In Solothurn ist der Himmel am Dienstag grau. Und das passt nicht schlecht zur Katerstimmung, die sich nach dem Entscheid des Regierungsrats unter den Befürwortern der Pistenverlängerung breitgemacht hat.

Daniel Probst kann es noch gar nicht fassen: «Ich bin enttäuscht», sagt der Direktor der Solothurner Handelskammer. «Die Regierung sendet ein falsches Signal in einer anspruchsvollen Zeit für die Wirtschaft.» In seinen Augen haben die Behörden der lokalen Unternehmen zu wenig Gehör geschenkt.

So seien manche darauf angewiesen, von Grenchen aus rasch ihre Kunden und Niederlassungen im Ausland zu erreichen. «Doch jetzt», sagt Probst, «ist die Businessfliegerei hier in Gefahr.»

Lange waren die Wirtschaftsvertreter eher zurückhaltend, wenn es um die Grenchner Pistenverlängerung ging. Doch in den vergangenen Wochen rührten sie mit der grossen Kehle: In ganzseitigen Inseraten warben sie für den Ausbau. Die Rede war von einem «sehr wichtigen Standortvorteil».

Solothurner Regierung sagt Nein zum Projekt Pistenverlängerung am Flughafen Grenchen

Keine Flugpistenerweiterung in Grenchen - der Beitrag von TeleM1

Auch Hugo Mathys, Chef und Verwaltungsratspräsident der Medizinaltechnikfirma Mathys AG in Bettlach, hat sich wiederholt starkgemacht für den Ausbau des Flughafens Grenchen. Dieser sei ein grosser Pluspunkt für die regionale Wirtschaft, erklärte er etwa kürzlich im Interview mit dieser Zeitung. «Es braucht die Pistenverlängerung, um den Flugplatz auch in Zukunft entsprechend nutzen zu können.»

Den klaren Entscheid der Regierung gegen den Ausbau will Mathys nun aber nicht kommentieren. Er gebe keine Stellungnahme ab, liess er auf Anfrage ausrichten.

Josef Maushart, der als Präsident des Solothurnischen Industrieverbandes für den Pistenausbau kämpfte, gibt sich zurückhaltend. «Natürlich respektiere ich die Güterabwägung der Regierung», sagt der Fraisa-Chef. Allerdings sei der Beschluss kein positives Signal für den regionalen Wirtschaftsstandort. Umso mehr wünscht sich Maushart jetzt von der Regierung ein «klares Bekenntnis» zum Industriestandort Solothurn.

Swatch-Chef Nick Hayek war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Sein Uhrenkonzern ist Mitglied der IG Wirtschaftsraum Kanton Solothurn, die sich für den Ausbau einsetzt.

«Keinesfalls verhältnismässig»

Die einen betonten, wie wichtig die Pistenverlängerung für die regionale Wirtschaft ist. Die anderen wollten den Ausbau um jeden Preis verhindern. Doch selbst bei den Gegnern herrscht zuerst einmal Fassungslosigkeit, als der Entscheid bekannt wird. Man habe ja mit allem rechnen müssen, sagt Nicole Hirt. Die Präsidentin von Pro Natura sieht im Verdikt vor allem einen Erfolg für den Umweltschutz. «Meist ist der Einfluss der Wirtschaft sehr weitreichend. Doch diesmal war alles anders.»

Von «einem Sieg auf der ganzen Linie» spricht BDP-Präsident Markus Dietschi. Der Selzacher Landwirt fürchtete sich vor dem Verlust von Landwirtschaftsland durch einen Pistenausbau. Ihm sei es nie darum gegangen, den Wirtschaftsstandort Solothurn zu schwächen. «Es ging darum, dass ein solcher Pistenausbau keinesfalls verhältnismässig ist.»

Stich ins Herz verhindert

Erleichtert zeigt sich auch Felix Glatz-Böni. Der grüne Kantonsrat ist Erstunterzeichner des Volksauftrages für den «ungeschmälerten Schutz der Witizone», den das Parlament vor gut zwei Wochen annahm. Glatz-Böni ist überzeugt, dass der breite Widerstand den Regierungsrat in seinem Entscheid bestärkt hat. «Nun haben wir es schwarz auf weiss», sagt er. Witischutz und Pistenverlängerung, das passe nicht zusammen. Oder mit den Worten des Verkehrs-Clubs: Der Ausbau hätte die Witi «mitten ins Herz» getroffen.