Regierungsrat Roland Fürst hat ein Faible fürs Fotografieren. Zumindest wer mit ihm auf Facebook befreundet ist, weiss das schon lange, dort postet er regelmässig Landschaftsaufnahmen. Durch diese Facebook-Posts ist auch René Brogli, der Inhaber der Galerie Bromer Kunst in Roggwil, auf den fotografierenden Regierungsrat aufmerksam geworden. Und so ist die Idee dann entstanden: Roland Fürst ist jetzt nicht mehr «nur» ein Politiker, der in der Freizeit fotografiert, sondern ein richtiger Künstler. 42 seiner Werke sind bei Bromer Kunst ausgestellt, am Wochenende war die Vernissage von Fürsts erster Ausstellung. Von sich aus wäre er nie auf die Idee gekommen, seine Fotografien öffentlich auszustellen, gibt sich Fürst bescheiden.

Nun hat er die Landschaftsfotografie ja auch nicht neu erfunden. Und Galerist Brogli gibt auch unumwunden zu, dass hinter der Ausstellung nicht zuletzt der Gedanke steckte, einen bekannten Berufspolitiker zu «seinen» Künstlern zu zählen, sei sicher nicht schlecht für die Publicity. Aber es steckt schon mehr dahinter. Mit einem gekonnten Blick für Komposition und Szenerie gestalte der Solothurner Regierungsrat seine Bilder, lobt Galerie-Managerin Julia Uti. Er verfüge über die Fähigkeit, den Betrachter durch geschickt gewählte Perspektiven richtiggehend in seine Bilder hinein zu ziehen. «Man fühlt förmlich den Schnee unter seinen Füssen knirschen», so die Kunsthistorikerin.

Ein echter Fürst hat denn auch seinen Preis. Für 350 Franken kann man sich zum Beispiel «Glück» erstehen, eine Makroaufnahme eines Marienkäfers im Format 30 x 30 cm. Wem es die «Alpenlandschaft» in Dämmerlicht und Nebel im Format 100 x 150 cm angetan hat, muss dafür allerdings schon 2400 ausgeben. Ein doch recht stolzer Preis dafür, dass sich Berufspolitiker Fürst nach wie vor als ausgesprochenen Hobbyfotografen verstanden wissen will. Er verweist auf die recht aufwendige, sprich kostspielige Präsentation seiner Werke auf Aluminium hinter Echtglas. Und das sei auch gleich gesagt: Den Reinerlös, der aus dem Verkauf seiner Werke übrig bleibt, wird Roland Fürst für gemeinnützige Zwecke spenden. Die Ausstellung bei Bromer Kunst in Roggwil dauert bis am 16. Juli, alle Fotografien sind in einer limitierten Auflage von zehn Exemplaren erhältlich.

Fürst und seine Faszination für die Natur

Fürst und seine Faszination für die Natur

Der Solothurner Regierungsrat Roland Fürst ist nicht nur passionierter Politiker, sondern auch ein guter Hobbyfotograf. Jetzt stellt er seine Bilder erstmals aus.

Das Fotografieren wurde Roland Fürst übrigens nicht in die Wiege gelegt, er hat erst vor etwa sieben Jahren als Autodidakt damit begonnen und ist quasi durch den Hund aufs Bild gekommen: Als sich die Fürsts einen Hund zulegten, intensivierten sich zwangsläufig auch die Spaziergänge und Wanderungen in der Umgebung. Und dabei kam er auf den Geschmack und hat nun meistens gleich zwei Kameras umgehängt, wenn es nach draussen geht. Das ist jeweils samstags und sonntags so für eine Stunde, eine intensivere Beschäftigung mit seiner Leidenschaft lässt das Amt als Regierungsrat dann doch nicht zu. Fotografieren sei ja aber auch kein zeitaufwendiges Hobby, scherzte Fürst an der – übrigens sehr gut besuchten – Vernissage: Geht man von einer Belichtungszeit von einer 125-stel Sekunde aus, dauerte es gerade mal eine Drittelsekunde, die Fotos für die Ausstellung aufzunehmen.

Einer, dem sich die Welt der ästhetisch gestalteten Naturaufnahmen seines Parteikollegen nicht auf Anhieb erschlossen hat, ist CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt. Er erinnerte sich in seiner Laudatio an den Regierungsrats-Wahlkampf 2013, als er interimistisch Kantonalpräsident war. Man sei vor einer fast unlösbaren Aufgabe gestanden, mit zwei neuen Kandidaten zwei CVP-Sitze zu verteidigen. «Da setzt man natürlich darauf, dass die Kandidaten eine knackige Kampagne liefern. Aber was tat Roland Fürst? Er machte Landschaftsbilder und stellte sie ins Netz, so etwas ist doch kein Wahlkampf.» Nun, es sei ein Super-Wahlkampf gewesen. Roland Fürst sei einfach sich selber geblieben und ihm, Müller, sei noch nie deutlicher vor Augen geführt worden, dass Authentizität das höchste Gut eines Politikers ist.