Völlig unkompliziert mit wenigen Klicks einen Schnuppertag buchen und so den Einstieg in den Beruf finden. Ganz ohne auch nur ein einziges Telefonat oder ein Vorstellungsgespräch führen zu müssen. Das wird am «Erlebnistage Beruf» im Kanton Solothurn nun schon zum dritten Mal möglich.

Der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband und das Amt für Berufsbildung stellen dazu auch in diesem Jahr ihre Online-Plattform «Erlebnistage Beruf» zur Verfügung, die sie stets aktuell halten. Auf dieser Website können Solothurner Jugendliche der 7. und 8. Klasse herumstöbern und dann je nach ihren Interessen an einem oder mehreren Schnuppertagen in den kommenden zwei Wochen vom 18. bis zum 29. Juni teilnehmen.

75 Betriebe, 700 Schüler

«Dieses Jahr nutzen 700 Schülerinnen und Schüler die Angebote», erzählt Projektleiter Thomas Jenni, «wir haben dieses Jahr wirklich extrem viele Schüler. Das freut mich am meisten. Die Schülerzahlen haben von Mal zu Mal zugenommen.» Er hat mitgeholfen, diesen Anlass zu initiieren.

Schon im ersten Jahr waren es bereits 400 teilnehmende Jugendliche. Auf der Website finden sich die Heranwachsenden rasch zurecht. Es hat eine interaktive Karte und man kann auch nach Berufen oder Berufsfeldern suchen. Die wichtigsten Infos sind übersichtlich dargestellt. Die Firmen bieten jeweils einen oder mehrere Schnuppertage an. Sie sind frei in der Gestaltung des Programms, das auf der Online-Plattform ebenfalls ersichtlich ist.

«Im Moment machen 75 Betriebe mit. Sie haben etwa 120 Berufsangebote drin», erzählt Jenni. Es seien jedes Jahr mindestens so viele Betriebe gewesen, einmal hätten sogar über 100 mitgemacht. «Viele KMU-Betriebe rekrutieren nicht jedes Jahr Lehrlinge, und wenn sie nicht rekrutieren, wollen manche nicht Werbung machen für die Berufe und nehmen deswegen nicht teil.» Auch wenn sie an anderen Events für Berufsausbildung teilnähmen, würden einige auf eine Teilnahme an den Erlebnistagen Beruf verzichten.

Doch Jenni zieht ein klares Fazit: «Jene, die bei uns mitmachen, haben Erfolg. Wir haben Betriebe, die schon zum dritten Mal dabei sind und die sagen, damit rekrutiere ich eigentlich meinen Nachwuchs.» Ein Vorteil für die KMU sei, dass kein «Riesenaufwand» betrieben werden müsse. Die Unternehmen liegen meist zwischen Grenchen und Olten. Es hat aber auch einzelne aus dem Kanton Aargau und aus dem Wasseramt oder Bucheggberg. «Leider derzeit niemanden aus dem Schwarzbubenland», so Jenni.

Keine Schnupperlehre

Bei der Anmeldung für einen Schnuppertag geschieht alles online, auch die Bestätigung. Wird den Schülerinnen und Schülern der Sek. B, E und P damit nicht ein Lernprozess vorenthalten, nämlich sich am Telefon oder persönlich vor Ort zu bemühen? Der Projektleiter winkt ab: «Das ist bloss ein Schnuppertag und noch keine Schnupperlehre. Bei der Rekrutierung müssen sie dann das übliche Prozedere auch durchlaufen.»

Im Vordergrund stehe, dass sie «möglichst einfach in einen Betrieb hineinkommen» und Berufe «hautnah» erleben könnten. Schliesslich sei man in Zeiten des Fachkräftemangels und müsse sich auch der demografischen Entwicklung stellen. Um Lernende werde heutzutage geworben.

Dass es einem so einfach gemacht wird, rasch etwas auszuwählen, könnte vielleicht dazu führen, dass sich ein Jugendlicher zu schnell für etwas entscheidet, ohne sich mit seinen Wünschen und Fähigkeiten auseinanderzusetzen. Doch das werde dadurch verhindert, dass das Angebot erst frühestens Ende der 7. Klasse genutzt werden kann, meint Jenni. «Dann haben sie sich schon mit der Berufswahl auseinandergesetzt, auch in der Schule.»

Ein Vorteil bei der vorliegenden Plattform sei zudem, dass man nach Berufsfeldern suchen könne. Jenni: «Die Schüler können so verschiedene Berufe anschauen, die ähnlich sind. Ich sage immer, jeder Mensch ist für mehr als einen Beruf geschaffen. Fünf bis sechs Berufe passen irgendwo schon zu einem. Man sollte sich nicht auf einen Beruf einschiessen, sondern immer auch einen Alternativberuf vor Augen haben. Wenn sich jemand für Informatik interessiert und merkt, dass es zu wenige Lehrstellen hat, hat er vielleicht die Möglichkeit, etwa Mediamatiker zu lernen.»