Schule
Berner Schüler dürfen nicht mehr auf das Solothurner Gymnasium gehen

Was bereits im Mai 2012 angekündigt wurde, wird nun in die Tat umgesetzt. Ab Sommer 2014 wird der ausserkantonale Schulbesuch von Berner Schülern aus gewissen Gemeinden nicht mehr bewilligt.

Marco Wyss
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Ab Sommer 2014 wird der ausserkantonale Schulbesuch für Berner Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Solothurn für die Gemeinden im Einzugsgebiet der Oberstufenzentren Niederbipp, Wangen a. A. und Wiedlisbach nicht mehr bewilligt.

Ab Sommer 2014 wird der ausserkantonale Schulbesuch für Berner Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Solothurn für die Gemeinden im Einzugsgebiet der Oberstufenzentren Niederbipp, Wangen a. A. und Wiedlisbach nicht mehr bewilligt.

Hanspeter Bärtschi

Schon bald wird an der Kantonsschule der Bestand an Berner Schüler abnehmen. Laut Konrektor Bernhard Ruh befinden sich momentan ca. 100 Berner Schülerinnen und Schüler über sechs Schuljahre verteilt an der Kantonsschule Solothurn.

Denn was der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver im Mai 2012 in einem Schreiben den betroffenen Gemeinden angekündigt hatte, wird nun in die Tat umgesetzt: Ab Sommer 2014 wird der ausserkantonale Schulbesuch für Berner Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Solothurn für die Gemeinden im Einzugsgebiet der Oberstufenzentren Niederbipp, Wangen a. A. und Wiedlisbach nicht mehr bewilligt.

Stärkung der Berner Oberstufen

Wie Bernhard Pulver schriftlich im Brief an die Gemeinden mitteilt, geht es bei dieser Massnahme darum, die lokalen Berner Oberstufenzentren zu stärken. Auf Anfrage gab die Erziehungsdirektion Bern bekannt, dass auch der Spareffekt ein Thema sei.

Ausser Frage stehe, dass die Oberstufenzentren die Schüler, die später das Gymnasium Oberaargau in Langental besuchen wollen, optimal auf diesen Lehrgang vorbereiten. Sowie auch das Gymnasium Oberaargau in Langental eine optimale Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf universitäre Studien sicherstellen könne.

Auch wenn der Schulweg für die betroffenen Schüler mit dem Schulbesuch im Kanton Bern länger werden wird, sehen die Gemeinden Verständnis für den Entscheid. Von den längeren Schulwegen seien nicht alle Gemeinden gleich betroffen, doch insgesamt seien sie laut Erziehungsdirektion vertretbar.

Man habe erkannt, dass die bisherige Lösung für die jährlich rund 40 Oberstufen Schülerinnen und Schüler der drei Bezirke ein «Luxusangebot» darstellte, da sie aus örtlichen Gründen zwischen zwei Gymnasien, das eine in Bern, das andere in Solothurn, wählen konnten.

«Ein grosser Unterschied ist, dass wir in unseren Oberstufenzentren kein Untergymnasium anbieten können», meint Christine Keller, Schulleiterin von Niederbipp. «Dies sollte jedoch kein Problem darstellen, da wir eine andere Form von Mittelschulförderung anbieten».

«Für die Gemeinde ist diese Entscheidung von kommerzieller Seite her positiv», stellt Christian Glanzmann, Gemeinderat von Wiedlisbach, fest. «Im Angebot sind das Gymnasium Oberaargau und die Kantonsschule Solothurn vergleichbar», meint er. Es würde sich also auf der Ebene der Bildung nicht viel ändern.

Ausnahme des Bürenamtes

Einen Sonderstatus haben die Gemeinden Arch, Rüti b. B. und Leuzigen. «Die schlechten Verbindungen zu den Bieler Gymnasien sprechen dafür, die Möglichkeit eines ausserkantonalen Schulbesuchs an der Kantonsschule Solothurn weiterhin offen zu halten», teilt die Erziehungsdirektion des Kanton Berns mit. Um die Kanti besuchen zu können, müssen die Schülerinnen und Schüler jedoch zuvor die Sek P in Grenchen oder Solothurn absolviert haben.

Ein Übertritt aus der achten Klasse des Oberstufenzentrums wird jedoch nicht mehr bewilligt. «Das Problem ist, dass ein Übertritt von der achten Klasse der Oberstufe aufgrund von fehlendem Schulstoff nicht mehr möglich ist», erklär Barbara Eggimann, Vize-Gemeindepräsidentin von Arch.

Nach Solothurner Behörden erschwert das neue Bildungswesen im Kanton den Einstieg aus der Archer Oberstufe erheblich, da die unterschiedlichen Lehrpläne der Berner Oberstufe und des solothurnerischen Untergymnasiums zu stark voneinander abweichen.

Des einen Leid, des anderen Freud

«An Zuwachs erwarte ich, wenn es hoch kommt, 15 Schüler pro Jahr», meint Thomas Multerer, Rektor des Gymnasiums Oberaargau. Und dennoch komme dieses Plus an Schülern nicht ungelegen, da man einen leichten Rückgang feststellen könne. Diese beruhe auf der geringen Geburtenrate der kommenden Jahrgänge.

«Wir werden nicht 100 Schüler auf einmal verlieren», bemerkt Bernhard Ruh, Konrektor der Kantonsschule Solothurn. Alle Schülerinnen und Schüler, die bereits an der KSSO sind, werden ihre Laufbahn auch hier beenden dürfen». Er fügt hinzu, dass die Schüler und Eltern aus den angrenzenden Berner Gemeinden das grosse Angebot der Kantonsschule geschätzt haben.

Ausnahmen immer noch möglich

Nach der Erziehungsdirektion Bern besteht jedoch für alle betroffenen Gemeinden die Sonderregelung, dass Schüler, deren Geschwister schon an der Kanti Solothurn zur Schule gingen, ebenfalls die Möglichkeit dazu haben. Auch in den Sonderklassen Sport und Kultur werden Ausnahmen bewilligt werden. Ebenfalls betroffen von den Sonderregeln ist die Talentförderklasse Sek I.

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