Die Ausgangslage ist klar: Wer jetzt seinen Tank mit Heizöl füllt, macht ein gutes Geschäft. Der Preis für 100 Liter extraleicht kostet bei einer Bestellmenge von 3000 bis 6000 Liter rund 64 Franken, erklärt Raffael Weber. Er ist Verkaufsleiter bei der Wyssbrod Heizöl AG in Biel und gleichzeitig Präsident von Swissoil Bern-Solothurn, dem Regionalverband der Brennstoffhändler in den beiden Kantonen. «Das ist ein sehr günstiger Preis.»

Letztmals habe das Heizöl während kurzer Zeit Ende Januar 2015 so wenig gekostet und zuvor letztmals 2009. Ebenso für eine Bestellung noch vor Ende Jahr spricht die Erhöhung der CO2-Abgabe. Diese hat der Bund auf Anfang 2016 von 60 auf 84 Franken je Tonne CO2 erhöht. Das verteuert die Wärmeenergie exklusive Mehrwertsteuer um 6 Franken je 100 Liter, wie Weber vorrechnet.

Besser mehr bestellen

Also, alles klar und bestellen? Nicht in jedem Fall, warnt Weber vor falschen Entscheidungen. Wenn der Tank fast leer sei, gelte es, die günstige Konstellation zu nutzen. Wenn der Tank aber noch zur Hälfte oder mehr gefüllt sei, soll der Käufer nicht vorpreschen und panikartig nachbestellen.

Wer jetzt seinen Tank mit 1000 oder weniger Liter nachfülle, zahle heute aufgrund der Preisstaffelung nach Liefermenge deutlich mehr. «Es gilt der Grundsatz, je kleiner die Menge desto höher der Preis.» Der Preisunterschied bei einer Bestellmenge von 1000 oder 3000 Liter beträgt nämlich rund 10 Franken.

Allein dieser Unterschied reicht aus, die erhöhte CO2-Abgabe von 6 Franken zu kompensieren. «Wenn also der Vorrat im Tank bis im Frühling ausreicht, wartet der Tankbesitzer besser zu und bestellt dann 3000 oder mehr Liter», erläutert der Heizölexperte.

Preis kann weiter sinken

Auch noch aus einem anderen Grund empfiehlt Weber, ruhig Blut zu bewahren. Der Preis für das Rohöl, die Basis für das Heizöl, sei und bleibe voraussichtlich sehr tief. Der stotternde Weltwirtschaftsmotor und vor allem die schwächelnde Konjunktur in China habe die Nachfrage nach Rohöl sinken lassen. China sei immerhin der weltweit zweitgrösste Konsument des schwarzen Goldes. Gleichzeitig werde aber die Rohölförderung nicht gedrosselt. Gerade am Freitag hat die Organisation Erdöl produzierender Länder (Opec) an ihrer Konferenz wenig Lust gezeigt, die Förderung zu kürzen. Damit will die Opec ihre Marktanteile – unter anderem gegen die starken US-Produzenten, die ihre Schieferölfertigung (Fracking) auch nicht drosseln – verteidigen. «Die Folge ist ein riesiges Überangebot.»

Daran werde sich vorerst nichts ändern, ist Weber überzeugt. Im Gegenteil. Der Preis könnte in den Anfangsmonaten 2016 nochmals sinken und damit das Heizöl um weitere sieben bis acht Franken pro 100 Liter nachgeben. Grund hierfür sei der Umstand, dass mit Iran nach der Lockerung der Handelssanktionen dannzumal ein neuer Anbieter auf den Markt drängen wird. Da gehe es um gewaltige Volumen. Deshalb empfiehlt er auch hier: Wer ein gewisses Risiko eingehen wolle und den Tank nicht zwingend füllen müsse, könne zuwarten. Die Chance sei gross, dass im Frühjahr das Heizöl trotz erhöhter CO2-Abgabe günstiger sei als aktuell.

Die Nachfrage nach Heizöl halte sich aktuell in Grenzen, beobachtet Weber, der als Präsident von Swissoil einen guten Überblick über die Branche hat. «Obwohl die Bestellungen bis Ende Dezember sicher noch zunehmen werden, gibt es keinen Run.» Offenbar hätten viele Kunden das bereits im Frühling einladende Preisniveau beim Heizöl angenommen und ihre Tanks gefüllt. Das bestätige der Tankfüllungsgrad. Der Indikator zeigt die durchschnittliche Füllmenge der Heizöltanks an. Er liege derzeit bei rund 57 Prozent und damit weit über dem langjährigen Durchschnitt jeweils im Herbst von 47 Prozent.