Solothurn
Berufsschulen: Zehntausende Franken Bussen zahlen Lernende – davon profitieren die «braven» Schüler

32'436 Franken hat das Berufsbildungszentrum Solothurn-Grenchen im Kalenderjahr 2018 an Bussgeldern von Schülern eingenommen. Gebüsst werden können Lernende zum Beispiel für unentschuldigte Absenzen oder Disziplinarverfehlungen.

Lara Frey
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Von den Bussen profitieren die «braven» Schülerinnen und Schüler. (Themenbild)

Von den Bussen profitieren die «braven» Schülerinnen und Schüler. (Themenbild)

Chris Iseli

Was klingt wie ein enormer Betrag, sind tatsächlich gut 20'000 Franken weniger als noch im Jahr zuvor. Grund dafür sei die Neuorganisation der kantonalen Schulsoftware, informiert Rolf Schütz, Direktor des Berufsbildungszentrums. Die Lehrpersonen hätten neu selber die Verantwortung, die Absenzen zu verwalten, und könnten selber festlegen, wann die Schüler gebüsst werden. Früher liefen die Bussen über das Sekretariat und Rektorat. «Die pädagogische Führung hat so zugenommen, weil die Lehrpersonen selber ermessen können, wann es eine Busse braucht», meint Schütz. Die Bussgelder würden für Klassenexkursionen, Lehrabschlussfeiern, die Sport Night und für die Vorausscheidungen für die Swiss Skills eingesetzt, kämen also wieder den Lernenden zugute.

Auch in Olten profitieren am Ende wieder die Lernenden von den Busserträgen, das Geld wird für ähnliche Zwecke verwendet wie in Solothurn. «Bussen von Schülern für Schüler», fasst Alain Légeret, Leiter Dienste am BBZ Olten, zusammen. So seien 2018 beispielsweise Wasserspender im Schulhaus aus den Bussgeldern finanziert worden.

Vernünftigere Schüler und sensibilisierte Lehrer

Knapp 35'000 Franken wurden im BBZ Olten 2018 an Bussgeldern eingenommen, das ist zirka die Hälfte des Betrages noch vor einigen Jahren. Einen Zusammenhang mit der Neuorganisation der Schulsoftware wie in Solothurn sieht Légeret aber nicht. Vielmehr nennt er die Sensibilisierung der Lehrpersonen und die vernünftigeren Lernenden als Grund für die tieferen Einnahmen. So würden die Lehrpersonen öfter das Gespräch mit den Schülern suchen, als direkt eine Busse zu sprechen. Die Einnahmen könnten aber im nächsten Jahr theoretisch auch wieder ansteigen, die Tendenz sei seit 2015 jedoch eher sinkend. Das «Bussvermögen», also der Saldo auf dem Bussenkonto, beträgt in Olten immer noch etwa 100'000 Franken. «Der Saldo ist zu hoch, wir werden in Zukunft sicherlich vermehrt unseren Fokus auf die Ausgaben setzen», informiert Légeret. Die Bussbeträge anzusparen, sei nämlich eigentlich zwecklos.

Dass an den Berufsschulen überhaupt Bussen ausgesprochen werden können, scheint die Lernenden nicht gross zu stören. Sowohl Légeret als auch Schütz teilen mit, dass die Schüler sich über die Bussen zwar nerven würden, wie man sich über jede Busse nervt, das System an sich aber akzeptieren würden.