«Rapport in fünf Minuten», hallte es sicher oft während WKs und Stabsrahmenübungen durch die kalten Gemäuer. Hier versammelten sich einst hohe Militärs zur Befehlsauagabe und von hier aus zog der Brigadekommandant die Fäden zu den unterstellten Einheiten in der ganzen Nordwestschweiz. Sie hatten die Aufgabe einen Vorstoss von feindlichen Truppen von Norden ins Mittelland zu unterbinden, insbesondere auf der Achse der Autobahn, aber auch über den Hauenstein, den Passwang oder über Gänsbrunnen. Etwa 8000 Mann, darunter viele Solothurner, waren Brigadier Werner Häfeli (Oberbuchsiten), dem letzten Kommandanten der Gz Br 4 von 1991 bis 1994 unterstellt, bevor die Armeeführung sich 1995 von den standortgebunden Truppen verabschiedete. Die Gz Br 4 hatte seit 1938 existiert.

Baubeginn1942
Ein erster einfacher Bunker ohne Strom und Toiletten wurde 1942 in den Jurafels des Lobisei gehauen. Als der Kalte Krieg das schlimmste vermuten liess, rüstete man von 1959-1962 massiv auf. Der Bunker wurde auf ein mehrfaches seiner bisherigen Grösse erweitert und zu einem atomsicheren Kommandoposten ausgebaut. Eine Besatzung von 70 Mann konnte in der zweistöckigen Anlage theoretisch drei Monate lang autonom überleben und einen 24-h-Betrieb aufrechterhalten. Dabei wurde nicht einfach eine Kaverne gebaut, sondern die ganze Anlage ruht auf Widerlagern vom Fels getrennt.

So konnten auch grössere Schockwellen von Detonationen schadlos überstanden werden. «Die Anwohner wussten, dass hier etwas militärisches ist. Aber was genau wusste niemand.», sagt Max Flückiger vom kantonalen Amt für Militär. Er führte zusammen mit Franz Bürgi und Siegfried Stampfli vom Verein Festungswerke Solothurner Jura eine Gruppe deutscher Reservisten und Berner Feldweibel durch die Anlage. Zusammen nahmen diese am 2-Tage-Marsch in Bern teil. Der Kommandoposten ist ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Rundgang durch den Bunker

Rundgang durch den Bunker

Fast betriebsbereit
Die wenigen Zivilisten, die die Anlage bisher betreten konnten, können feststellen, dass diese sich in einem nahezu betriebsbereiten Zustand befindet. Die Küche ist komplett ausgerüstet und sauber, ebenso die Kantonemente, die teilweise geräumiger sind als heutige Zivilschutzanlagen. Lüftung und Entfeuchtung laufen Tag und Nacht.

Teuer im Unterhalt
«Dies ist zwingend nötig, denn sonst wäre hier nach kurzer Zeit alles verschimmelt und unbrauchbar», erläutert Franz Bürgi. Allein die Lüftung versursacht pro Monat Stromkosten von 800 Franken. Dies ist nicht die einzige Hürde, welche einer zivilen Umnutzung im Weg steht. «Die Gebäudeversicherung würde wohl einige Umbauten verlangen, die Juraschutzzone das Erstellen von Parkplätzen verunmöglichen», so Bürgi weiter. Eine Übernahme durch den Verein Festungswerke sei zwar auch geprüft worden, übersteige aber dessen (finanzielle) Möglichkeiten. Ein Betrieb als Museum sei nicht kostendeckend möglich, weil bereits ähnliche Anlagen zugänglich sind.

Käufer gesucht
Die Armee hat bisher rund 18 Mio. Fr. in den atomsicheren Kommandoposten investiert. Zu haben wäre er für einen Bruchteil. «Vielleicht 200 000 Fr. oder noch weniger», schätzt Bürgi. Doch auch der Kanton ist nicht an der Anlage interessiert, da sie nur Kosten verursacht. Gewartet wird sie derzeit noch von Festungswächtern des VBS. «Wenn sich nicht bald ein Käufer findet, dürfte sie bald ganz stillgelegt, ausgeräumt und zugemauert werden.»