilt die IV mit. «Jeder Hinweis wird sehr sorgfältig und mit Augenmass geprüft.»

Nur drei Strafanzeigen

In knapp vier Prozent der Fälle griff die IV zum stärksten Mittel im Kampf gegen vermutete Missbräuche: Sie hat eine Observation angeordnet. Allerdings resultierten daraus lediglich drei Strafanzeigen. Die IV betont, dass aus Datenschutzgründen den meldenden Personen keine Informationen zu Fällen oder Massnahmen gegeben werden können, auch wenn diese oft gerne eine Rückmeldung hätten.

Oft gehen Verdachtsmeldungen allerdings auch ins Leere: Auffallend häufig sind laut der IV-Stelle Meldungen über Personen, die trotz einer IV-Rente körperlich anstrengende Tätigkeiten wie beispielsweise Gartenpflege oder Hauswartarbeiten ausüben. «In den meisten Fällen leiden diese Personen unter psychischen Beschwerden und können daher uneingeschränkt körperliche Tätigkeiten verrichten», so die IV. Menschen, die eine IV-Rente beziehen, dürften unter festgelegten Kriterien und in Absprache mit der IV-Stelle einem Teilerwerb nachgehen, «solange sie damit kein relevantes Einkommen erzielen», hält die Stelle fest.

Erfolg bei Eingliederungen

Einen Erfolg verbucht die IV bei ihren Eingliederungsmassnahmen: Die Erfolgsquote konnte von 53,61 auf 57,03 Prozent angehoben werden. Konkret heisst dies: 1351 neue Abschlüsse kamen zustande – dazu gehören Neuanstellungen, Arbeitsplatzerhalt oder betriebsinterne Umplatzierungen. 771 davon verliefen erfolgreich. «Die Anstrengungen in der Eingliederung lohnen sich. Andererseits braucht es nach wie vor intensive Aufklärungs- und Akquisitionsarbeit bei den Arbeitgebenden», schreibt die IV in einer Mitteilung.

2014 zählte die IV-Stelle 570 Früherfassungsmeldungen (2013: 527) ein. Diese Meldung empfehle sich bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 30 Tagen oder bei wiederholten Kurzabsenzen. «Wir beabsichtigen damit, so früh wie möglich mit gesundheitlich eingeschränkten Personen in Kontakt zu kommen», so die IV-Stelle. Der Betriebsaufwand der Stelle sank 2014 leicht: von 13,9 Mio. Franken im Vorjahr auf neu 13,6 Mio. Franken.(lf)

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