Rund die Hälfte seines 43-jährigen Lebens hat Alexandru H.* entweder im Gefängnis oder auf der Flucht quer durch Europa verbracht. Am Montag musste sich der Rumäne vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen mehrerer Delikte verantworten.

Die Laufbahn des «Berufseinbrechers» mit 15 Alias, so die Charakterisierung der Staatsanwältin, liest sich wie ein Krimi. In Deutschland und der Schweiz sass Alexandru H. in diversen Gefängnissen, von Hamburg bis Augsburg, von Lenzburg bis Burgdorf. Wenn er in der Schweiz aus dem Strafvollzug entlassen wird, erwarte ihn eine fünfjährige Freiheitsstrafe in Belgien, erklärte die Staatsanwältin. Bei den Delikten, für die er verurteilt wurde, handelt es sich meistens um Einbruchsdiebstähle.

Aus der Zelle abgeseilt

Die Anklage vor dem Amtsgericht lautete auf Mittäterschaft zur Förderung der Prostitution – in Zusammenarbeit mit der Ehefrau–, gewerbsmässigen Diebstahl bzw. den Versuch dazu in neun Fällen sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Interessant dabei: Die ersten zwei Tatbestände liegen bereits 11 Jahre zurück. Der Gewaltausbruch hat sich im Herbst 2015 zugetragen, als der Angeklagte sich einer Gefängnisverlegung widersetzte und erst nach zweimaligem Taser-Einsatz zu bändigen war.

Dass Alexandru H. für die ersten beiden Anklagepunkte nicht früher zur Rechenschaft gezogen wurde, dafür ist sein Ausbruch aus dem Regionalgefängnis Biel vom 20. August 2006 verantwortlich. Anschliessend lebte er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Spanien, bevor er 2013 in Deutschland erneut verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert wurde.

Undurchsichtige Rolle der Ex

Gemäss eigener Schilderung habe er sich in jener Nacht in Biel aus der Zelle abgeseilt und dabei am Fuss verletzt, so dass er nicht rennen konnte. Dennoch habe er sich durch den Wald und über den Grenchenberg bis nach Grenchen und Bettlach durchgeschlagen. Hier beging Alexandru H. laut Anklageschrift Einbrüche in Einfamilienhäuser, stahl Kleider, Essen und Getränke sowie Bargeld und Schmuck im Wert von 15 000 Franken. Anschliessend habe er heimlich einen Lastwagen ins Ausland bestiegen.

«Früher war ich ein schlechter Mensch», sagte Alexandru H. Für die Zukunft gelobte er Besserung. Er wolle arbeiten und sich um seine Kinder kümmern. Er habe sich von seiner Ehefrau scheiden lassen, deren ausschweifenden Lebensstil er als Hauptgrund seiner Delinquenz angab. Sein Pflichtverteidiger führte aus, dass es sich bei besagter Ex-Frau um eine «recht durchtriebene und geldgierige Dame handelt». Doch weil sein Mandant nicht wollte, dass die Kinder beide Elternteile verlieren und in einem Heim aufwachsen, habe er seine Frau nicht angezeigt.

Auch die Staatsanwaltschaft konnte mit dieser Frau offenbar nicht viel anfangen. Denn die Anklage zur Prostitution stützte sich auf die Aussagen der Opfer, zweier junger Rumäninnen, die das Paar 2006 mithilfe mehrerer Komplizen zwecks Prostitution in die Schweiz eingeschleust haben soll – zu einem Zeitpunkt notabene, in dem Alexandru H. im Thorberg im Gefängnis sass.

Die unwichtigere der beiden Zeuginnen ist inzwischen verstorben, die andere, heute in Italien wohnhaft, habe die Vorwürfe gegen Alexandru H. zurückgezogen, so die Argumentation des Verteidigers. Entsprechend sei der Vorwurf in Sachen «Förderung der Prostitution» haltlos. Für die Einbrüche forderte er eine Haftstrafe von sechs Monaten. Die Staatsanwaltschaft beantragte fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Das Gericht folgte der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, sprach Alexandru H. in allen Punkten schuldig und verurteilte ihn zu fünf Jahren Gefängnis.

*Name geändert