Als römische Strassensiedlung zu Beginn des 1.Jahrhunderts nach Christus gegründet, war und blieb Solothurn bis zum Beginn des Spätmittelalters im 12. Jahrhundert die einzige Stadt am Jurasüdfuss. «Bis dahin gab es in der ganzen Schweiz nur ein dünnes Netz von Städten und Solothurn war eine davon», unterstreicht Pierre Harb die Bedeutung der Stadt in dieser Zeit.

Der Kantonsarchäologe ist Gesamtprojektleiter der neuen Dauerausstellung im Pächterhaus beim Museum Blumenstein. «Solothurn: Eine Stadt im Laufe der Zeit. Urzeit, Römer, Mittelalter», lautet der Titel der Ausstellung, die gestern Abend im Beisein von Regierungsrat Walter Straumann und Stadtpräsident Kurt Fluri eröffnet worden ist.

Salodurum –Stadt am «Wellentor»

Die Ausstellung erläutert einleitend die ersten Siedlungsspuren auf dem Stadtgebiet, die bis in die Altsteinzeit (um 12000 v. Christus) zurückreichen. Brennpunkt der ältesten Siedlung ist der untere Stalden mit dem ehemaligen Kino Elite. Vor allem lassen Pierre Harb und sein Team die Solothurner Stadtgeschichte zur Römerzeit und im Mittelalter lebendig werden. «Erstmals seit vielen Jahren können wir zahlreiche archäologische Funde, welche die Kantonsarchäologie in und um Solothurn ausgegraben hat, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen», sagt der Kantonsarchäologe nicht ohne Stolz.

Kernstück der Präsentation im Pächterhaus ist ein Korpus, der in mehreren flachen Stufen leicht ansteigt – und auf anschauliche Weise die Entwicklung der Stadt, von deren Gründung um 20 nach Christus bis zum Ende des Mittelalters aufzeigt. Auf jedem «Treppenabsatz» haben die Archäologen ein Kartenschema mit den jeweiligen Umrissen der Stadt aufgezeichnet. «Wir wollen damit deutlich machen, dass Solothurn seit der Römerzeit durchgehend besiedelt ist», erläutert Harb. Diese Kontinuität der Stadtentwicklung aufzuzeigen, ist denn auch eine wesentliche Konstante der Ausstellung im Pächterhaus. «Nur wenige andere Städte der Schweiz teilen diese Besonderheit mit Solothurn», weiss der Kantonsarchäologe.

Diese Kontinuität ist unter anderem auch auf die günstige Verkehrslage der Stadt zurückzuführen, welches Solothurn während der Römerzeit bis ins Mittelalter zu einem wichtigen Warenumschlagplatz und Marktort machte. Dass die Römer just in Solothurn vor rund 2000 Jahren eine kleine Stadt, einen vicus, gründeten, hat mit deren Lage an der Aare und an der Hauptstrasse zwischen den römischen Zentralorten Avenches und Augst sowie Vindonissa zu tun.

«Der Platz Solothurn liegt in der Distanz von zwei Tagesetappen von Avenches entfernt», hält Pierre Harb fest. «Der Ort, wo die Aare nach der Grenchner Witi durch die Enge zwischen Bucheggberg und Leberberg hindurch muss, eignete sich zudem besonders gut für eine Brücke.» Salodurum, der römische Name der Stadt, geht auf einen keltischen Flurnamen zurück und bedeutet «Wellentor». Die Stadt, die sich entlang der heutigen Hauptgasse entwickelte, gedieh prächtig.

Um 200 zählte sie rund 700 Einwohnerinnen und Einwohner. Um 400, während der Zeit der Krisen und Völkerwanderungen wurde Solothurn dann ein erstes Mal mit einer Mauer umgeben. Im Spätmittelalter, um 1300, bildete diese Mauer – ein Zeichen der kontinuierlichen Stadtentwicklung – den Ausgangspunkt für eine neue weitere Stadtmauer, die in den Dimensionen der Mauer entspricht, wie wir sie heute kennen.

Blickfang: Römische Villa

Neben der städtischen Entwicklung will die Ausstellung den Besucherinnen und Besuchern vor allem das Leben der damaligen Menschen näher bringen. «Leben und Arbeiten», «Stadt und Land», «Tod und Religion» heissen unter anderem die Themen, die multimedial aufbereitet ein breites Publikum ansprechen sollen. Harb: «Es handelt sich um grundlegende Themen und Fragestellungen, die auch uns heute beschäftigen.»

Erläutert werden die Themenbereiche zum einen mit den archäologischen Fundstücken. Zum anderen erwecken Installationen die archäologischen Kostbarkeiten zum Leben. Besonders schön gelungen ist dies mit der Darstellung eines Raumes in einem römischen Gutshof. Die beiden Fundstücke, die «Venus von Bellach» und ein Bodenmosaik aus Zuchwil, werden ergänzt durch original nachempfundene Wandmalereien, Korbstühle sowie die grafische Umsetzung eines Mosaiks.

Die Informationen zu Themen und Fundstücken findet der Besucher gebündelt in Info-Säulen. Besonders bemerkenswert ist der jeweils integrierte iPad, der entsprechend interessierten Besuchern detaillierten Informationen vermittelt. Veranschaulicht werden die Stationen zudem durch Hörgeschichten, die ganz besonders bei Kindern – aber längst nicht nur – auf Interesse stossen dürften.